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Mo, 08:00 Uhr
18.01.2016
Zukunftsstadt Nordhausen

Vier Räder, viele Fahrer - Zukunft Carsharing

Die Welt steht, abseits aller Tagespolitik, vor gewaltigen Herausforderungen. Wie will man mit schwindenden Ressourcen umgehen, wie das erreichte halten? Ideen gibt es jede Menge. Um sie zu verwirklichen braucht es aber Menschen, die sich nicht beirren lassen sondern einfach machen und solche Leute gibt es auch in Nordhausen...

Carsharing - Alternative für die Stadt-Land Mobilität auch in Nordhausen? (Foto: Angelo Glashagel)
Nordhausen will Zukunftsstadt werden. Alle paar Wochen treffen sich interessierte und engagierte Bürger und werfen Ideen hin und her, wie man die Rolandsstadt fit machen kann für die Zukunft mit energetischer Gebäudesanierung, innovative Modellen die Leute zum Sinneswandel animieren sollen, neue Arten der Mobilität, regenerative Energien, und, und, und.

Das Themenfeld ist weit, soll aber in den Werkstätten zum Wettbewerb "Zukunftsstadt" möglichst praktisch behandelt werden. Heute Abend ist es wieder soweit, ab 18 Uhr können alle Interessierten Bürger, Fachleute und Laien im Bürgerhaus mitreden und überlegen, was man tun kann. Am Ende winkt das vorankommen im Wettbewerb und letztlich ein ordentlicher Batzen Fördermittel um die Schritte in die Zukunft etwas einfacher zu gestalten. So zumindest die Hoffnung der Stadtverwaltung.

Einige Ideen sind indes schon da, sogar schon Realität. Nur eben kaum in Nordhausen und Umgebung. Beim "Zukunftsstadt"-Treffen am Abend soll es zum Beispiel um Mobilität zwischen Stadt und Land gehen, ein vitales Thema für eine ländlich geprägte Region wie den Landkreis Nordhausen. Jeder besitzt ein Auto oder vielleicht sogar zwei? Braucht man das wirklich? Wenn der Bus nur noch alle paar Stunden kommt und Fleischer, Bäcker, Arzt und Apotheker längst weggezogen sind wahrscheinlich schon, sollte man meinen. Warum aber nicht einfach das Auto des Nachbarn nehmen, das eh nur rumsteht und Staub fängt?

"Carsharing" - das eigene Auto mit anderen teilen, heißt die Idee, die in den größeren Städten zuweilen schon angekommen ist. Menschen, die ihr Fahrzeug ohnehin nur selten bewegen, vermieten ihren fahrbaren Untersatz zeitweise, für ein paar Stunden, einen Tag oder eine Woche, an jemand anderen, der sich kein eigenes Auto leisten kann oder will.

Ressourcen teilen schafft Gemeinschaft, meint Stephanie Kespohl (Foto: Angelo Glashagel)Stephanie Kespohl, seit einigen Jahren Wahlnordhäuserin, tut genau das. Schon während ihrer Zeit in Rostock hatte sie ihren Wagen vermietet. "Unter anderem an eine ältere Dame die Großmutter geworden war und so ihr Enkelkind regelmäßig besuchen konnte", erzählt Frau Kespohl. Auch in der Ostsee-Metropole war Carsharing da noch nicht weit verbreitet, zumindest im privaten Bereich abseits von großen Autovermietern betrat man also Neuland, wie es so schön heißt.

Die spezielle Beziehung, die dem Deutschen zu seinem Auto gerne nachgesagt wird, macht die ganze Sache nicht leichter, für Stephanie Kespohl war das kein Problem. "Für mich ist ein Auto ein Gebrauchsgegenstand, kein Statussymbol", sagt die junge Unternehmensberaterin, "und Gebrauchsgegenstände können auch mal kaputt gehen". Sorgen um ihren Kombi habe sie sich aber nie machen müssen, man sei komplett abgesichert. Die Versicherung übernimmt ein Onlineportal, das auch den rechtlich sauberen Mietvertrag zur Verfügung stellt und dafür einen Teil der Einahmen bekommt. "Gezahlt wird pro Kilometer. Im Mitvertrag hat man vorher alles erfasst: Kilometerstand, etwaige vorhandene Schäden, man muss seinen Ausweis und die Fahrerlaubnis vorlegen..." Ein wenig bürokratisch sei das ganze zwar schon, aber man sei auf der sicheren Seite, meint Kespohl, und immer noch unkomplizierter und günstiger als die herkömmliche Autovermietung. Nur Fahranfänger sind außen vor, den Führerschein sollte man schon eine Weile haben.

Gerade für den ländlichen Raum sei so ein Modell sinnvoll, vielleicht sogar kommunal organisiert. Ein Fahrzeug, das allen gehört und das alle nutzen können. Die Kosten wie auch die Bürokratie müsste man zusammen tragen, als Gemeinschaft.

Frau Kespohls Fahrzeug ist im Moment "nicht aktiv", in Nordhausen gab es bisher schlicht kein Interesse an dem Angebot und zur Zeit muss der Eigenbedarf im Vordergrund stehen. "Mir geht es bei Carsharing nicht ums Geld. Ich will mein Auto einfach nicht stehen lassen, davon wird es nicht besser. Da teile ich es lieber mit Leuten, die es sich sonst nicht leisten könnten. Wir hängen viel zu sehr am wirtschaftlichem Denken, unsere Ressourcen zu teilen, das fehlt uns heute. Wenn wir das tun, dann schaffen wir auch wieder mehr Gemeinschaft."

Das Carsharing ist nicht der einzige Weg, auf dem die junge Frau versucht, diesem Ziel näher zu kommen. In Rostock konnte die Nachbarschaft nach ein paar Anlaufschwierigkeiten dazu gebracht werden, den Garten hinterm Haus wieder auf Vordermann zu bringen und zu bewirtschaften, später kam "Foodsharing" hinzu. Das Netzwerk zum Nahrungsmittel teilen hat ihren Weggang überstanden und ist bis heute aktiv, erzählt Stephanie Kespohl. In Nordhausen hat sie wieder von vorne angefangen, die Facebookgruppe hat inzwischen immerhin 195 Mitglieder, praktische Umsetzungen der Ideen aus dem Neuland könnten in Zukunft also auch hier folgen. "Man braucht viel Zeit und viel Geduld, wenn man etwas bewegen will", sagt Kespohl, "und man braucht Menschen, die einen Impuls, die einem einen Schubs geben."

Einen eben solchen "Schubs" erhofft man sich auch von den Werkstätten zur Zukunftsstadt. Welche Impulse von den Nordhäuserinnen und Nordhäusern ausgehen, das sieht man sich am besten selbst an: ab 18 Uhr im Ratssaal des Bürgerhauses.
Angelo Glashagel
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Kommentare

18.01.2016, 08.25 Uhr
Phantom92 | Zukunftsstadt Nordhausen???
Die Überschrift ist ja lächerlich hoch 3. Mit solchen Geistesblitzen wie Carsharing soll die Stadt wohl gerettet werden? Lächerliche... Der nötige Impuls muss von der Stadtverwaltung selbst, oder dem Landratsamt ausgehen. Ein erster Schritt wäre mal die Zukunft der Stadt zu sichern in dem man sie attraktiv macht für die Jugend.

Die Job perspektiven im Landkreis bieten nicht den geringsten Anlass in Nordhausen oder Umgebung zu bleiben, und am Wochenende werden bis auf 2 -3 Ausnahmen doch um 6 die Bordsteine hochgeklappt. Die "Elite" Veranstaltungen vom AH Peter sind auch keine gute Werbung für die Stadt. Die vielen Millionen für das "Bürgerhaus" hätten da wie oft gesagt anders eingespart werden können, es ist ja nichtmal Geld da um mit einer neuen Feuerwehr die Sicherheit der eigenen Bevölkerung zu erhöhen, und dann will man sich "Zukunftsstadt" nennen...

Auch der Wohnungsmarkt für "Zuzugswillige" Junge Leute ist doch grade am Boden. Jedes Loch mit Flüchtlingen zu stopfen macht die Stadt nicht attraktiv. Ich persönlich habe der Stadt bereits beruflich so wie privat den Rücken gekehrt, und sehr viele meiner bekannten werden dies auch in betracht ziehen. Ich bereue dies nicht, andere Städt bsp Erfurt bieten da eine deutlich bessere Zukunft... Fazit: Nordhausen ist eine "Zukunftsstadt" ohne attraktive Zukunft.
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