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Mo, 20:20 Uhr
09.02.2015

Kein Dampf mehr im Laden

Es war der 30. April des vergangenen Jahres. Am Harzquerbahnhof in Nordhausen wurde richtig auf die Polit-Pauke gehauen. Denn immerhin wurde da ein Dampfladen eröffnet. Nach neun Monaten allerdings kündet ein Schild von dessen Schließung...

Der Dampfladen war heute dicht - Inventur oder Schließung? (Foto: nnz) Der Dampfladen war heute dicht - Inventur oder Schließung? (Foto: nnz)
Wer wollte damals nicht alles reden: eine Staatssekretärin, die heute keine mehr ist, eine Landrätin, die heute Ministerin ist, Geschäftsführer und Oberbürgermeister. Eigentlich sollte der 10. Geburtstag der Schienenverbindung zwischen Straßenbahn und Harzer Schmalspurbahn - das sogenannte Nordhäuser Modell - gefeiert werden.

Und so nebenbei wurde die bis dato größte Errungenschaft der ehemaligen Landrätin, der Dampfladen, den sie der HSB abgerungen hatte, eröffnet. Mit vielen Souvenirs, mit toller Technik, Multimedia und vielem mehr. Ach ja, es sollten ja auch diverse Schmalspurbahnfahrkarten verkauft werden. In den Räumlichkeiten untergebracht war auch der Naturparkstützpunkt und so bot es sich an, den Dampfladen durch den Südharzer Tourismusverband gleich mit betreiben zu lassen. Vermieter war und blieb die HSB.

Dieser Verband, der STV, ist allerdings bereits seit Monaten nicht mehr so gefragt. Ein neuer, ein größerer Verband musste her. Mit dem Kyffhäuserkreis und mit dem Versprechen, Doppelstrukturen aufzulösen.

Aufgelöst ist vielmehr der Dampfladen samt Naturparkstützpunkt. Letzterer soll gemeinsam mit der Geschäftsstelle des Südharzer Tourismusverbandes in das Landratsamt umziehen. Abwickeln kann man den bisherigen Verband erst dann, wenn die Trägerschaft des Naturparks durch das Land neu geregelt wird. Und das kann dauern. Also bleiben die Doppelstrukturen erst einmal auf unbestimmte Zeit erhalten.
Am Montag geschlossen - aber wie lange? (Foto: nnz)
Am Montag geschlossen - aber wie lange? (Foto: nnz)
Am Montag geschlossen - aber wie lange? (Foto: nnz)
Am Montag geschlossen - aber wie lange? (Foto: nnz)
Die nnz stocherte ein wenig tiefer und bekommt merkwürdige Details serviert. Zuerst das Statement der HSB: "Die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) steht gegenwärtig in Gesprächen mit dem Südharzer Tourismusverband über die zukünftige Ausrichtung des Dampfladens im Bahnhof Nordhausen. Momentan wird der Dampfladen den neuen Gegebenheiten angepasst. Der Dampfladen wird zeitnah wieder den Gäste und Einwohner der Stadt Nordhausen zur Verfügung stehen. Das Engagement der HSB in Nordhausen wird sich auch zukünftig nicht verringern."

So weit, so gut. Doch spätestens bei dem Wort "zeitnah" ist eine gewisse Skepsis notwendig. Man legt sich nicht fest. Im Landratsamt in Nordhausen indes ist die pure Hektik zu spüren. Vielleicht sollte alles klammheimlich durchgezogen werden, vielleicht auch nicht. Denn offiziell spricht die Behörde von eine Inventur, mit der man bis nach den Ferien warten wollte. Nur von geschäftiger Inventur ist hinter den vergangenen Scheiben nichts zu entdecken.

Dann die plötzliche Erleuchtung aus der Kreisverwaltung: "Wir werden morgen wieder öffnen!" Konfuser geht es nun tatsächlich nicht.

Fazit erst einmal. Am Nordhäuser Bahnhof gibt es nach 25 Jahren vermutlich erst einmal keine Tourist-Info mehr. Das zumindest war der temporäre Plan der Verwalter. Eine tolle Leistung. Wissbegierige Menschen hätten also zum Nordhäuser Rathaus fahren oder - vielleicht - ins Landratsamt kommen müssen, um eine Fahrkarte oder ein Souvenir zu kaufen.

Sollte die nnz die Verantwortlichen nun aus der Dämmerung gezogen haben, dann hat dieser Beitrag auch was Gutes. Nämlich einen ab morgen wieder geöffneten Dampfladen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
09.02.2015, 20:45 Uhr
Naturpark und Tourismus light eben
Der ganze Vorgang zeigt exemplarisch, welchen Stellenwert Tourismus im Landkreis tatsächlich hat. Etwas ausgehöhlt erscheinen mir da rückblickend auch die Worte der früher im Tourismusverband verantwortlichen Frau Reinholz über dessen Erfolge, als Bestätigung auch früherer Skepsis. Fest steht wohl: Hätte der Tourismus für die Verantwortlichen von HSB und Kreis tatsächlich eine prioritäre Position, hätte der Dampfladen gewiss nicht schließen müssen. Dass der Naturpark nur ein verschämtes Feigenblatt der gefallenen CDU-Regierung war (der Widerspruch zur Schutzwürdigkeit des Südharzes war halt doch zu groß), wird ebenso deutlich.

Ein Naturpark mit der Vielfalt und Ausstattung, des unseren, braucht eine hauptamtliche, mit mehreren Fachleuten besetzte Verwaltung, wenn er als solcher verstanden und angemessen arbeiten will. Biosphärenreservat wäre sowieso angemessener und angebrachter, für den Naturschutz ebenso wie für den Tourismus. Und die jeweilige Verwaltung bitte in Bahnhofsnähe und nicht in irgendeiner Schreibstube.
Goldene Aue
10.02.2015, 07:37 Uhr
Verdammt lang her, verdammt lang....
Mit viel Tam, Tam wurde am 30.04.2014 - ups das war ja erst letztes Jahr der Dampfladen in Nordhausen eröffnet.
Nach dem Umbau, war Schaulaufen der Eitelkeiten und Befindlichkeiten angesagt und lecker Häppchen gab es auch.
Dann begann der Altagsbetrieb, z. B. Samstag und Sonntag von 8.00 bis 11.00 Uhr oder eben mit Schild: Wenn zu , dann zu :-)
So haben die Tagestouristen 3 h am Wochenende einen Ansprechpartner. Sehr kundenfreundlich - oder eher doch mitarbeiterfreundlich.
Dann kommt man auf den Bahnsteig und dort steht schon ein Dampfzug mit einem Platzangebot von mindestens 220 Sitzplätzen.
Nachdem max. 20 Personen eingestiegen sind, verändert sich das Reisendenpotential die nächsten 42 km kaum. Dann hat der Zug den Bahnhof Elend erreicht und viele Reisende nutzen diesen Bahnhof zur ihrem Start auf den Brocken.
Darauf liegt auch das Hauptaugemnerk der HSB. Das geht schon los bei der Fahrpreisgestaltung, siehe z.B. Ticketangebote oder nehmen wir mal den Fahrpreis von Nordhausen nach Eisfelder Talmühle. 2 Erwachsene und 2 Kinder (bis 11 Jahre) kosten Hin und zurück 18,00 €. Nix mit Rodel- oder Wanderticket.
Für die Auslastung speziell des Brockenzuges in der Südharzregion würde es gut tun, vollere Züge zu fahren und und betriebswirtschaftlich wäre es sicher auch sinnvoll.
Aber es scheint nicht gewollt zu sein, der Brocken als Zugpferd reicht ja :-)
Habe gerade in den Spiegel geschaut und mein gegenüber sagte mir: "Nicht nur meckern, auch Vorschläge machen".
Gut dann machen wir das. So ist es sicher eine Möglichkeit die Tickets mit anderen Angeboten zu verknüpfen. Sei es bei einem Besuch der rührigen Mitglieder des Rabensteiner Stollens oder der Langen Wand. Käffchenkränzchen in den Bahnhofsgaststätten in Ilfeld, Netzkater, Eisfelder Talmühle und natürlich auch den anderen Gaststätten. Eine geführte Wanderung zu so vielen Sehenswürdigkeiten oder zur Wildfütterung. Da sollte doch für jeden was dabei sein.
Und wie ich viele nnz-Leser kenne, haben auch viele noch Ideen.
Vielleicht wäre ja mal eine sinnvolle Diskussion darüber nicht das schlechteste.
Was meinen Sie, Herr Bahnsen (Pressesprecher der HSB) und Herr PSG :-)
Übernehmen Sie!?
Wolfi65
10.02.2015, 07:54 Uhr
Da kommt nicht mehr viel
Den Dampfladen und die Infos gibt es bei Bedarf aufs Handy und Fahrkarten am Automaten. Was soll man da noch einen Raum unterhalten. Gar noch einen ganzen Bahnhof? Die ungeliebte Strecke nach Nordhausen rentiert sich wohl für HSB sowieso nicht. Also was soll da das Knurren und murren? Ist halt Marktwirtschaft.
Goldene Aue
10.02.2015, 08:28 Uhr
Ich weiss es ist kein Chat...
aber trotzdem möchte ich gern was Wolfi entgegnen.
Ich gebe Ihnen Recht, dass Unternehmen muss natürlich marktwirtschaftlich geführt werden.
Lt. Gesellschaftervertrag wurde festgelegt, dass tagtäglich ein Dampfzugpaar von Nordhausen fährt.
Es kommt "nur" darauf an, dem ganzen Leben einzuhauchen.
Das setzt zum einen engagierte Leute voraus, zum anderen muss kleinkariertem Denken in Schubladen der Vergangenheit angehören.
Damit meine ich, die Tourismusverbände müssen zusammenarbeiten.
Die Arbeit darf sich nicht darauf beschränken, den x-ten Flyer zum selben Thema herauszugeben. Darauf eine Dampflok und das wars.
Die Tourismuszahlen um Südharz sind rückläufig und dem muss man entegenwirken.
Mit Gesprächen im Gastronomie- und Hotelgewerbe, bei den Händlern, bei den Gemeinden, bei den Vereinen. Das sollte die Arbeit sein was zu erreichen.
Natürlich werden wir die Auslastung der Brockenstrecke nicht erreichen, aber ein gutes Angebot mit dem entsprechenden drumherum schafft auch vollere Züge.
Und davon bin ich überzeugt.
Zum Thema Bahnhof.
Man sollte m.E. auch Geld in die Hand nehmen und die oberen Räume zur Pension oder als Teil eines Eisenbahnmuseums entwickeln. Das schafft m. E. auch wieder Potential.
Wolfi65
10.02.2015, 08:58 Uhr
Niemals wird Nordhausen....
ein Tourismusmagnet werden. Altstadt Fehlanzeige und Hotels und Sehenswürdigkeiten naja. Nordhausen ist und war ein Industriestandort mit Einfahrtmögöichkeit in den Südharz. Nicht mehr und nicht weniger. Den Touristenansturm wird es wohl nur geben, wenn in Zorge oder Beere Gold gefunden wird.
Gudrun1974
10.02.2015, 09:05 Uhr
nnz ist auf Zack!
Ein weiterer erhellender Artikel aus Nordhausens sonderbarer Welt der Politik-Amateure und Schaufensterpolitiker.
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