Sa, 09:34 Uhr
10.09.2011
Bilderbriefe aus dem Kunsthaus (8)
Seit dem 16. Juli läuft im Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen eine Sonderausstellung, die 135 originale Kunstwerke von der Frühromantik über die Hochromantik bis zum Biedermeier zeigt. Um einer Vielzahl von Lesern Lust auf diese Bilderschau zu machen, wird es bis zu deren Ende am 2. Oktober in der nnz Bilder-Briefe aus dem Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen geben...
Öl/Lw., 77,0 x 63,0 cm
© Anhaltische Gemäldegalerie Dessau
Bilderbriefe (Foto: privat)
Dresden, 10. 8. 1839. So sind wir denn nun schon seit zehn Tagen nach langem Planen und Schwanken in Dresden ... Caroline lebt hier viel in ihren Jugenderinnerungen ... Ihren alten Freund Caspar David Friedrich hat Caroline ganz gebrochen und krank gefunden. Sie geht jetzt jeden Morgen zu ihm, um ihn zu malen. Gestern brachte sie ein paar seiner kleinen Sepiabilder mit, die er ihr geschenkt hatte – sie werden eine rechte Zierde unseres Hauses sein., schrieb Wilhelmine Bardua in ihren Aufzeichnungen über die letzte Begegnung ihrer Schwester Caroline mit dem Künstler in Dresden.
Als diese ihn traf, hatte er zwei Schlaganfälle hinter sich. Friedrichs Freund Carl Gustav Carus (1789-1869), Arzt, Maler und Naturphilosoph, schrieb in einem Brief vom 8.12.1838: Was Friedrich betrifft, so lebt er leidlich genug, jedoch vom Schlage gelähmt und ohne zu arbeiten. Seine Tochter ist an einen braven Elbschiffer verheiratet. Freunde haben eine Unterstützung für ihn zusammengebracht ...
Caroline Barduas Gemälde wurde im September 1840 auf der Berliner Kunstausstellung unter dem Titel Portrait des Landschafts-Malers Friedrich gezeigt. Dieser war wenige Monate zuvor gestorben. Der Katalog der Berliner Akademie-Ausstellungen weist für das Jahr 1840 aus: Caspar David Friedrich, Landschaftsmaler und königlich sächsischer Professor, geboren zu Greifswald in Pommern im Jahr 1776, als ordentliches Mitglied der Akademie aufgenommen den 12. März 1811, gestorben zu Dresden, wo er seit Jahren sich niedergelassen, am 7. Mai 1840.
Von den Zweigen einer Weide gerahmt, erblickt man durch den Fensterausschnitt die Elbe mit der bogenreichen Augustusbrücke in dem besonderen Licht der Abendsonne. Das goldene Kreuz des Erlösers auf ihr leuchtet. Hinter einem der Bögen fährt ein Boot mit zwei Personen. Die Elbe biegt nach links in das bergige Land. Helles Abendrot schimmert vom Himmel, über der bläulichen Landschaft breitet sich eine tröstliche Ruhe aus.
Dieser Landschaftsausschnitt entspricht der Stimmung im Zimmer, in dem der Maler in seinem verzierten Lehnstuhl sitzt. Etwas nach vorn geneigt, schaut er sinnend vor sich hin. Der Pelzkragen seines dunklen Hausmantels wärmt, auf ihm liegt sein gewelltes grau-blondes Haar. In der auf die Lehne gestützten linken Hand hält er ein weißes Tuch, die andere berührt einen Gehstock. Am vorderen Bildrand sieht man die Palette, in der die ungenutzten Pinsel stecken. Auf ihr breitet sich ein Efeuzweig aus.
Von Caspar David Friedrich gab es das Gemälde Augustusbrücke zu Dresden im Abendlicht, um 1830 entstanden, das 1931 im Glaspalast in München ausgestellt war. In der Nacht zum 6. Juni 1931 stand das Gebäude in Flammen. 3.000 Kunstwerke wurden vernichtet, darunter sämtliche 110 Gemälde der Ausstellung deutscher Romantiker von Friedrich, Runge, Blechen, Richter u. a. m.
Es ist anzunehmen, dass Caroline Bardua Friedrichs Gemälde kannte. Manches erinnert an ein Zitat: Wie er malte sie die Brücke über die Elbe und die Landschaft, durch die der Fluss fließt.
Unter August den Starken baute man von 1727–1731 die vorherige alte Brücke nach Entwürfen des berühmten Barock-Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann um. Das Bauwerk war danach 402 Meter lang und besaß 17 Bögen. Es wurde nach ihrem Bauherrn Augustusbrücke genannt. Auf den fünften Brückenpfeiler wurde auf einem 6 m hohen Sockel aus Pirnaer Sandstein das von der alten Brücke stammende neu vergoldeten Kruzifix gestellt. Dieser Pfeiler stürzte, ausgelöst durch das Elbehochwasser 1845, ein das Kruzifix ging verloren. 1907 wurde diese Brücke abgerissen und eine neue erbaut.
Zu dem Gemälde Caroline Barduas gibt es aus der Gemäldegalerie in Dessau folgende Informationen: Das Bildnis Caspar David Friedrich gehört zum alten Kunstbesitz der Stadt Dessau. Bevor es nach der Gründung der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau im Jahre 1927 in die Gemäldegalerie gelangte, befand es sich im Palais Cohn-Oppenheim, sogenanntes Messelhaus, im Zentrum Dessaus an der Kavalierstraße, wo der städtische Kunstbesitz untergebracht war. Das Palais wurde bei dem Luftangriff auf Dessau am 7. März 1945 zerstört.
Erhalten haben sich nur die Kunstwerke, die zuvor in die Gemäldegalerie gelangten, während des Krieges ausgelagert waren und zu den 1958/1959 von der UdSSR an die DDR zurückgegebenen Kunstwerken gehörten.
Das Friedrich-Bildnis war in Solvayhall bei Bernburg (Kalischacht) ausgelagert und zählte zu den im April 1946 von sowjetischem Militär als Kriegsbeute abtransportierten und 1958/1959 zurückgegebenen Kunstwerken.
Heidelore Kneffel
Autor: nnzCaroline Bardua (1781-1864)
Bildnis des Malers Caspar David Friedrich, 1839Öl/Lw., 77,0 x 63,0 cm
© Anhaltische Gemäldegalerie Dessau
Bilderbriefe (Foto: privat)
Dresden, 10. 8. 1839. So sind wir denn nun schon seit zehn Tagen nach langem Planen und Schwanken in Dresden ... Caroline lebt hier viel in ihren Jugenderinnerungen ... Ihren alten Freund Caspar David Friedrich hat Caroline ganz gebrochen und krank gefunden. Sie geht jetzt jeden Morgen zu ihm, um ihn zu malen. Gestern brachte sie ein paar seiner kleinen Sepiabilder mit, die er ihr geschenkt hatte – sie werden eine rechte Zierde unseres Hauses sein., schrieb Wilhelmine Bardua in ihren Aufzeichnungen über die letzte Begegnung ihrer Schwester Caroline mit dem Künstler in Dresden.Als diese ihn traf, hatte er zwei Schlaganfälle hinter sich. Friedrichs Freund Carl Gustav Carus (1789-1869), Arzt, Maler und Naturphilosoph, schrieb in einem Brief vom 8.12.1838: Was Friedrich betrifft, so lebt er leidlich genug, jedoch vom Schlage gelähmt und ohne zu arbeiten. Seine Tochter ist an einen braven Elbschiffer verheiratet. Freunde haben eine Unterstützung für ihn zusammengebracht ...
Caroline Barduas Gemälde wurde im September 1840 auf der Berliner Kunstausstellung unter dem Titel Portrait des Landschafts-Malers Friedrich gezeigt. Dieser war wenige Monate zuvor gestorben. Der Katalog der Berliner Akademie-Ausstellungen weist für das Jahr 1840 aus: Caspar David Friedrich, Landschaftsmaler und königlich sächsischer Professor, geboren zu Greifswald in Pommern im Jahr 1776, als ordentliches Mitglied der Akademie aufgenommen den 12. März 1811, gestorben zu Dresden, wo er seit Jahren sich niedergelassen, am 7. Mai 1840.
Von den Zweigen einer Weide gerahmt, erblickt man durch den Fensterausschnitt die Elbe mit der bogenreichen Augustusbrücke in dem besonderen Licht der Abendsonne. Das goldene Kreuz des Erlösers auf ihr leuchtet. Hinter einem der Bögen fährt ein Boot mit zwei Personen. Die Elbe biegt nach links in das bergige Land. Helles Abendrot schimmert vom Himmel, über der bläulichen Landschaft breitet sich eine tröstliche Ruhe aus.
Dieser Landschaftsausschnitt entspricht der Stimmung im Zimmer, in dem der Maler in seinem verzierten Lehnstuhl sitzt. Etwas nach vorn geneigt, schaut er sinnend vor sich hin. Der Pelzkragen seines dunklen Hausmantels wärmt, auf ihm liegt sein gewelltes grau-blondes Haar. In der auf die Lehne gestützten linken Hand hält er ein weißes Tuch, die andere berührt einen Gehstock. Am vorderen Bildrand sieht man die Palette, in der die ungenutzten Pinsel stecken. Auf ihr breitet sich ein Efeuzweig aus.
Von Caspar David Friedrich gab es das Gemälde Augustusbrücke zu Dresden im Abendlicht, um 1830 entstanden, das 1931 im Glaspalast in München ausgestellt war. In der Nacht zum 6. Juni 1931 stand das Gebäude in Flammen. 3.000 Kunstwerke wurden vernichtet, darunter sämtliche 110 Gemälde der Ausstellung deutscher Romantiker von Friedrich, Runge, Blechen, Richter u. a. m.
Es ist anzunehmen, dass Caroline Bardua Friedrichs Gemälde kannte. Manches erinnert an ein Zitat: Wie er malte sie die Brücke über die Elbe und die Landschaft, durch die der Fluss fließt.
Unter August den Starken baute man von 1727–1731 die vorherige alte Brücke nach Entwürfen des berühmten Barock-Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann um. Das Bauwerk war danach 402 Meter lang und besaß 17 Bögen. Es wurde nach ihrem Bauherrn Augustusbrücke genannt. Auf den fünften Brückenpfeiler wurde auf einem 6 m hohen Sockel aus Pirnaer Sandstein das von der alten Brücke stammende neu vergoldeten Kruzifix gestellt. Dieser Pfeiler stürzte, ausgelöst durch das Elbehochwasser 1845, ein das Kruzifix ging verloren. 1907 wurde diese Brücke abgerissen und eine neue erbaut.
Zu dem Gemälde Caroline Barduas gibt es aus der Gemäldegalerie in Dessau folgende Informationen: Das Bildnis Caspar David Friedrich gehört zum alten Kunstbesitz der Stadt Dessau. Bevor es nach der Gründung der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau im Jahre 1927 in die Gemäldegalerie gelangte, befand es sich im Palais Cohn-Oppenheim, sogenanntes Messelhaus, im Zentrum Dessaus an der Kavalierstraße, wo der städtische Kunstbesitz untergebracht war. Das Palais wurde bei dem Luftangriff auf Dessau am 7. März 1945 zerstört.
Erhalten haben sich nur die Kunstwerke, die zuvor in die Gemäldegalerie gelangten, während des Krieges ausgelagert waren und zu den 1958/1959 von der UdSSR an die DDR zurückgegebenen Kunstwerken gehörten.
Das Friedrich-Bildnis war in Solvayhall bei Bernburg (Kalischacht) ausgelagert und zählte zu den im April 1946 von sowjetischem Militär als Kriegsbeute abtransportierten und 1958/1959 zurückgegebenen Kunstwerken.
Heidelore Kneffel

