Sa, 13:23 Uhr
27.06.2015
Fahr doch selbst - 5. Berufsaktionstag
Großer Bagger, kleiner Bagger, Lkw und Gabelstapler bishin zur Pferdekutsche - auf dem Nordhäuser Autodrom konnte man zum 5. Berufsaktionstag wieder viel selbst ausprobieren und erleben. Vor allem geht es aber darum, Nachwuchs für die Transportbranche zu werben. Und inzwischen ist der Berufsaktionstag auch eine Bühne für Politik geworden...
Der Start des 5. Berufsaktionstages fiel buchstäblich ins Wasser - pünktlich zum Start öffnete der Himmel seine Schleusen. Die Besucher ließen sich von dem bisschen Regen allerdings nicht abhalten die vielen Angebote auf dem Autodrom auszuprobieren.
Zu sehen gab es jede Menge - wer groß genug war das Gaspedal zu erreichen, der durfte auch diverse Fahrzeuge und Arbeitsgeräte ausprobieren, vom Bagger über den "Lang-Lkw" bis zum Gabelstapler. Hinzukamen viele andere Angebote wie Reifenwechsel und Ladungssicherung auf Zeit, Überschlagsimulator, Skyshooter, Rangierübungen und ein Wissensquiz.
Bevor es richtig losging hatte jedoch erst einmal die Stunde der Grußworte und Danksagungen geschlagen. Dabei wurde auf die aktuellen Probleme der Transportbranche aufmerksam gemacht und um Nachwuchs geworben. Im gleichen Atemzug wurde die Chance genutzt, Wünsche und Forderungen an die Politik heranzutragen. Die war nämlich reichlich vertreten und im Gegensatz zu den meisten Veranstaltungen in der Region war nicht nur die lokale Politik gekommen, sondern auch Vertreter aus Erfurt, Berlin und Brüssel.
Zur Eröffnung war nicht nur die Nordhäuser Lokalpolitik gekommen, sondern auch Besuch aus Erfurt, Berlin und Brüssel (Foto: Angelo Glashagel)
Hans-Dieter Otto, seines Zeichens Spediteur und einer der 50 Partner des BBZ die den Tag seit 2011 organisieren, sprach über die Sorgen seiner Branche, vor allem den Personalmangel und die veränderten Ausbildungsbedingungen. Außerdem engagiere man sich hier nicht nur zum Wohl der Leute, sondern auch zum Wohl der Straßen. 7,2 Milliarden Euro an Investitionen würden derzeit fehlen, wichtige Projekte wie die B243 oder die Umfahrung Halle West, Projekte wie der "Lang-Lkw" oder Probleme wie die Einhaltung des Mindestlohns auch für Fahrer aus dem Ausland müssten in Angriff genommen werden.
Karsten Froböse, Leiter der Nordhäuser Arbeitsagentur, wiederholte bewusst noch einmal die Nachrichten, die den Arbeitsmarkt seit Monaten begleiten: die Zahl der Arbeitslosen ist so niedrig wie seit 1990 nicht mehr und es bräuchte mehr Zuwanderung, wenn das Wohlstandsniveau des Landes gehalten werden soll. "In den kommenden sechs Jahren werden wir sechs Millionen Erwerbstätige verlieren", sagte Froböse, der Nachwuchs reiche nicht aus, das abzufedern.
Das ist insbesondere auch ein Problem der Transportbranche, die in den kommenden Jahre viele altgediente Fahrer verlieren wird, auch in Nordthüringen. Aber die "Zukunft ist kein Schicksal", meinte Froböse. Wie es in der Zukunft weitergehen soll, das erläuterte Rainer Bomba, Staatsekretär im Berliner Verkehrsministerium, der die Initiative des BBZ und seiner Partner erst einmal ausdrückliches Lob für ihr Engagement aussprach.
Man rechne bis zum Jahr 2030 mit einer Zunahme des Güterverkehrs um 40%, erklärte der Staatssekretär. Deswegen werde man die Infrastruktur und die Gewerbe fit machen müssen für die Zukunft. Die derzeit 5,5 Mrd. für den Straßenbau will man bis 2018 auf 8,5 Mrd. aufstocken, auch durch die "Nutzergebühr", sprich: die Maut. Mit dem Geld will man die Infrastruktur "erhalten, ausbauen und neu bauen", sagte Bomba. Außerdem bereite man eine Initiative vor, um die Personalschulung zu stärken.
Der Bundestagsabgeordnete Manfred Grund sprach sich für sogenannte "PPP" Projekte aus, also "öffentlich private Partnerschaften", mit diesem Instrument der Finanzierung könnten große Strecken schneller angegangen werden. Die Methode ist allerdings nicht unumstritten und wurde selbst vom Bundesrechnungshof scharf kritisiert. Unterstützung für die Idee kam von Thüringens Infrastrukturministerin Birgit Keller, allerdings nicht universell, sondern vor allem in Hinblick auf die B247.
Keller ist auch Schirmherrin des Aktionstages. Den musste sie nach der langen Reihe an Grußworten denn auch tatsächlich zücken, auch wenn der Regen zwischenzeitlich nachgelassen hatte und die Delegation zur Präsentation der Übungs-Lkw übergehen konnte.
Der politische Besuch zeigte auch, welche Bedeutung der Aktionstag und mit ihm das BBZ inzwischen erlangt hat. Der Berufsaktionstag ist die größte Veranstaltung dieser Art in der Bundesrepublik und das Bildungszentrum selbst inzwischen über die Region hinaus bekannt. So organisiert man etwa die Lehrgänge für die Kraftfahrer der großen Mineralöllieferanten, erläuterte Andreas Gebhardt, der den Trainingsbereich des BBZ leitet. Hierzu hält man eigens Tankwagen mit Stützrädern vor. Außerdem befindet sich der einzige "Lang-Lkw" mit dieser Übungsvorrichtung im Besitz des BBZ und wurde zusammen mit den anderen Fahrzeugen heute vorgeführt.
"Wir kümmern uns aber auch um allgemeine Verkehrssicherheit und Unfallprävention", sagte Herr Gebhardt, "Übertage, Untertage, von Geländewagen und Pkw bis zum Moped".
Derzeit arbeitet man daran, zum "Kompetenzzentrum" zu werden. Dazu gehören neben einem neuen Schulungsgebäude, das sich noch im Rohbau befindet, auch neue Flächen für die Fahrübungen, von denen eine heute bereits nutzbar war. Im Herbst soll auch die dritte Fläche fertig gestellt werden, das neue Schulungszentrum im Januar.
Zum 5. Berufsaktionstag konnte man nicht nur zusehen, sondern auch selbst ausprobieren, hauptsache man kam ans Gaspedal (Foto: Angelo Glashagel)
Das dass BBZ wächst, war auch anderweitig auf dem Gelände zu sehen. Man legte im Vergleich zu den anderen Jahren noch einmal eine Schippe drauf und hatte auch Abseits des eigentlichen Geländes schwere Maschinen aufgefahren.
Einziger Wermutstropfen blieb das schlechte Wetter. Der Regen schien die Besucher aber nicht zu schrecken, zur Mittagszeit füllte sich der Platz. Wer sich selbst ein Bild machen will und nicht aus Zucker ist, der kann den 5. Berufsaktionstag noch bis 16 Uhr erleben.
Angelo Glashagel
Autor: redDer Start des 5. Berufsaktionstages fiel buchstäblich ins Wasser - pünktlich zum Start öffnete der Himmel seine Schleusen. Die Besucher ließen sich von dem bisschen Regen allerdings nicht abhalten die vielen Angebote auf dem Autodrom auszuprobieren.
Zu sehen gab es jede Menge - wer groß genug war das Gaspedal zu erreichen, der durfte auch diverse Fahrzeuge und Arbeitsgeräte ausprobieren, vom Bagger über den "Lang-Lkw" bis zum Gabelstapler. Hinzukamen viele andere Angebote wie Reifenwechsel und Ladungssicherung auf Zeit, Überschlagsimulator, Skyshooter, Rangierübungen und ein Wissensquiz.
Bevor es richtig losging hatte jedoch erst einmal die Stunde der Grußworte und Danksagungen geschlagen. Dabei wurde auf die aktuellen Probleme der Transportbranche aufmerksam gemacht und um Nachwuchs geworben. Im gleichen Atemzug wurde die Chance genutzt, Wünsche und Forderungen an die Politik heranzutragen. Die war nämlich reichlich vertreten und im Gegensatz zu den meisten Veranstaltungen in der Region war nicht nur die lokale Politik gekommen, sondern auch Vertreter aus Erfurt, Berlin und Brüssel.
Zur Eröffnung war nicht nur die Nordhäuser Lokalpolitik gekommen, sondern auch Besuch aus Erfurt, Berlin und Brüssel (Foto: Angelo Glashagel)
Hans-Dieter Otto, seines Zeichens Spediteur und einer der 50 Partner des BBZ die den Tag seit 2011 organisieren, sprach über die Sorgen seiner Branche, vor allem den Personalmangel und die veränderten Ausbildungsbedingungen. Außerdem engagiere man sich hier nicht nur zum Wohl der Leute, sondern auch zum Wohl der Straßen. 7,2 Milliarden Euro an Investitionen würden derzeit fehlen, wichtige Projekte wie die B243 oder die Umfahrung Halle West, Projekte wie der "Lang-Lkw" oder Probleme wie die Einhaltung des Mindestlohns auch für Fahrer aus dem Ausland müssten in Angriff genommen werden.
Karsten Froböse, Leiter der Nordhäuser Arbeitsagentur, wiederholte bewusst noch einmal die Nachrichten, die den Arbeitsmarkt seit Monaten begleiten: die Zahl der Arbeitslosen ist so niedrig wie seit 1990 nicht mehr und es bräuchte mehr Zuwanderung, wenn das Wohlstandsniveau des Landes gehalten werden soll. "In den kommenden sechs Jahren werden wir sechs Millionen Erwerbstätige verlieren", sagte Froböse, der Nachwuchs reiche nicht aus, das abzufedern.
Das ist insbesondere auch ein Problem der Transportbranche, die in den kommenden Jahre viele altgediente Fahrer verlieren wird, auch in Nordthüringen. Aber die "Zukunft ist kein Schicksal", meinte Froböse. Wie es in der Zukunft weitergehen soll, das erläuterte Rainer Bomba, Staatsekretär im Berliner Verkehrsministerium, der die Initiative des BBZ und seiner Partner erst einmal ausdrückliches Lob für ihr Engagement aussprach.
Man rechne bis zum Jahr 2030 mit einer Zunahme des Güterverkehrs um 40%, erklärte der Staatssekretär. Deswegen werde man die Infrastruktur und die Gewerbe fit machen müssen für die Zukunft. Die derzeit 5,5 Mrd. für den Straßenbau will man bis 2018 auf 8,5 Mrd. aufstocken, auch durch die "Nutzergebühr", sprich: die Maut. Mit dem Geld will man die Infrastruktur "erhalten, ausbauen und neu bauen", sagte Bomba. Außerdem bereite man eine Initiative vor, um die Personalschulung zu stärken.
Der Bundestagsabgeordnete Manfred Grund sprach sich für sogenannte "PPP" Projekte aus, also "öffentlich private Partnerschaften", mit diesem Instrument der Finanzierung könnten große Strecken schneller angegangen werden. Die Methode ist allerdings nicht unumstritten und wurde selbst vom Bundesrechnungshof scharf kritisiert. Unterstützung für die Idee kam von Thüringens Infrastrukturministerin Birgit Keller, allerdings nicht universell, sondern vor allem in Hinblick auf die B247.
Keller ist auch Schirmherrin des Aktionstages. Den musste sie nach der langen Reihe an Grußworten denn auch tatsächlich zücken, auch wenn der Regen zwischenzeitlich nachgelassen hatte und die Delegation zur Präsentation der Übungs-Lkw übergehen konnte.
Der politische Besuch zeigte auch, welche Bedeutung der Aktionstag und mit ihm das BBZ inzwischen erlangt hat. Der Berufsaktionstag ist die größte Veranstaltung dieser Art in der Bundesrepublik und das Bildungszentrum selbst inzwischen über die Region hinaus bekannt. So organisiert man etwa die Lehrgänge für die Kraftfahrer der großen Mineralöllieferanten, erläuterte Andreas Gebhardt, der den Trainingsbereich des BBZ leitet. Hierzu hält man eigens Tankwagen mit Stützrädern vor. Außerdem befindet sich der einzige "Lang-Lkw" mit dieser Übungsvorrichtung im Besitz des BBZ und wurde zusammen mit den anderen Fahrzeugen heute vorgeführt.
"Wir kümmern uns aber auch um allgemeine Verkehrssicherheit und Unfallprävention", sagte Herr Gebhardt, "Übertage, Untertage, von Geländewagen und Pkw bis zum Moped".
Derzeit arbeitet man daran, zum "Kompetenzzentrum" zu werden. Dazu gehören neben einem neuen Schulungsgebäude, das sich noch im Rohbau befindet, auch neue Flächen für die Fahrübungen, von denen eine heute bereits nutzbar war. Im Herbst soll auch die dritte Fläche fertig gestellt werden, das neue Schulungszentrum im Januar.
Zum 5. Berufsaktionstag konnte man nicht nur zusehen, sondern auch selbst ausprobieren, hauptsache man kam ans Gaspedal (Foto: Angelo Glashagel)
Das dass BBZ wächst, war auch anderweitig auf dem Gelände zu sehen. Man legte im Vergleich zu den anderen Jahren noch einmal eine Schippe drauf und hatte auch Abseits des eigentlichen Geländes schwere Maschinen aufgefahren.Einziger Wermutstropfen blieb das schlechte Wetter. Der Regen schien die Besucher aber nicht zu schrecken, zur Mittagszeit füllte sich der Platz. Wer sich selbst ein Bild machen will und nicht aus Zucker ist, der kann den 5. Berufsaktionstag noch bis 16 Uhr erleben.
Angelo Glashagel




