So, 11:53 Uhr
12.01.2014
Wahrheitssuche im Theater
Nordhausens Schauspielpublikum beteiligte sich gestern Abend äußerst amüsiert an der Suche nach der Wahrheit auf offener Bühne. Eingeladen hatten dazu vier Rudolstädter Schauspieler und der französische Erfolgsautor Florian Zeller.
Die Wahrheit oder von den Vorteilen, sie zu verschweigen, und den Nachteilen, sie zu sagen nannte der Autor Florian Zeller sein Stück, das ganz im Stile der altbewährten und erfolgserprobten Boulevardkomödie daherkommt. Und dessen langer Titel auf die übermittelten Weisheiten eines Moralisten hindeutet. Aber genau hier befindet sich das Dilemma: was ist moralisch? Wann ist eine Unwahrheit eine Lüge? Und wem erzähle ich sie und zu welchem Zweck?
Augenzwinkernd erzählt Zeller die Geschichte des erfolgreichen und lebenserfahrenen Michel, der ein Verhältnis mit der Frau seines besten Freundes hat, aber deshalb keinerlei Skrupel empfindet. Wenn die Leute aufhören würden, sich zu belügen, gäbe es kein einziges Paar mehr auf Erden. Und das wäre schließlich das Ende der Zivilisation, verkündet er seiner Geliebten, die das etwas differenzierter sieht. Schnell verheddern sich die beiden in wild konstruierten Alibis und Ausreden und spekulieren darüber, was ihre Ehepartner über ihre Liaison wissen oder ahnen könnten.
Regisseur Maik Priebe nimmt die Zuschauer sachte an die Hand und lässt sie im folgenden selbst ihre Überlegungen anstellen, wie das Beziehungsgewirr sich aufdröseln könnte. Ein wirklich unterhaltsamer Spaß, der hervorragende Protagonisten braucht. Da hat das Rudolstädter Ensemble mit Matthias Winde glücklicherweise einen in seinen Reihen, der nahezu perfekt den zunehmend verunsicherten und überforderten Liebhaber gibt. Einen, der sich aufrichtig über die Unmoral der Welt empören kann, während er mit seiner Geliebten in einem Hotelzimmer liegt und seine Gattin allein zu Hause sitzt.
Michel (Matthias Winde) ist bald nicht nur vom Liebesspiel erschöpft. Charlotte Ronas als Geliebte Alice plagen andere Sorgen.
Die fragwürdige Moral dieses Mannes in den besten Jahren führt die Komödie genüsslich vor Augen und oftmals bleibt uns als Publikum das voyeuristische Lachen im Halse stecken, wenn Michel immer dreister lügt, ohne seine eigene Position zu überdenken. So kommt es, wie es eigentlich kommen muss - hier aber noch nicht verraten wird.
Matthias Winde zeigt eine facettenreiche und stimmige Interpretation des gebeutelten Michel und kann seinem komödiantische Affen ordentlich Zucker geben. Assistiert wird er von der wie immer souveränen Verena Blankenburg (als Ehefrau Laurence), die besonders mit ihrer leisen und souveränen Art zu gefallen weiß. Charlotte Ronas als Liebhaberin Alice überzeugt in ihren Zweifeln und Gewissensbissen und Johannes Arpe als deren Ehemann Paul und bester Freund Michels ruht wohltuend in seiner Rolle und schafft ein Gegengewicht zur Aufgeregtheit seines Freundes.
Sich die Wahrheiten sagen mit Whisky: Matthias Winde und Johannes Arpe als Pariser Freunde im Beziehungsstress
Welche Wahrheit sich am Ende durchsetzen wird ist die Frage, die Nordhausens Theaterfreunde selbst herausfinden können - wobei die Suche durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann. Aber einen vergnüglichen Abend mit einer sehr gut inszenierten Komödie erleben alle Zuschauer. Garantiert!
Olaf Schulze
Autor: nnzDie Wahrheit oder von den Vorteilen, sie zu verschweigen, und den Nachteilen, sie zu sagen nannte der Autor Florian Zeller sein Stück, das ganz im Stile der altbewährten und erfolgserprobten Boulevardkomödie daherkommt. Und dessen langer Titel auf die übermittelten Weisheiten eines Moralisten hindeutet. Aber genau hier befindet sich das Dilemma: was ist moralisch? Wann ist eine Unwahrheit eine Lüge? Und wem erzähle ich sie und zu welchem Zweck?
Augenzwinkernd erzählt Zeller die Geschichte des erfolgreichen und lebenserfahrenen Michel, der ein Verhältnis mit der Frau seines besten Freundes hat, aber deshalb keinerlei Skrupel empfindet. Wenn die Leute aufhören würden, sich zu belügen, gäbe es kein einziges Paar mehr auf Erden. Und das wäre schließlich das Ende der Zivilisation, verkündet er seiner Geliebten, die das etwas differenzierter sieht. Schnell verheddern sich die beiden in wild konstruierten Alibis und Ausreden und spekulieren darüber, was ihre Ehepartner über ihre Liaison wissen oder ahnen könnten.
Regisseur Maik Priebe nimmt die Zuschauer sachte an die Hand und lässt sie im folgenden selbst ihre Überlegungen anstellen, wie das Beziehungsgewirr sich aufdröseln könnte. Ein wirklich unterhaltsamer Spaß, der hervorragende Protagonisten braucht. Da hat das Rudolstädter Ensemble mit Matthias Winde glücklicherweise einen in seinen Reihen, der nahezu perfekt den zunehmend verunsicherten und überforderten Liebhaber gibt. Einen, der sich aufrichtig über die Unmoral der Welt empören kann, während er mit seiner Geliebten in einem Hotelzimmer liegt und seine Gattin allein zu Hause sitzt.
Michel (Matthias Winde) ist bald nicht nur vom Liebesspiel erschöpft. Charlotte Ronas als Geliebte Alice plagen andere Sorgen.
Die fragwürdige Moral dieses Mannes in den besten Jahren führt die Komödie genüsslich vor Augen und oftmals bleibt uns als Publikum das voyeuristische Lachen im Halse stecken, wenn Michel immer dreister lügt, ohne seine eigene Position zu überdenken. So kommt es, wie es eigentlich kommen muss - hier aber noch nicht verraten wird.
Matthias Winde zeigt eine facettenreiche und stimmige Interpretation des gebeutelten Michel und kann seinem komödiantische Affen ordentlich Zucker geben. Assistiert wird er von der wie immer souveränen Verena Blankenburg (als Ehefrau Laurence), die besonders mit ihrer leisen und souveränen Art zu gefallen weiß. Charlotte Ronas als Liebhaberin Alice überzeugt in ihren Zweifeln und Gewissensbissen und Johannes Arpe als deren Ehemann Paul und bester Freund Michels ruht wohltuend in seiner Rolle und schafft ein Gegengewicht zur Aufgeregtheit seines Freundes.
Sich die Wahrheiten sagen mit Whisky: Matthias Winde und Johannes Arpe als Pariser Freunde im Beziehungsstress
Welche Wahrheit sich am Ende durchsetzen wird ist die Frage, die Nordhausens Theaterfreunde selbst herausfinden können - wobei die Suche durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann. Aber einen vergnüglichen Abend mit einer sehr gut inszenierten Komödie erleben alle Zuschauer. Garantiert!
Olaf Schulze



