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Fr, 16:00 Uhr
01.11.2013

nnz-Interview mit Barbara Rinke

Die neue SPD-Ortschefin im nnz-Gespräch über Schulden, autoritären Führungsstil, eine unnötige Bibliothek, die causa Jendricke und gelöschte Daten im Rathaus

nnz: Frau Rinke, Sie sind eine Schuldenmacherin. Sie haben bei Ihrer Amtsübergabe der Stadt 40 Millionen Euro Schulden hinterlassen. Wie kam es dazu?

Barbara Rinke: Die entscheidende Frage ist doch, wofür werden Schulden gemacht. Die 40 Millionen Euro sind Kredite für städtische Investitionen. Die Stadt Nordhausen liegt mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 798 Euro im Thüringer Durchschnitt ganz weit unten. Im Landkreis Nordhausen liegt vergleichsweise die Pro-Kopf-Verschuldung bei 975 Euro. Allein in Rahmen der Landesgartenschau sind rund 70 Millionen Euro in die marode städtische Infrastruktur investiert worden.

Übrigens habe ich das nie allein entschieden, alle Investitionen wurden von den Stadtratsfraktionen mitgetragen. Lassen Sie mich das an einem Beispiel erklären: Die Unterführung in der Freiherr-vom-Stein-Straße hat um die 10 Millionen Euro gekostet. Davon hat die Stadt 1 Millionen zuzahlen müssen und 9 Mio kamen aus Fördertöpfen des Landes, des Bundes und der Europäischen Union. Für die Sanierung der Kindertagesstätten und Schulen waren allein 20 Millionen Euro notwendig. Natürlich haben wir auch das Konjunkturprogramm der Bundesregierung mit Krediten gegenfinanziert.

Alle Maßnahmen erfolgten in enger Abstimmung mit dem städtischen Finanzausschuss und deren erfahrenen Vorsitzenden Tilly Pape. Bei meiner Amtsübergabe hatte die Stadt ein Barvermögen von 1 Millionen Euro. Die Finanz- und Vermögenslage wurde durch die Wirtschaftsprüfgesellschaft mit „Tripple A“ verglichen (sehr gut).

nnz: Ihnen wird nachgesagt, Sie hätten diktatorisch und autoritär geherrscht. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen?

Barbara Rinke:Ich bin entscheidungsfreudig. Ich übernehme gerne Verantwortung und habe in meinem Amt geführt und geleitet, aber ich habe nichts allein entschieden. Entscheidungen wurden gemeinsam gefällt. Mit meinem Bürgermeister und Beigeordneten habe ich mich wöchentlich abgestimmt, es gab regelmäßige Amtsleiterberatungen, auf denen Beschlüsse vorbereitet wurden, über die dann der Stadtrat entschieden hat. In meiner Amtszeit wurden übrigens 92% aller Entscheidungen mit großer Mehrheit getroffen.

nnz: Mit der Kulturbibliothek wollten Sie sich Ihr eigenes Denkmal setzen und einen persönlichen Wunsch erfüllen. Nun müssen Ihre Nachfolger das ausbaden.

Barbara Rinke: Die Kulturbibliothek ist aus ganz anderen, pragmatischen Gründen geplant worden. Schon Mitte der Neunziger Jahre wurde in Stadtentwicklungsrunden mit den Bürgern der Wunsch geäußert, eine Klammer zwischen Rathaus und Altstadt zu setzen und die Brache auf keinen Fall mit einem weiteren Einkaufszentrum zu bebauen. Es wurden dringend Parkplätze hinterm Rathaus benötigt, es ging um ansprechende und funktionstüchtige Tagungsräume und wir hatten Handlungsbedarf mit der alten Bibliothek.

nnz: Warum? Die war doch noch gut und ausreichend?

Barbara Rinke: Nein, sie war ganz im Gegenteil stark sanierungsbedürftig, nicht barrierefrei und bot auch keinerlei Parkplätze für Besucher. Es wären erheblich Investitionen notwendig gewesen, für die es auch keine Mittel gab. Letztendlich hat uns das Land Thüringen ermutigt, neben dem Rathaus ein größeres architektonisches Projekt zu planen und gleichzeitig großzügige finanzielle Unterstützung zugesagt. Und die archäologischen Ausgrabungen, die den Baubeginn verzögerten, belegten noch einmal eindrucksvoll, dass dies ein sehr geschichtsträchtiger Ort urbanen Lebens war.

nnz: Aber wie sollen die laufenden Kosten eines solchen Baus gedeckt werden?

Barbara Rinke:Erst einmal war das ganze Projekt sauber durchfinanziert und als während der Bauphase eine Kostenerhöhung von 600.000 Euro angezeigt wurde, korrigierten wir damals unter Federführung von Baudezernentin Inge Klaan die Anzahl der Parkplätze, um wieder ins Soll zu kommen. Es gab ein tragfähiges Nutzungskonzept für das Haus, über das der Stadtrat aber vor der OB-Wahl 2012 nicht mehr abstimmen wollte. Ebenso gab es Gutachten um die günstigsten Betriebskosten zu ermitteln, insbesondere zum Energieeinsatz. Bis zum Ende meiner Amtszeit gab es jedenfalls ein ständiges Controlling zu den Bautätigkeiten.

nnz: Führende Politiker anderer im Stadtrat vertretener Parteien halten Ihre Rückkehr an die Parteispitze der Nordhäuser SPD für ein falsches Signal. Wie wollen Sie das angespannte Klima verbessern?

Barbara Rinke: Ich sehe mich als eine Übergangskandidatin und habe gar kein Interesse, in die Fraktionsarbeit reinzureden. Ich möchte einen Beitrag leisten, dass der Ortsverein nach dem Fall Jendricke/Linder wieder zur Ruhe und zu sachlicher Arbeit zurückkehrt. Der Ortsvorstand wird mit der Fraktion zusammen arbeiten und hoffentlich helfen, die Situation zu entspannen.

nnz: Bürgermeister Jendricke gilt als Ihr politischer Zögling. Sein Ruf wurde dieses Jahr schwer beschädigt, seine Amtsbefugnisse beschnitten. Warum halten Sie weiter an ihm fest?

Barbara Rinke: Matthias Jendricke ist ein ausgezeichneter Fachmann. Er besitzt große Kenntnisse in Verwaltungsfragen und das tut der Stadt gut. Er ist ein streitbarer Politiker, aber einer, der immer mit offenem Visier kämpft. Mit all dem können wohl einige nur schwer umgehen. Natürlich muss Herr Jendricke die Verantwortung für sein Handeln selbst übernehmen, aber er wird unterstützt und getragen von der Fraktion und dem Ortsverband.

nnz: Ein Wort noch zu den Anschuldigungen gegen Sie, dass wichtige Daten im Rathaus bei ihrem Ausscheiden gelöscht worden sind.

Barbara Rinke: Die sicherheitstechnische Abwicklung der PCs in meinen Diensträumen wurde von der städtischen EDV-Abteilung vorgenommen. Ich hatte selbst gar keinen PC und habe niemals Anweisungen gegeben, Daten zu löschen. Alle Daten sind ohnehin auf dem Zentralserver der Stadt abgelegt, das ist jedem bekannt. Selbst gelöschte Daten können jederzeit wieder hergestellt werden. Inzwischen führten OB Dr. Klaus Zeh und ich auch zu diesem Punkt ein angenehmes sehr offenes Gespräch, in dem die aufgetretenen Missdeutungen ausgeräumt werden konnten. Dabei haben wir auch vereinbart, uns zukünftig auf kurzem Wege zu verständigen, wenn es Bedarf geben sollte.

nnz: Frau Rinke, wir bedanken uns für dieses Gespräch.
Autor: nnz

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Kommentare
Roland82
01.11.2013, 16:54 Uhr
Einfach unglaublich
Das ist ja einfach unglaublich!! Frau Rinke hat in den letzten anderthalb Jahre ohne jegliches Mandat ständig die Fraktionäre der SPD wie Marionetten an der Leine geführt. Und jetzt hat sie Ortsvorsitzende "gar kein Interesse, in die Fraktionsarbeit hineinzureden"??? Für wie dumm hält die Dame uns eigentlich!? Verlogener geht es nicht, Frau Rinke!!
Cato
01.11.2013, 17:14 Uhr
Perfide
Ist doch auffallend wie oft die Frau den Namen der Anzeigenerstatterin gegen Jendricke in die Medien bringt. Diese Rathausmitarbeiterin ist schließlich keine Person des öffentlichen Lebens. Warum gibt die Presse so eine Schlammschlacht dann eigentlich wieder?
An dem 'Stil der Frau Rinke sieht man, was von ihrem "Versöhnungskurs" zu halten ist. So bringt man eben keine Ruhe in die Causa Jendricke/ohne L. Gute Nacht SPD-Nordhausen, das wars dann.
BGE- Pirat
01.11.2013, 18:07 Uhr
gute fragen
das muß man sagen , das die nnz gute fragen
gestellt hat.
mfg heiko
Macbeth
01.11.2013, 18:08 Uhr
Rinkes Nabelschau unerträglich
Die Selbstbeweihräucherung ist ja kaum auszuhalten. Sie wollte doch angeblich Frieden bringen, packt aber gleich das Schwert wieder aus. Es ist noch nicht viele Tage her, da hieß es noch von ihr, sie hätte an ihrem Arbeitsplatz gar keinen PC gehabt und hätte auch keine Ahnung von der EDV. Nun will sie uns was erzählen von Zentralservern, auf denen ohnehin alles gespeichert war und man könnte das nicht löschen. Oh, da hat sie doch aber wissensmäßig ganz schön aufgerüstet, die doch so unbedarfte. Warum wußte sie das denn in dem letzten Interview noch nicht? Und sie sagt ganz klar, die Abwicklung wäre durch die EDV-Abteilung bewerkstelligt worden, eine Anweisung zur Löschung hätte sie nie gegeben. Da ist ja die Wortwahl "Abwicklung" schon verräterisch.

Kann man da nicht einfach bei der EDV-Abteilung nachfragen, ob es eine solche Anweisung gegeben hat oder nicht? Und gibt es nicht einen Datenschutzbeauftragten? Was sagt der denn dazu? Hier hat die nnz noch einiges zu recherchieren...Das könnte nicht leicht werden, wenn Zeh sie jetzt vielleicht decken will. Das sind aber Dinge, die gehen alle Menschen was an, was unsere Politiker sich hier raus nehmen und vielleicht zu verbergen hatten.
Zukunft
01.11.2013, 19:14 Uhr
Vorsitzende
Die langjährige Vorsitzende des Finanzausschusses Frau Pape (CDU) hat natürlich zum Gelingen aller Vorhaben von Rinke beachtlich beigetragen. Die CDU kann sich jetzt nicht aus der Verantwortung stehlen und die 40 Millionen Schulden der SPD anhängen.

Frau Rinke hat Recht,die Mehrheit der Stadträte haben bei all Ihren Vorhaben zugestimmt, auch bei der Bibliothek. Wenn das Geld zukünftig nicht mehr ausreicht, sollen doch die "Verursacher" dafür aufkommen.Im Privaten muss auch jeder für die Wünsche die er hat selber aufkommen.

Wenn man nicht tatsächlich haften muss, wie ein privater Unternehmer, ist es natürlich leicht Geld auszugeben.
andreas66
01.11.2013, 19:44 Uhr
Sollen...
es doch die, die hier am lautesten schreien, erstmal besser machen. Im Nachhinein ist man immer klüger. Unter dem Mantel der Anonymität kann man sich schon auf sein Opfer einschießen.
Pe_rle
01.11.2013, 20:24 Uhr
Rinke-Schulden
Frau Rinke ,redet immer von Pro Kopf Verschuldung !!!!!
Sie hat die Schulden gemacht, nicht ich, und nicht die Bürger Nordhausens.
Hasskasper
01.11.2013, 21:22 Uhr
hmm
ich versteh nicht, wie man der frau rinke immer noch eine "plattform" gibt, wo sie weiterhin für unruhe sorgt...
Retupmoc
02.11.2013, 08:46 Uhr
Pro Kopf
Sehr geehrte Frau Rinke, ich habe in dieser Stadt keine Schulden gemacht. Im Gegenteil - ich zahle meine erhöhten Steuern für den Schuldenabbau ihrer Prunkschlösser usw....

Bitte Frau Rinke, zahlen Sie und ihre Stadträte die Gelder aus eigener Tasche zurück. Wenn Sie das niht können oder wollen, dann verschonen Sie uns bitte mit ihren Weisheiten.
Motte83
02.11.2013, 14:58 Uhr
Nicht geschäftsfähig
Es mag ja leider in Ordnung sein, wenn meine gewählten Vertreter Schulden machen, für die ich gerade stehe.

Aber meine Kinder sind nicht geschäftsfähig! Die Schulden werden sie aber tilgen müssen! Im privaten Umfeld dürften Sie ein Erbe ausschlagen. Das Erbe Rinke kann nicht ausgeschlagen werden. Die Bibliothek wird wahrscheinlich 50 Jahre abgeschrieben, da wird es längst kaum noch Bücher als Hardcopy geben.

Meine Kinder müssen für unsinnige Investitionen gerade stehen, weil kein Stadtrat weiter als bis zum nächsten Tag denkt. Und das schlimme ist, dass die Kinder ihren Unmut heute noch nicht einmal durch ihr Wahlverhalten ausdrücken können.

Für mich ist das fast der Straftatbestand der Misshandlung Widerstandsunfähiger.
othello
02.11.2013, 18:08 Uhr
Politischer Unverstand
Es ist immer das gleiche Bild der NNZ-Aktiven Kommentatoren und dagegen ist offensichtlich kein Kraut gewachsen. Unglaublich, unerträglich, perfide, verlogen usw.sind die Slogans, mit denen man hier seinen Unmut Ausdruck verleihen will. Um Worte von Logix@ aufzugreifen, kann ich nur sagen, diese Kommentare sind eine Misshandlung des Sachverstands. Diese Kommentare werden sachlich nicht begründet und zeugen nur von politischen Unverstand.

Es ist daher unmöglich, auf jeden einzelnen Unsinn, der hier verbreitet wird, einzugehen. Retupmoc@ wird mir wieder mal sagen, Thema verfehlt Othello und ich höre dieses gern, denn es tut meinem Verstand weh, was hier teilweise auch zu anderen Themen abgesondert wird.
gotfried weise
03.11.2013, 12:14 Uhr
ganz so ist es nicht
So wie jetzt das Frau Rinke als neue Ortsvorsitzende darstellt, war es sicherlich nicht. Es gab im Stadtrat schon immer Stadträte, welche sich über diese "Geldverbrennen" aufgeregt haben. Dabei geht es nicht um die Schulen bei den Baumaßnahmen von und manchen Kindergärten, auch wenn hier die überdimensionierte Kita in Ost, oder die Kita in Bielen, oder die in Leimbach, wo nun bald die Kinder knapp werden, sondern zum Beispiel um die Flohburg.

Bei diesem Bauvorhaben sprach unsere Barbara am Anfang von Drei Millionen und dann lagen die Ausgaben bei über fünf Millionen. Bei der so baulich überaus eleganten und architektonisch einfühlsam in das Stadtbild eingefügten KUBIBO waren es auch nur geplante runde zehn Millionen € und wir sind nun, was den Eigenanteil angeht bei dem doppelten mit Sicherheit angelangt.

Auch hier gibt es ja aus dem Rathaus nur eisiges Schweigen. Jetzt sich hinzustellen und zu sagen die Stadträte haben doch mitgemacht ist nicht so ganz richtig, denn die konnten nur die vorgelegten Zahlen glauben oder auch nicht. Die Fraktion der FDP hat von Anfang an diesen Monumentalbau KUBIBO abgelehnt, auch schon wegen den bevorstehenden Betriebskosten.

Als Beobachter kann ich nur hoffen, dass der neue "zeitweilige Untersuchungsausschuss" die Ursachen aufdeckt und auch diesen Nordhäusern zur Kenntnis bringt und die Verursacher öffentlich benennt.

Ob da Frau Rinke sich nur hinter den Stadträten verstecken kann - ich bezweifle es.
Es bleibt spannend, Euer Gotfried Weise
Schnell
05.11.2013, 07:11 Uhr
Rinkes eigene Welt und ihr Verhältnis zum Geld
Was hat Oma immer gesagt. Die Sozialdemokraten wollen eigentlich das richtige. Sie können aber nicht mit Geld umgehen. Deshalb scheitern sie mit ihren Ideen und richten schaden an. Da hatte sie wohl recht. 40 Millionen Euro Schulden? Vielen „Dank“ an folgende Personen für langjährige "Vedienste" und solide Finanzpolitik:
Barba Rinke („Ehrenoberürgermeisterin“ in spe)
Matthias Jendricke (langjährigen Finanzverantwortlicher Bürgermeiseter im Rathaus)
Alexandra Rieger (dessen persönliche Referentin und Finanzcontrollerin im Rathaus)
Karin Spieß (Kämmerin)
Kornelia Klose (wie Frau Rinke Projektverantwortliche für den Neubau der Bibliothek)
Und nun raten mal alle, welcher Partei die alle angehören? Nüscht für ungut, aber das musste jetzt mal raus :-)

P.S. Liebe Frau Rinke (oder wer immer Ihnen die Antworten geschrieben hat) ich habe da eine glänzende Idee. Vergleichen sie doch die Pro- Kopfverschuldung von Nordhausen mit der von Griechenland. Dann steht Nordhausen dann noch besser da...
Sie wollen die Leute nach wie vor für dumm verkaufen!
Gerd S.
06.11.2013, 01:14 Uhr
Und ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt...
vor allem wenn es Fr. R um sich geht...

Hat es unter Fr. R nicht geheisen "Das haben wir gemacht"??? Jetzt wo ihre ganzen fehler ans licht kommen waren es also doch alle zusammen oder wie???

In der Wirtschaft weiß jeder wer Schulden macht muss auch dafür bezahlen.Das wusste Fr. R. Aber sie braucht es ja nicht und hat ohne verantwortung für ihren Nachfolger und die neuen Generationen gehandelt und sich denkmale gesetzt!

Ich bin gespannt ob sie sich weiter so gut blammiert...
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