Mi, 07:01 Uhr
13.07.2016
150 Jahre Eisenbahn in Nordhausen
Nordhäuser Wirtschaftsgeschichte
Die Südharzer Geschichtsfreunde kennen keine Sommerpause. So verwundert es nicht, dass auch im Monat Juli ein abendfüllender Vortrag auf dem Programm des Geschichts- und Altertumsvereins stand. Vorstandsmitglied Paul Lauerwald ist nicht nur ein profunder Kenner der Münzgeschichte...
Besucherrekord bei Veranstaltung (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Gleiches kann man von ihm auch hinsichtlich der Geschichte der Eisenbahn sagen. Schließlich war er 51 Jahre bei der Bahn.
Und so stellte er seinen aktuellen Vortrag auch unter den Titel 150 Jahre Eisenbahn in Nordhausen, der zugleich Bezug nimmt auf die parallel laufende Sonderausstellung gleichen Namens im Nordhäuser Tabakspeicher. In seinem reich mit Lichtbildern untersetzten gut 75minütigen Vortrag nahm Paul Lauerwald die 97 Vereinsmitglieder und überaus zahlreichen Gäste übrigens ein Besucherrekord bei den Vorträgen mit auf eine spannende (Bahn)Reise und zeichnete ein Bild vom Beginn des Eisenbahnwesens bis in die heutige Zeit.
Bekanntlich wurde die erste deutsche Eisenbahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth am 7. Dezember 1835 in Betrieb genommen. Das ist fast 176 Jahre her. Und seit 150 Jahren rollen auch Züge durch die Südharzregion. Sie brachten eine rasante Entwicklung der Verkehrs- und Infrastruktur mit sich. Der Export von Waren unterschiedlichster Art stieg beträchtlich an. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewann Nordhausen somit als Industriestandort im Nordthüringer Raum immer mehr an Bedeutung. Der Referent ging sehr detailreich auf technische Voraussetzungen und geologische Besonderheiten im Vorfeld des Bahnbaus ein. Auch die komplizierten Eigentumsverhältnisse, die ständig wechselnden Zuständigkeiten und politischen Veränderungen, die sich nicht selten auch durch Kriege ergaben, sparte Lauerwald nicht aus.
Nach der feierlichen Eröffnung des Streckenabschnittes Eisleben - Nordhausen im Juni 1866 ging es Schlag auf Schlag. Es folgten nur wenig später die Abschnitte Northeim Nordhausen (1867), Erfurt Nordhausen (1869) und schließlich Nordhausen - Hann. Münden. Die notwendig gewordene Vergrößerung des Lokschuppens erfolgte nur wenige Jahre später. Alsbald wurde auch mit dem Bau der Harzquerbahn (heute Harzer Schmalspurbahnen - HSB) begonnen, die 1899 ihre vollständige Streckenlänge erreichte.
Die rasante Bahnentwicklung förderte zudem den Bau bzw. Ausbau von Straßen in der Rolandstadt. Ein Durchbruch zwischen der Bahnhofstraße und der Neustadtstraße wurde geschaffen. Die Ross-Straße wurde in der Folgezeit bis zum Bahnhof ausgebaut und in Bahnhofstraße umbenannt. Markante Industrie- und Klinkerbauten gaben um die Jahrhundertwende dem Bahnhofsplatz ein besonderes Gepräge.
1911 wurde die Strecke Bleicherode Herzberg in Betrieb genommen. Nordhausen entwickelte sich zu einem wichtigen Knotenpunkt des Güterzugverkehrs in Mitteldeutschland. Weitere Gleisanlagen wurden so errichtet, dass Güterzüge um den Bahnhof herumgeleitet werden konnten. Zudem war Nordhausen der Sitz unterschiedlicher Verwaltungseinheiten (wie z.B. Direktionen, Betriebsämter, Betriebsinspektionen). Stetig wurde das Bahnhofsgebäude umgebaut bzw. erweitert.
Eine Wendung nahm diese Entwicklung jedoch in den 1930er Jahren, als es zu einer Stagnation kam. Die Nazis hatten die Macht ergriffen. In der Folge wurden Bahnlinien teilweise für Rüstungstransporte genutzt und waren so für den öffentlichen Bahnverkehr nicht mehr zugänglich. Säuberungen des Mitarbeiterstandes wurden vorgenommen, obwohl es kaum Kommunisten unter den Arbeitern gab. Die Deutsche Reichsbahn musste Teile ihres Gewinns für den Bau der Reichsautobahn abführen, also quasi einen Konkurrenten aus der Taufe heben. Bei den schweren Bombenangriffen Anfang April 1945 auf Nordhausen hatte der Bahnhof nur leichte Schäden zu verzeichnen.
Nach der Gründung der DDR erfuhr die Deutsche Reichsbahn neben der strukturellen Neuausrichtung auch nach und nach technisch Veränderungen. 1968 bekam der Bahnhof Nordhausen eine neue Bahnsteigüberdachung aus Beton, die nach der Wende jedoch abgerissen und durch kleinere Überdachungen aus Stahl und Glas ersetzt wurde. Es kam die Zeit, dass beispielsweise Wassertanks für die Dampfloks überflüssig wurden, weil zunächst Diesel- und später E-Loks den Siegeszug auch auf den Strecken der Südharzregion antraten. 1994 wurden die Deutsche Reichsbahn und die Deutsche Bundesbahn zusammengeführt und gingen in dem Staatskonzern Deutsche Bahn AG auf.
Wer noch mehr über die 150jährige Entwicklung des Eisenbahnwesens im Südharzer Raum erfahren möchte, dem sei die aktuelle Sonderausstellung im Nordhäuser Museum Tabakspeicher, Bäckerstraße 20, sehr empfohlen. Besonders in der Ferienzeit sollte ein lehrreicher Museumsbesuch allemal auf dem Programm stehen, zumal auch ein anschauliches Modell des Nordhäuser Bahnhofs diese Schau eindrucksvoll bereichert. Die Ausstellung ist noch bis 14. August 2016 im Tabakspeicher zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr. Freitag ist immer Museumstag, da kostet der Eintritt nur 1 Euro.
Hans-Georg Backhaus
Autor: nnz
Besucherrekord bei Veranstaltung (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Gleiches kann man von ihm auch hinsichtlich der Geschichte der Eisenbahn sagen. Schließlich war er 51 Jahre bei der Bahn.
Und so stellte er seinen aktuellen Vortrag auch unter den Titel 150 Jahre Eisenbahn in Nordhausen, der zugleich Bezug nimmt auf die parallel laufende Sonderausstellung gleichen Namens im Nordhäuser Tabakspeicher. In seinem reich mit Lichtbildern untersetzten gut 75minütigen Vortrag nahm Paul Lauerwald die 97 Vereinsmitglieder und überaus zahlreichen Gäste übrigens ein Besucherrekord bei den Vorträgen mit auf eine spannende (Bahn)Reise und zeichnete ein Bild vom Beginn des Eisenbahnwesens bis in die heutige Zeit.
Bekanntlich wurde die erste deutsche Eisenbahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth am 7. Dezember 1835 in Betrieb genommen. Das ist fast 176 Jahre her. Und seit 150 Jahren rollen auch Züge durch die Südharzregion. Sie brachten eine rasante Entwicklung der Verkehrs- und Infrastruktur mit sich. Der Export von Waren unterschiedlichster Art stieg beträchtlich an. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewann Nordhausen somit als Industriestandort im Nordthüringer Raum immer mehr an Bedeutung. Der Referent ging sehr detailreich auf technische Voraussetzungen und geologische Besonderheiten im Vorfeld des Bahnbaus ein. Auch die komplizierten Eigentumsverhältnisse, die ständig wechselnden Zuständigkeiten und politischen Veränderungen, die sich nicht selten auch durch Kriege ergaben, sparte Lauerwald nicht aus.
Nach der feierlichen Eröffnung des Streckenabschnittes Eisleben - Nordhausen im Juni 1866 ging es Schlag auf Schlag. Es folgten nur wenig später die Abschnitte Northeim Nordhausen (1867), Erfurt Nordhausen (1869) und schließlich Nordhausen - Hann. Münden. Die notwendig gewordene Vergrößerung des Lokschuppens erfolgte nur wenige Jahre später. Alsbald wurde auch mit dem Bau der Harzquerbahn (heute Harzer Schmalspurbahnen - HSB) begonnen, die 1899 ihre vollständige Streckenlänge erreichte.
Die rasante Bahnentwicklung förderte zudem den Bau bzw. Ausbau von Straßen in der Rolandstadt. Ein Durchbruch zwischen der Bahnhofstraße und der Neustadtstraße wurde geschaffen. Die Ross-Straße wurde in der Folgezeit bis zum Bahnhof ausgebaut und in Bahnhofstraße umbenannt. Markante Industrie- und Klinkerbauten gaben um die Jahrhundertwende dem Bahnhofsplatz ein besonderes Gepräge.
1911 wurde die Strecke Bleicherode Herzberg in Betrieb genommen. Nordhausen entwickelte sich zu einem wichtigen Knotenpunkt des Güterzugverkehrs in Mitteldeutschland. Weitere Gleisanlagen wurden so errichtet, dass Güterzüge um den Bahnhof herumgeleitet werden konnten. Zudem war Nordhausen der Sitz unterschiedlicher Verwaltungseinheiten (wie z.B. Direktionen, Betriebsämter, Betriebsinspektionen). Stetig wurde das Bahnhofsgebäude umgebaut bzw. erweitert.
Eine Wendung nahm diese Entwicklung jedoch in den 1930er Jahren, als es zu einer Stagnation kam. Die Nazis hatten die Macht ergriffen. In der Folge wurden Bahnlinien teilweise für Rüstungstransporte genutzt und waren so für den öffentlichen Bahnverkehr nicht mehr zugänglich. Säuberungen des Mitarbeiterstandes wurden vorgenommen, obwohl es kaum Kommunisten unter den Arbeitern gab. Die Deutsche Reichsbahn musste Teile ihres Gewinns für den Bau der Reichsautobahn abführen, also quasi einen Konkurrenten aus der Taufe heben. Bei den schweren Bombenangriffen Anfang April 1945 auf Nordhausen hatte der Bahnhof nur leichte Schäden zu verzeichnen.
Nach der Gründung der DDR erfuhr die Deutsche Reichsbahn neben der strukturellen Neuausrichtung auch nach und nach technisch Veränderungen. 1968 bekam der Bahnhof Nordhausen eine neue Bahnsteigüberdachung aus Beton, die nach der Wende jedoch abgerissen und durch kleinere Überdachungen aus Stahl und Glas ersetzt wurde. Es kam die Zeit, dass beispielsweise Wassertanks für die Dampfloks überflüssig wurden, weil zunächst Diesel- und später E-Loks den Siegeszug auch auf den Strecken der Südharzregion antraten. 1994 wurden die Deutsche Reichsbahn und die Deutsche Bundesbahn zusammengeführt und gingen in dem Staatskonzern Deutsche Bahn AG auf.
Wer noch mehr über die 150jährige Entwicklung des Eisenbahnwesens im Südharzer Raum erfahren möchte, dem sei die aktuelle Sonderausstellung im Nordhäuser Museum Tabakspeicher, Bäckerstraße 20, sehr empfohlen. Besonders in der Ferienzeit sollte ein lehrreicher Museumsbesuch allemal auf dem Programm stehen, zumal auch ein anschauliches Modell des Nordhäuser Bahnhofs diese Schau eindrucksvoll bereichert. Die Ausstellung ist noch bis 14. August 2016 im Tabakspeicher zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr. Freitag ist immer Museumstag, da kostet der Eintritt nur 1 Euro.
Hans-Georg Backhaus





















