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Sa, 09:44 Uhr
01.11.2003

Molière und Kleist

Nordhausen (nnz). Am kommenden Freitag ist wieder Premierenzeit im Nordhäuser Theater. Diesmal soll ein Lustspiel die Herzen und Gemüter der Zuschauer erfreuen. Was das mit wem auf die Nordhäuser Bühne kommt, das hat die nnz erfahren.


Amphitryon Alkmene, treue Ehefrau von „Amphitryon“, dem Feldherrn der Thebaner, erlebt unwissentlich eine Liebesnacht mit Jupiter, dem Göttervater, der sich ihr in Gestalt ihres Ehemannes nähert. Als der wirkliche Amphitryon am nächsten Morgen nach Hause kommt, beschuldigt er sie des Ehebruchs, da sie behauptet, die Nacht mit ihm verbracht zu haben. Da kehrt Jupiter zurück, dessen Eitelkeit es nicht genügt, Alkmene in Gestalt ihres Mannes verführt zu haben, und der als er selbst geliebt sein will.

Auch Amphitryons Diener Sosias erlebt sich verdoppelt: Merkur, der Götterbote, hatte Jupiter in Sosias' Gestalt begleitet. Als die beiden sich begegnen, sieht Sosias sich um Namen und Identität gebracht. Die Verwirrungen sind komplett, als sich auch Amphitryon und sein Double Jupiter gegenüberstehen. Alkmene wird vor die schwerste Entscheidung ihres Lebens gestellt: vor Zeugen ist sie gezwungen, zwischen den beiden äußerlich identischen Amphitryonen zu wählen und ihren wahren und ehrlich geliebten Ehemann zu erkennen.
Heinrich von Kleist geht in seiner Neudichtung von Molières Amphitryon über Gesellschaftskomödie und Verwechslungskomik weit hinaus. Im tiefen Zweifel Alkmenes, die sich über die Sicherheit und Wahrheit ihres Gefühls definiert, an sich selbst, in der Begegnung des Amphitryon mit seinem ins Göttliche überhöhten Ich, in der zunächst komischen Spiegelung der Geschichte auf der Ebene der Diener, die jedoch bei Sosias bis zur freiwilligen Aufgabe seiner eigenen Identität eskaliert, lotet er die tiefen und dunklen Seiten des Themas aus.

"Das ist das witzig-anmutvollste, das geistreichste, das tiefste und schönste Theaterspielwerk der Welt. Ich wusste, dass ich es liebe - gottlob! ich weiß nun wieder warum", meinte einst Thomas Mann.

Regie führt Max Jerschke, die Bühne und die Kostüme stammen von Jasenko Čonka. Der Premierenvorhang hebt sich am 7. November, um 19.30 Uhr. Die B-Premiere ist zwei Tage später angesagt.
Autor: nnz

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