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Do, 10:52 Uhr
11.02.2016
nnz-Betrachtung

Machen statt reden!

Es wird immer verfahrener in der Angelegenheit "Albert-Kuntz-Sportpark". Da prallen Meinungen, Schlagworte, Phrasen und gegenseitige Anschuldigungen aufeinander. Vielleicht reden die Akteure von Verein und Kommune auch einfach aneinander vorbei...


Seit gefühlten 100 Jahren wird nun schon über die "Ertüchtigung" des Albert-Kuntz-Sportparks (AKS) geredet. Da wurden Arbeitsgruppe und Arbeitskreise ins Leben gerufen, obwohl deren Teilnehmer mit DDR-Hintergrund den Spruch von den Arbeitskreisen und deren Effizienz kennen müssten.

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Das Schlimme daran: Der Spruch bewahrheitet sich nun vermutlich auch. Das noch Schlimmere daran für Politik und Verein: die Zeit rennt davon. Es gibt da so eine Deadline - der Start in die Saison 2016/17. Und so ergibt sich Druck, ein Zu- oder Umstand, mit dem vor allem Politiker nicht umgehen können. Die brauchen zeitlichen Vorlauf. Im Stadtrat wie im Landtag. Für die Diskussion, die Debatte, wie sie selbst immer kundtun.

Und so ergibt sich eine Gemengelage, die am Ende vermutlich in einem Chaos enden wird. In einem großen Knall: Keine Unterstützung für den Verein, weil der ja vielleicht professionellen Fußball spielen könnte. Weil das ein Erfolg für die ganze Region sein könnte. Keine Förderung durch das Land, weil kein Geld vorhanden ist und ein Ministerpräsident die Verantwortung auf die Kommune schiebt. Keine Eigenmittel seitens der Stadt, weil die Kommune zurecht beklagt, dass die Schlüsselzuweisungen vom Land seit dem Jahr 2010 von damals 18,5 Millionen Euro auf aktuell 12 Millionen Euro pro Jahr zurückgegangen sind.

Es ist immer das gleiche Spiel, das Spiel des Verschiebens von Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten. Es ist das Spiel des Aussitzens, das auf der politischen Ebene betrieben wird. Nicht nur in Nordhausen.

Es gebe keine Förderung für den Profisport in diesem Land, wird als Argument angeführt. Vermutlich spielt Rot Weiß Erfurt dann in der Landesliga, denn dem aktuell abstiegsgefährdeten und ewig subventionierten Klub der Landeshauptstadt gönnen Land und Stadt ein millionenschweres Stadion, das nur als Multifunktionsarena verkauft wird. Von Jena wollen wir an dieser Stelle mal gänzlich schweigen.

Zurück zum bevorstehenden Chaos. Da könnte also das Anhäufen und schließlich das Umschlagen von Quantitäten (Ausreden, warum es nicht funktioniert) in eine neue Qualität (Investor) durchaus in diesem Jahr noch Sinn machen. Dann nämlich, wenn ein neues Stadion auch ohne die Kommune gebaut wird. Dem - freundlich ausgedrückt - "Dickschädel" Nico Kleofas ist das durchaus zuzutrauen. Nicht, weil der Interims-Gönner des Nordhäuser Regionalliga-Fußballs, Carlo Knauf, mit Kleofas mehr als nur geschäftlich verbunden ist. Das könnte möglich werden, weil es auch andere Investoren aus der Baubranche gibt, die durchaus ihr Interesse bekunden.

Die aber immer noch mit dem unternehmerischen Kopf schütteln, wenn Sie das Gebaren der Politiker aller Ebenen versuchen einzuordnen. Sechs Millionen Euro, die sind für diese Firmen in diesen Zeiten leicht aufzutreiben, doch das wäre auch die Kapitulation der öffentlichen Hand vor der eigenen Unfähigkeit im Allgemeinen und den finanziellen Umständen in Nordhausen im Speziellen.

Denn Wacker Nordhausen ist - trotz Tabellenführung in der Regionalliga und trotz pflichtgemäßer Abgabe der Lizenzunterlagen auch für die dritte Liga - mehr als nur der Regionalliga-Fußball. Die U23 ist Tabellenführer in der Thüringenliga, die A-Junioren sind Tabellenführer in ihrer Spielklasse. Engagierte Übungsleiter haben eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit aufgebaut, die zunehmend Früchte trägt, die den Spaß an die Parkallee bringt - für Kinder, Eltern und Großeltern. Dieser soziale Aspekt ist eben genauso wertvoll wie das Jonglieren bei Zappelini, die Mitarbeit im Theaterjugendclub und das Gestalten in der Jugendkunstschule.

Und deshalb ist die Stadt eben auch bei Wacker in der Pflicht, schon weil sie Grundstückeigentümer des AKS ist. Und da macht es keinen Sinn, wenn sich Präsident und Oberbürgermeister gegenseitig Zahlen um die Ohren hauen, wer was geleistet hat. Das sind Scheingefechte. Es geht schlicht und ergreifend um die Frage: Kann sich eine Stadt wie Nordhausen eine Investition, an der sich private Geldgeber beteiligen wollen, begleiten oder befördern? Oder kann und will sie das nicht. Das muss gesagt werden. Und Wacker muss endlich mitteilen, welches Vorhaben nun das endgültige ist. Wie eine Vision zur Realität werden kann.

Wird diese Chance in diesem Jahr vertan, dann wird Nordhausen im Fußball um einiges ärmer werden. Das wäre schade und bedauerlich und für diese Stadt ein medialer Super-GAU. Sicher auch für das Präsidium, vor allem aber für den Verein und auch für die immer größer werdende Zahl der Fans, die - im Vergleich zur Einwohnerzahl - sich in den neuen Bundesländern nicht zu verstecken braucht. Also: Machen statt reden.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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Kommentare
Flitzpiepe
11.02.2016, 12:12 Uhr
Ein Hinweis dazu
Super Zusammenfassung!
Allerdings ist Wacker jetzt schon eine Profimannschaft. Anders geht es nicht, wenn man in der Regionalliga oben mitspielen will.
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