Sa, 17:59 Uhr
17.09.2011
nnz-Forum: Eine erlaubte Frage
In der nnz wird in dem Beitrag Gemeinschaft in der Diaspora der frühere Nordhäuser Dompfarrer Dr. Arno Wand mit der Feststellung zitiert: Vom 16. – 19. Jahrh. war der Dom zum Heiligen Kreuz noch als einzige katholische Kirche in den thüringer Territorien verblieben (Erfurt und das katholische Eichsfeld waren kurmainzisch). Dazu die Anmerkungen eines Lesers der nnz...
Hier muss die Frage erlaubt sein, wo in dieser Feststellung die katholische Kirche in Friedrichslohra – 20 km von Nordhausen entfernt – geblieben ist, die noch heute die Jahreszahl 1777 trägt. Thüringisch war der Ort damals nicht, Nordhausen aber auch nicht.
Eine Erklärung könnte evtl. darin liegen, dass sich der Wissenschaftler an die Papierform hält. Eine katholische Kirche tritt erst dann ins Leben, wenn sie die vorgeschriebene Weihe erhält, also in den gottesdienstlichen Gebrauch genommen wird. Und das war am 1. Oktober 1837 (also im 19. Jahrhundert) der Fall. Dechant H. Ludolph aus Nordhausen benedizierte die Kirche in Friedrichslohra; eine Art Weihe zweiter Klasse. Die eigentliche bischöfliche Konsekration erhielt die Kirche in Friedrichslohra durch den Paderborner Bischof Dr. Conrad Martin erst 4 Jahre vor ihrem 100. Geburtstag; am 3. Juli 1873.
Der Seelsorger indessen kann wohl kaum an der Tatsache vorbeigehen, dass schon 60 Jahre vor der Benediktion (also im 18. Jahrhundert) in Friedrichslohra katholischer Gottesdienst gefeiert wurde. Die Weihe des Gotteshauses war wegen der komplizierten staatsrechtlichen Verhältnisse unterblieben. In Friedrichslohra wurde die erste katholische Kirche nach der Reformation im Gebiet zwischen Harz und Erfurt neu gebaut.
In der Pfarrchronik heißt es dazu in manchmal nur noch schwer lesbarer Schrift, zudem in Sütterlin: Wie an Smalians (Amtmann auf Amt Lohra; E.S.) Häusern, so wurde auch an der Kirche liederlich gearbeitet. Während des Baus waren bereits einmal die noch nicht ausgemauerten Giebel eingestürzt. Jetzt zeigte sich, daß durch Fehler am Turm bei Regen das Innere der Kirche unter Wasser gesetzt wurde. Es begannen die Reparaturen und Nachforderungen und hörten niemals auf. Im Januar 1778 wird die Kirche fertig. Die feierliche Einweihung sollte der Kurmainzische Weihbischof in Erfurt vollziehen. Es ist darüber lang und breit verhandelt worden. Zwei Minister mußten eingreifen. Die Frage, ob einem ausländischen Bischofe der Consens zur Konsekrierung zu erteilen sei oder nicht, war anscheinend schwer zu lösen. Am 2.12.1779 giebt dann Berlin an die Regierung in Halberstadt den Befehl zum Requisitoriale an Kurmainz, daß der Erfurter Weihbischof die Einweihung vornehmen möge. Ihr müßt jedoch das zu erlassende Requisitorial-Schreiben dergestalt stilisieren, damit man dieses Gesuch nicht für eine etwaige Anerkennung dortiger Diözesen Rechte oder einer jurisdictionis ecclesiasticae über hiesige kath. Unterthanen mißdeuten möge.
Der Kammer Deputation in Ellrich schreibt Berlin: Sobald der Weihbischof eingewilligt, habt Ihr die baldige Vollführung zu besorgen, auch dem neuen Parochus zeitig Nachricht zu geben, damit er dieser Feierlichkeit beiwohne. Zur Defragirung des Weihbischofes und seines Gefolges habt Ihr auf dem Amt Lohra anständige, doch so viel möglich menagente Veranstaltung zu treffen. Die Kosten für den Empfang, Essen und Trinken dürfen nicht über 50 Taler betragen.
Ob sich nun die diplomatische Frage der grenzüberschreitenden Tätigkeit eines kurmainzischen Bischofs von Erfurt im preußische Friedrichslohra nicht lösen ließ oder dem Bischof die Kosten für Essen und Trinken zu niedrig erschienen, geht aus den Aufzeichnungen nicht hervor. Die Weihehandlung jedenfalls fand nicht statt, die Verhandlungen darüber zerschlugen sich. So blieb das Gotteshaus 60 Jahre ungeweiht, obwohl regelmäßig Gottesdienste stattfanden. Es gehörte keiner Diözese an, war der preußischen Regierung in Berlin untertan und fungierte als Missionsstation eines Halberstädter Klosters.
Ein treffliches Metier für Untersuchungen und Argumentationen eines Wissenschaftlers, wann, wodurch und in welchem Jahrhundert denn nun die Kirche wirklich zum Gotteshaus wurde.
Eduard Seifert
Autor: nnzHier muss die Frage erlaubt sein, wo in dieser Feststellung die katholische Kirche in Friedrichslohra – 20 km von Nordhausen entfernt – geblieben ist, die noch heute die Jahreszahl 1777 trägt. Thüringisch war der Ort damals nicht, Nordhausen aber auch nicht.
Eine Erklärung könnte evtl. darin liegen, dass sich der Wissenschaftler an die Papierform hält. Eine katholische Kirche tritt erst dann ins Leben, wenn sie die vorgeschriebene Weihe erhält, also in den gottesdienstlichen Gebrauch genommen wird. Und das war am 1. Oktober 1837 (also im 19. Jahrhundert) der Fall. Dechant H. Ludolph aus Nordhausen benedizierte die Kirche in Friedrichslohra; eine Art Weihe zweiter Klasse. Die eigentliche bischöfliche Konsekration erhielt die Kirche in Friedrichslohra durch den Paderborner Bischof Dr. Conrad Martin erst 4 Jahre vor ihrem 100. Geburtstag; am 3. Juli 1873.
Der Seelsorger indessen kann wohl kaum an der Tatsache vorbeigehen, dass schon 60 Jahre vor der Benediktion (also im 18. Jahrhundert) in Friedrichslohra katholischer Gottesdienst gefeiert wurde. Die Weihe des Gotteshauses war wegen der komplizierten staatsrechtlichen Verhältnisse unterblieben. In Friedrichslohra wurde die erste katholische Kirche nach der Reformation im Gebiet zwischen Harz und Erfurt neu gebaut.
In der Pfarrchronik heißt es dazu in manchmal nur noch schwer lesbarer Schrift, zudem in Sütterlin: Wie an Smalians (Amtmann auf Amt Lohra; E.S.) Häusern, so wurde auch an der Kirche liederlich gearbeitet. Während des Baus waren bereits einmal die noch nicht ausgemauerten Giebel eingestürzt. Jetzt zeigte sich, daß durch Fehler am Turm bei Regen das Innere der Kirche unter Wasser gesetzt wurde. Es begannen die Reparaturen und Nachforderungen und hörten niemals auf. Im Januar 1778 wird die Kirche fertig. Die feierliche Einweihung sollte der Kurmainzische Weihbischof in Erfurt vollziehen. Es ist darüber lang und breit verhandelt worden. Zwei Minister mußten eingreifen. Die Frage, ob einem ausländischen Bischofe der Consens zur Konsekrierung zu erteilen sei oder nicht, war anscheinend schwer zu lösen. Am 2.12.1779 giebt dann Berlin an die Regierung in Halberstadt den Befehl zum Requisitoriale an Kurmainz, daß der Erfurter Weihbischof die Einweihung vornehmen möge. Ihr müßt jedoch das zu erlassende Requisitorial-Schreiben dergestalt stilisieren, damit man dieses Gesuch nicht für eine etwaige Anerkennung dortiger Diözesen Rechte oder einer jurisdictionis ecclesiasticae über hiesige kath. Unterthanen mißdeuten möge.
Der Kammer Deputation in Ellrich schreibt Berlin: Sobald der Weihbischof eingewilligt, habt Ihr die baldige Vollführung zu besorgen, auch dem neuen Parochus zeitig Nachricht zu geben, damit er dieser Feierlichkeit beiwohne. Zur Defragirung des Weihbischofes und seines Gefolges habt Ihr auf dem Amt Lohra anständige, doch so viel möglich menagente Veranstaltung zu treffen. Die Kosten für den Empfang, Essen und Trinken dürfen nicht über 50 Taler betragen.
Ob sich nun die diplomatische Frage der grenzüberschreitenden Tätigkeit eines kurmainzischen Bischofs von Erfurt im preußische Friedrichslohra nicht lösen ließ oder dem Bischof die Kosten für Essen und Trinken zu niedrig erschienen, geht aus den Aufzeichnungen nicht hervor. Die Weihehandlung jedenfalls fand nicht statt, die Verhandlungen darüber zerschlugen sich. So blieb das Gotteshaus 60 Jahre ungeweiht, obwohl regelmäßig Gottesdienste stattfanden. Es gehörte keiner Diözese an, war der preußischen Regierung in Berlin untertan und fungierte als Missionsstation eines Halberstädter Klosters.
Ein treffliches Metier für Untersuchungen und Argumentationen eines Wissenschaftlers, wann, wodurch und in welchem Jahrhundert denn nun die Kirche wirklich zum Gotteshaus wurde.
Eduard Seifert
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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