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So, 07:00 Uhr
14.01.2018
Abgemerkt

Zum Tod von Herbert Sander

Der gebürtige Nordhäuser Herbert Sander, Schöpfer des Emblems „Schwerter zu Pflugscharen“ der Friedensbewegung in der DDR, ist im Alter von 79 Jahren in einem Krankenhaus in Potsdam an Lungenentzündung gestorben. Mit diesem Symbol habe der Grafiker der Friedenssehnsucht Hunderttausender, „die der Militarisierung der DDR skeptisch gegenüberstanden“, eine Plattform gegeben,
erklärte Dietmar Woike (SPD), Ministerpräsident Brandenburgs...


Der 1938 in Nordhausen geborene Maler und Grafiker habe mit dem Aufnäher „den Nerv der Zeit getroffen“, sagte Woike. Das Emblem sei zudem „überaus klug“ ausgewählt gewesen, weil es sich auf ein Kunstwerk bezogen habe, das die Sowjetunion 1959 den Vereinten Nationen geschenkt habe, so dass die DDR-Führung nicht dagegen vorgehen konnte.

Nach seinem Studium an der Fachschule für Grafik, Druck und Werbung in Berlin-Oberschöneweide arbeitete Sander als Szenenbild-Assistent im DEFA-Studio für Spielfilme in Potsdam-Babelsberg. Seit 1967 war er freischaffender Künstler, dessen Werke regelmäßig in Ausstellungen präsentiert und von Museen angekauft wurden.

Er schuf in mehr als 40 Jahren eine Vielzahl von Plakaten und Designs für Ausstellungen in den Schlössern und Gärten von Ports-dam-Sanssouci. Vor allem die Landschaft und Parks Brandenburgs, aber auch die Reste jüdi-scher Friedhöfe im Berliner Umland waren Motive seiner Arbeit. Für die evangelische Auferstehungskirche in seinem Wohnort Kleinmachnow schuf er in den 1980er Jahren ein buntes Kirchenfenster aus vieren bunten Kreuzen und anderen Figuren, darunter Jesus auf einem Esel reitend. Historische Bedeutung erreichte sein Lesezeichen-Entwurf „Schwerter zu Pflugscharen“ den er 1980 im Auftrag
des Landesjugendpfarrers Manfred Domrös nach der Skulptur des russischen Bildhauers Jewgenij Wutschetisch schuf.

Ursprünglich für evangelische Jugendgruppen adaptiert, erschien das Emblem kurze Zeit später auf Taschen und Kleidungsstücken und wurde ein verbreitetes Symbol der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. Nach Fürsprache von Manfred Stolpe erhielt Sander 2014 den Verdienstorden des Landes Brandenburg. Gleichzeitig zeigte die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung eine Werkausstellung. Sander war Mitbegründer des Neuen Forums in Kleinmachnow. Bei der ersten freien Kommunalwahl kandidierte er für Bündnis 90, zog sich dann aber aus der Kommunalpolitik zurück.

Sander lebte in den letzten Jahren im Nachbarort Stahnsdorf. Vor zwei Jahren erlitt er einen schweren Schlaganfall. Er starb bereits am 4. Januar, wie erst an diesem Wochenende bekannt wurde, wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag. Anfangs war sein Lesezeichen nur als innerkirchliches Bekenntnis gegen das Wettrüsten gedacht, doch es verbreitete sich weltweit als Symbol der Friedensbewegung. Obwohl in der DDR offiziell nie verboten, führte der Aufnäher. der die Zensur unterlief, zu Verwarnungen, Verweisen und polizeilichen Scheren-Schnitten. Ein Loch in der Kleidung erfüllte ebenso seinen Zweck.
Manfred Neuber
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Kommentare

14.01.2018, 10.14 Uhr
LithiumTim | Schwerter zu Pflugscharen eben auch im Westen!
Es ist bedeutender gewesen, als Herr Woike sich zitieren lässt. Denn es strahlte auch nach Westen aus, sozusagen von Ost nach West! Einerseits war es innerhalb der DDR nicht gern gesehen, angeblich zu eng. Andererseits aber hat es bestimmten DDR Behörden gut genutzt, z.Bsp. im Westen.
14.01.2018, 12.19 Uhr
henry12 | Neubers Wintergeschichten
Ein ..glück, das es Neuber gibt. So kann man viel abgeschriebene nachlesen, was ohnehin jeder weiß.
Eines würde mich im Zusammenhang mit dem Aufnäher aber mal interessieren. Zu DDR Zeiten war es ein in Kirchen- und Jugendszene Kreisen beliebtes Symbol , um gegen die Staatsmacht zu demonstrieren, weil man wusste , das es
provoziert. Gerade die Kirche stand dahinter . Leider verwendet es die Kirche heute aber nicht mehr, obwohl die Bundeswehr überall auf der Welt an Kriegen beteiligt ist und mit ihren Panzern sogar kurz vor Sank Petersburg steht. Wenn es also um Aufrüstung und Deutschen Militarismus geht, hat das Symbol nicht an Aktualität verloren. Sollte man meinen.
15.01.2018, 10.25 Uhr
Leser X | Diese Parole...
... hat sich seit der Wende erledigt, da die Seite, die damit provoziert werden sollte, ihren "Betrieb" eingestellt hat.

Die Kirchenfunktionäre müssen allerdings seit dem mit dem Vorwurf leben, die Provokation wichtiger genommen zu haben als den Weltfrieden. Jedenfalls höre ich keinen Widerstand gegen die neue Aufrüstungs- und militärische Einmischungspolitik Deutschlands in Weltgegenden, die sie nichts angehen.

Somit bietet diese Parole ein gutes Beispiel dafür, wie verräterisch Sprache sein kann.
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