147 km nonstop zu Dritt
Donnerstag, 11. August 2011, 09:29 Uhr
Am 6. Harz-Hunderter EXTREM am kommenden Wochenende nehmen außer Wanderleiter Bodo Schwarzberg selbst noch zwei weitere Wanderer teil: der 69-jährige Klaus R. aus Gießen und der ebenfalls 69-jährige Dieter H. aus Lieskau bei Halle...
Ich hatte zwar noch nie so wenige Teilnehmer bei einer Tour wie diesmal, bin aber keineswegs unglücklich über den kleinen Kreis, sagt Schwarzberg gegenüber der nnz. Das ist leichter zu führen. - Außerdem seien die beiden alte Wanderprofis, mit denen er schon so manche Schlacht geschlagen habe. Dieter H. war 2011 der einzige neben dem Nordhäuser, der die Gesamtstrecke von Seesen nach Lutherstadt Eisleben bewältigen konnte.
Man könne die kleine Gruppe ja auch positiv sehen: Nicht jeder aus der Szene traut sich das halt zu – über den gesamten Harz von West nach Ost. Und tatsächlich sei es so, dass den meisten 100 km voll und ganz reichen. Das hat auch etwas mit der Dauer einer solchen Langstreckenwanderung zu tun. Viele 100 km-Wanderer versuchen ihr kostbares Wochenende wenigstens noch zum Teil der Familie oder ihren anderen Hobbys widmen zu können.
Bei 150 ist das nicht mehr möglich. Hinzu käme, dass die Leute ihre Hunderter wie Briefmarken sammeln. Ein 150-er zählt auch nur als einfacher Hunderter, wird also genauso gewertet, wie eine um 50 km kürzere Strecke. Lediglich auf der Urkunde stehen 147 km. Warum soll ein Wanderer sich dann eine so lange Strecke antun? Hinzu kommt noch, dass praktisch die gesamte West-Ost-Harzquerung über Waldwege verläuft, was für manchen zu anstrengend ist. Sie bevorzugen Straßenbelag. Nicht zu vergessen ist, dass es von Seesen bis zum Brocken, von Ausnahmen abgesehen, immer bergauf geht – 46 km lang.
Schwarzberg hat diesmal zudem recht strenge Kriterien für die Teilnehmer angelegt: Starten dürfen nur die, die in den vergangenen sechs Monaten schon einmal wenigstens 50 km nonstop nachweislich bewältigt haben. Längeres Warten auf einen zurückbleibenden Teilnehmer können wir uns wegen der wichtigen Gaststätteneinkehren (etwa aller 30 km) nicht leisten, sagt er. Zudem möchte er, dass sich Hunderteraspiranten nicht überschätzen und, wie schon einmal geschehen, gesundheitliche Probleme bekommen.
Außerdem haben viele Manschetten vor der zweiten zu durchwandernden Nacht. Und warum schlafen denn die Wanderer nicht? – Laut Reglement werden nur Touren als eine Wanderung anerkannt, die nonstop, das heißt ohne Schlaf bewältigt werden, so Schwarzberg.
Erst ab einer Nonstop-Strecke von 200 km wird es für manche wieder interessanter: Für Touren dieser Distanz nämlich gibt es einen Eintrag in die vom SWBV in Sachsen angelegte Weltbestenliste Extremwandern. Schwarzberg selbst wanderte je einmal 206, 207 und 225 km am Stück, letztere im Rahmen der Olympiabewerbung von Leipzig "im Auftrag" des MDR von Dresden über Riesa und Chemnitz nach Leipzig (Januar 2003) gemeinsam mit acht Wanderfreunden.
"Der damalige Leipziger OB Tiefensee fragte uns bei der Ankunft am Völkerschlachtdenkmal, ob wir für Leipzig auch bereit wären, von Leipzig nach München nonstop zu wandern. Zur Unterstützung des Kür des deutschen Olympiakandidaten. Wir bräuchten uns um nichts anderes zu kümmern, als ums wandern", sagte er. Aber daraus wurde nichts. Das NOK ließ keine Extrawürste außerhalb der offiziellen Veranstaltungen zu.
Der Weltrekord liegt bei 565 km nonstop, wobei ab Strecken über 200 km Schlafpausen von 1,5 Stunden pro 24 Stunden Vorschrift sind. Das aber wiederum bedeutet, dass man oberhalb von 200 km für weitere 100 km nur noch 22,5 Stunden Zeit hat. Das ist wirklich hart. Dann trennt sich die letzte Spreu vom Weizen, so Schwarzberg.
Seit Jahren wollen die Sachsen den Weltrekord der US-Amerikaner erneut überbieten. Mit ihnen lieferten sie sich über Jahre eine Art Konkurrenzkampf. Leider fehlt es z.Z. an Wanderern, die schonmal 200 oder mehr Kilometer am Stück gewandert sind und die noch unter 65 sind. Aber diese Altersgruppe ist sowieso die härteste, lobt der Wanderleiter.
Zwar gibt es durchaus Nachwuchs in dem Sport. Aber eben nicht für mehr als 100 km. In dem aktuellen Wanderkalender ist Schwarzberg der einzige, der eine Strecke von 147 km anbietet. Die Motivation, den ganzen Harz von West nach Ost in einem Stück zu überqueren, war ausschlaggebend, für diese Veranstaltung. Er möchte sie weiterhin in jedem Jahr anbieten.
Egal, wie das Wetter wird!, so Schwarzberg. – Es wäre übrigens das erste Mal, dass es nicht längere Zeit bei dieser Veranstaltung regnet. Am Freitag, dem 12.08. geht es am Bahnhof Seesen um 23 Uhr los. Und Regen ist durchaus wieder drin!
Autor: nnzIch hatte zwar noch nie so wenige Teilnehmer bei einer Tour wie diesmal, bin aber keineswegs unglücklich über den kleinen Kreis, sagt Schwarzberg gegenüber der nnz. Das ist leichter zu führen. - Außerdem seien die beiden alte Wanderprofis, mit denen er schon so manche Schlacht geschlagen habe. Dieter H. war 2011 der einzige neben dem Nordhäuser, der die Gesamtstrecke von Seesen nach Lutherstadt Eisleben bewältigen konnte.
Man könne die kleine Gruppe ja auch positiv sehen: Nicht jeder aus der Szene traut sich das halt zu – über den gesamten Harz von West nach Ost. Und tatsächlich sei es so, dass den meisten 100 km voll und ganz reichen. Das hat auch etwas mit der Dauer einer solchen Langstreckenwanderung zu tun. Viele 100 km-Wanderer versuchen ihr kostbares Wochenende wenigstens noch zum Teil der Familie oder ihren anderen Hobbys widmen zu können.
Bei 150 ist das nicht mehr möglich. Hinzu käme, dass die Leute ihre Hunderter wie Briefmarken sammeln. Ein 150-er zählt auch nur als einfacher Hunderter, wird also genauso gewertet, wie eine um 50 km kürzere Strecke. Lediglich auf der Urkunde stehen 147 km. Warum soll ein Wanderer sich dann eine so lange Strecke antun? Hinzu kommt noch, dass praktisch die gesamte West-Ost-Harzquerung über Waldwege verläuft, was für manchen zu anstrengend ist. Sie bevorzugen Straßenbelag. Nicht zu vergessen ist, dass es von Seesen bis zum Brocken, von Ausnahmen abgesehen, immer bergauf geht – 46 km lang.
Schwarzberg hat diesmal zudem recht strenge Kriterien für die Teilnehmer angelegt: Starten dürfen nur die, die in den vergangenen sechs Monaten schon einmal wenigstens 50 km nonstop nachweislich bewältigt haben. Längeres Warten auf einen zurückbleibenden Teilnehmer können wir uns wegen der wichtigen Gaststätteneinkehren (etwa aller 30 km) nicht leisten, sagt er. Zudem möchte er, dass sich Hunderteraspiranten nicht überschätzen und, wie schon einmal geschehen, gesundheitliche Probleme bekommen.
Außerdem haben viele Manschetten vor der zweiten zu durchwandernden Nacht. Und warum schlafen denn die Wanderer nicht? – Laut Reglement werden nur Touren als eine Wanderung anerkannt, die nonstop, das heißt ohne Schlaf bewältigt werden, so Schwarzberg.
Erst ab einer Nonstop-Strecke von 200 km wird es für manche wieder interessanter: Für Touren dieser Distanz nämlich gibt es einen Eintrag in die vom SWBV in Sachsen angelegte Weltbestenliste Extremwandern. Schwarzberg selbst wanderte je einmal 206, 207 und 225 km am Stück, letztere im Rahmen der Olympiabewerbung von Leipzig "im Auftrag" des MDR von Dresden über Riesa und Chemnitz nach Leipzig (Januar 2003) gemeinsam mit acht Wanderfreunden.
"Der damalige Leipziger OB Tiefensee fragte uns bei der Ankunft am Völkerschlachtdenkmal, ob wir für Leipzig auch bereit wären, von Leipzig nach München nonstop zu wandern. Zur Unterstützung des Kür des deutschen Olympiakandidaten. Wir bräuchten uns um nichts anderes zu kümmern, als ums wandern", sagte er. Aber daraus wurde nichts. Das NOK ließ keine Extrawürste außerhalb der offiziellen Veranstaltungen zu.
Der Weltrekord liegt bei 565 km nonstop, wobei ab Strecken über 200 km Schlafpausen von 1,5 Stunden pro 24 Stunden Vorschrift sind. Das aber wiederum bedeutet, dass man oberhalb von 200 km für weitere 100 km nur noch 22,5 Stunden Zeit hat. Das ist wirklich hart. Dann trennt sich die letzte Spreu vom Weizen, so Schwarzberg.
Seit Jahren wollen die Sachsen den Weltrekord der US-Amerikaner erneut überbieten. Mit ihnen lieferten sie sich über Jahre eine Art Konkurrenzkampf. Leider fehlt es z.Z. an Wanderern, die schonmal 200 oder mehr Kilometer am Stück gewandert sind und die noch unter 65 sind. Aber diese Altersgruppe ist sowieso die härteste, lobt der Wanderleiter.
Zwar gibt es durchaus Nachwuchs in dem Sport. Aber eben nicht für mehr als 100 km. In dem aktuellen Wanderkalender ist Schwarzberg der einzige, der eine Strecke von 147 km anbietet. Die Motivation, den ganzen Harz von West nach Ost in einem Stück zu überqueren, war ausschlaggebend, für diese Veranstaltung. Er möchte sie weiterhin in jedem Jahr anbieten.
Egal, wie das Wetter wird!, so Schwarzberg. – Es wäre übrigens das erste Mal, dass es nicht längere Zeit bei dieser Veranstaltung regnet. Am Freitag, dem 12.08. geht es am Bahnhof Seesen um 23 Uhr los. Und Regen ist durchaus wieder drin!
