Sa, 14:40 Uhr
08.02.2014
Mühle, Freibad, Bildungsstätte
Von einer Getreide-und Ölmühle über das erste Freibad der Stadt, einem Ziegenstall, der Technischen Nothilfe, eine Eis-Wiese, dem Pionierhaus, die Jugendherberge bis zum heutigen Jugendgäste- und Bildungshaus war es über Jahrhunderte hinweg ein weiter Weg. Mit einer weiteren Folge setzt Kurt Frank die Serie Heimatgeschichte und Gegenwart fort...
Die Rotleimmühle hat eine lange Geschichte. Die Zufahrt zum Objekt, meint Fritz Schmalz, sei schon immer auf diesem Fahrweg erfolgt. (Foto: Kurt Frank)
Nordhausen. Das Jugendgäste- und Bildungshaus ist heute Begegnungsort für Kinder, Jugendliche und Familien. Schulklassen aus dem gesamten Bundesgebiet nutzen die Einrichtung für Klassen-und Projektfahrten. 1995 wurde das Gebäude vollständig renoviert und garantiert einen erholsamen Aufenthalt. Umfangreich sind die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung mit Basket-,Volley- und Handball, Minigolf und Tischtennis. Hinzu kam das neue Bettenhaus mit barrierefreien Zimmern. Das war nicht immer so.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Mühle im Jahre 1304. Das Wasser des Mühlgrabens, das man von der Zorge ableitete, trieb das große Mühlrad an. Der Mühlgraben soll nach Meinung des Heimatforschers Fritz Schmalz in der Zeit Karl des Großen (742 bis 814) angelegt worden sein. Genaues sei nicht bekannt. Direkt vor der Mühle befand sich ein Wehr, wo das Wasser gestaut und über einen hölzernen Kanal von oben auf das Mühlrad geführt wurde..
1641, ist den Aufzeichnungen des Heimatforschers Schmalz zu entnehmen, sei die Rotleimmühle ausgeplündert worden. Im Adressbuch der Stadt Nordhausen aus dem Jahre 1824 findet sich unter der Hausnummer 1353 – seinerzeit wurden noch sämtliche Häuser der Stadt fortlaufend nummeriert – mit der Straßenbezeichnung Vor dem Altenthore die Mühle aufgeführt.
Mühlenpächter Christian Oehme war besonders geschäftstüchtig, nutzte das Wasser des Mühlgrabens und schuf um 1860 das erste Freibad. (Foto: Archiv/Fritz Schmalz)
1824 gab es in der Mühle zwei Müller: August Schirmer und Wilhelm Berger. Letzterer wird als Ölmüller bezeichnet. Das lässt vermuten, dass damals sowohl Getreide als auch Ölfrüchte vermahlen wurden. Der Rat der Stadt hatte bereits 1523 die Mühle vom Nonnenkloster im Altendorf gekauft.1858 und 1863 wird als Pächter der Mühle Christian Oehme angegeben. Er war besonders geschäftstüchtig , nutzte er doch das Wasser des Mühlgrabens und eröffnete das erste Freibad der Stadt. Das Wasser stürzte vom Mühlrad herunter.
Etwa um 1880 leitete man das Mühlgraben-Wasser auf einen kleinen eingezäunten Teil der Rotleimwiese und schuf ein weiteres Freibad von nur geringer Tiefe. Unter dem Stichwort Badeanstalten finden sich beide Bäder noch lange im Adressbuch. Erst mit dem Hallenbad in der Grimmelallee, das 1907 seine Pforten öffnete, und dem Freibad im Jahre 1927 verloren sich die Kunden der Badeanstalten an der Rotleimmühle. Sie wurden geschlossen.
Etwa so, besagt eine Postkarte aus dem Jahre 1900, müsste der Mühlgraben vor der Rotleimmühle einmal ausgesehen haben. (Foto: Archiv/Fritz Schmalz)
Um die Not und den Mangel an Milch etwas zu lindern, schaffte man während des 1. Weltkrieges 25 Ziegen an, die in der Rotleimmühle untergebracht und auf Kosten der Stadt betreut wurden. Das kostbare Nahrungsmittel gab es für kränkliche Kinder und bedürftige Wöchnerinnen. Die angrenzende Rotleimwiese war als Eisfläche bei den Einheimischen im Winter sehr begehrt. Auf Weisung des Rates der Stadt zog 1939 die Technische Nothilfe in das Gebäude ein.
Am 20. April 1952 erfolgte die Übergabe an die FDJ. Man beschloss, das Objekt mithilfe staatlicher Mittel und Leistungen im Nationalem Aufbauwerk zu einer zentralen Pionierorganisation umzubauen. Am 21. Dezember 1952 konnte stolz vermerkt werden: Das Pionierhaus ist fertig eingerichtet. Nach der Wende war es Jugendherberge, das heutige Jugendgäste- und Bildungshaus.
Gewünscht hätten wir uns noch einige Zahlen und Fakten aus der Bilanz des Vorjahres. Trotz Zusage hielt Carmen Witzel, die Leiterin, ihr Versprechen nicht ein.
Kurt Frank
Autor: red
Die Rotleimmühle hat eine lange Geschichte. Die Zufahrt zum Objekt, meint Fritz Schmalz, sei schon immer auf diesem Fahrweg erfolgt. (Foto: Kurt Frank)
Nordhausen. Das Jugendgäste- und Bildungshaus ist heute Begegnungsort für Kinder, Jugendliche und Familien. Schulklassen aus dem gesamten Bundesgebiet nutzen die Einrichtung für Klassen-und Projektfahrten. 1995 wurde das Gebäude vollständig renoviert und garantiert einen erholsamen Aufenthalt. Umfangreich sind die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung mit Basket-,Volley- und Handball, Minigolf und Tischtennis. Hinzu kam das neue Bettenhaus mit barrierefreien Zimmern. Das war nicht immer so.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Mühle im Jahre 1304. Das Wasser des Mühlgrabens, das man von der Zorge ableitete, trieb das große Mühlrad an. Der Mühlgraben soll nach Meinung des Heimatforschers Fritz Schmalz in der Zeit Karl des Großen (742 bis 814) angelegt worden sein. Genaues sei nicht bekannt. Direkt vor der Mühle befand sich ein Wehr, wo das Wasser gestaut und über einen hölzernen Kanal von oben auf das Mühlrad geführt wurde..
1641, ist den Aufzeichnungen des Heimatforschers Schmalz zu entnehmen, sei die Rotleimmühle ausgeplündert worden. Im Adressbuch der Stadt Nordhausen aus dem Jahre 1824 findet sich unter der Hausnummer 1353 – seinerzeit wurden noch sämtliche Häuser der Stadt fortlaufend nummeriert – mit der Straßenbezeichnung Vor dem Altenthore die Mühle aufgeführt.
Mühlenpächter Christian Oehme war besonders geschäftstüchtig, nutzte das Wasser des Mühlgrabens und schuf um 1860 das erste Freibad. (Foto: Archiv/Fritz Schmalz)
1824 gab es in der Mühle zwei Müller: August Schirmer und Wilhelm Berger. Letzterer wird als Ölmüller bezeichnet. Das lässt vermuten, dass damals sowohl Getreide als auch Ölfrüchte vermahlen wurden. Der Rat der Stadt hatte bereits 1523 die Mühle vom Nonnenkloster im Altendorf gekauft.1858 und 1863 wird als Pächter der Mühle Christian Oehme angegeben. Er war besonders geschäftstüchtig , nutzte er doch das Wasser des Mühlgrabens und eröffnete das erste Freibad der Stadt. Das Wasser stürzte vom Mühlrad herunter.
Etwa um 1880 leitete man das Mühlgraben-Wasser auf einen kleinen eingezäunten Teil der Rotleimwiese und schuf ein weiteres Freibad von nur geringer Tiefe. Unter dem Stichwort Badeanstalten finden sich beide Bäder noch lange im Adressbuch. Erst mit dem Hallenbad in der Grimmelallee, das 1907 seine Pforten öffnete, und dem Freibad im Jahre 1927 verloren sich die Kunden der Badeanstalten an der Rotleimmühle. Sie wurden geschlossen.
Etwa so, besagt eine Postkarte aus dem Jahre 1900, müsste der Mühlgraben vor der Rotleimmühle einmal ausgesehen haben. (Foto: Archiv/Fritz Schmalz)
Um die Not und den Mangel an Milch etwas zu lindern, schaffte man während des 1. Weltkrieges 25 Ziegen an, die in der Rotleimmühle untergebracht und auf Kosten der Stadt betreut wurden. Das kostbare Nahrungsmittel gab es für kränkliche Kinder und bedürftige Wöchnerinnen. Die angrenzende Rotleimwiese war als Eisfläche bei den Einheimischen im Winter sehr begehrt. Auf Weisung des Rates der Stadt zog 1939 die Technische Nothilfe in das Gebäude ein.
Am 20. April 1952 erfolgte die Übergabe an die FDJ. Man beschloss, das Objekt mithilfe staatlicher Mittel und Leistungen im Nationalem Aufbauwerk zu einer zentralen Pionierorganisation umzubauen. Am 21. Dezember 1952 konnte stolz vermerkt werden: Das Pionierhaus ist fertig eingerichtet. Nach der Wende war es Jugendherberge, das heutige Jugendgäste- und Bildungshaus.
Gewünscht hätten wir uns noch einige Zahlen und Fakten aus der Bilanz des Vorjahres. Trotz Zusage hielt Carmen Witzel, die Leiterin, ihr Versprechen nicht ein.
Kurt Frank

