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Sa, 07:23 Uhr
17.01.2015

Albert Kuntz: Zur Tragödie seines Lebens (Ende)

In Nordhausen erinnern eine Schule, ein Gedenkstein, eine Straße und der gleichnamige Sportpark an Albert Kuntz. Gedanken aus Anlass des 70. Jahrestages der Ermordung des Kommunisten im KZ Mittelbau-Dora von Tim Schäfer in der nnz...


Wie überlebte die Familie Kuntz die schwerste Zeit? Ellen Kuntz, die Frau von Albert, blieb Ihrem Mann mutig all die langen Haftjahre treu. Die hier beigefügte Abbildung zeigt Ellen Kuntz bei Ihrem Besuch 1977 in Niedersachswerfen (vergleiche Teil I der Beitragsserie).

Sie soll, um Ihren Mann Albert näher sein zu können, auch ein Angebot auf Emigration abgelehnt haben. Sie lebte mit dem gemeinsamen Sohn in Berlin und war verschiedenen Repressalien direkt ausgesetzt. Den schwierigen, einsamen Überlebenskampf meisterte sie und entwickelte Ihre kommunistische Überzeugung fort.

Einsam war Sie ja schon deshalb, da aufgrund des NS-Terrors gegen die Kommunisten dann fast gar keine Kontakte mehr möglich waren oder diese sich streng konspirieren mussten. Denn viele Kommunisten sind inhaftiert oder schon ermordet gewesen. Insofern galt Frau Kuntz aufgrund Ihrer Überwachung durch NS-Organe in Berlin potenziell auch als Risiko für die illegalen KPD-Kräfte. Wir können uns dies heute ja gar nicht vorstellen!

Ellen Kuntz (Foto: Archiv Schäfer) Trotzdem soll Ellen Kuntz anderen Menschen während der NS-Zeit in Berlin mutig geholfen haben. Mutig meint hier- ohne jeden Zweifel- wirklich das Leben, auch die Leben Ihrer Angehörigen aufs Spiel gesetzt zu haben. Gegen das gegenüber dieser kleinen Frau übermächtige NS Regime! Nicht zuletzt dafür gebührt dieser Frau besondere Hochachtung. In der späteren DDR hatte Ellen Kuntz hohe Funktionen inne.

Besonders für die KPD -Aktivisten verstarb mit Albert Kuntz 1945 bei Nordhausen ein Organisator und Antifaschist, RFB Kämpfer, Kommunist undInternationalist der ersten Garde, der aus seiner tiefen Überzeugung standhaft tatsächlich sein Leben in den Dienst der Ziele der KPD- Partei stellte. Albert Kuntz war ein todgeweihter, prominenter Feind der Nationalsozialisten. Er bezahlte auch dafür mit seinem Leben.

Im Jahr 2012, es ist längst die Zeit des neuen Deutschlands gekommen, wurde vor dem ehemaligen Wohnhaus von Familie Kuntz in Berlin-Wedding, Afrikanische Straße 140, ein Stolperstein verlegt. Ein kleines glänzendes Quadrat zur Erinnerung. Dessen Beschreibung im Internet ist dürftig.

Am 28. Februar diesen Jahres wird in Nordhausen am Harz der Albert-Kuntz-Lauf wieder einmal durchgeführt. Ob sich hierbei im Jahr 2015 aber jemand wirklich noch an den im KZ Mittelbau-Dora bei Nordhausen ermordeten Kommunisten Albert Kuntz erinnern will?

Im Nordhäuser Albert-Kuntz Sportpark (AKS) plant man eine Investition in ein neues Sportstadion. Das wird Zeit. Man darf gespannt sein, welchen Namen die neue Sportanlage final als Arena dann tragen wird?

Albert Kuntz schrieb in einem seiner letzten Briefe am 01. Oktober 1944: „Die jetzige Epoche will mit vollem Bewusstsein durchlebt werden. Apathische Menschen werden willenlos in den Strudel der Zeit gezogen und gehen in ihr unter wie im Sumpf. Starke, selbst bewusste Menschen richten sich auf und finden Anschluss ans neue Zeitgeschehen, um in ihm positiv zu leben. Ganz Mutige und Kühne sind dabei die Pioniere der neuen Zeit. Jedem das Seine! Damit soll allerdings nicht gesagt sein, dass jeder Mensch nun lebt, wie er möchte. Die Verhältnisse bedingen seinen Platz und seine Rolle und stehen oft im Widerspruch zu seinem Wollen, aber alle leben wir in einer großen Zeit, die ganze Kerle erfordert.“

Albert Kuntz war ein solch ganzer Kerl.
Tim Schäfer
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