Bilderbriefe aus dem Kunsthaus (3)
Sonntag, 07. August 2011, 12:31 Uhr
Seit dem 16. Juli läuft im Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen eine Sonderausstellung, die 135 originale Kunstwerke von der Frühromantik über die Hochromantik bis zum Biedermeier zeigt. Um einer Vielzahl von Lesern Lust auf diese Bilderschau zu machen, wird es bis zu deren Ende am 2. Oktober in der nnz Bilder-Briefe aus dem Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen geben...
Malerei und Dichtkunst, 1831
Kupferstich nach dem Gemälde von Louise Seidler, 27,5 x 33, 5 cm
Jahresgabe des Sächsischen Kunstvereins Dresden, 1831
Briefe (Foto: privat)
Der hohe Stellenwert, den die Poesie im Zeitalter Goethes einnahm, wird in diesem allegorischen Bild ausgedrückt.
Die heranschwebende bekränzte Poesie weist mit einer Hand in die Landschaft und berührt mit der anderen die Zeichenfeder der Malerei. Den Fuß auf die antike Säule abgestützt, auf einem von Pflanzen überwucherten Kapitel sitzend, schaut die Malerei aber nicht in die Ferne, sondern auf ihr Blatt. Die in den Raum greifende Geste der Poesie wird so durch die konzentrierte, verinnerlichte Darstellung der Malerei, die an einem idealen Engelsköpfchen und nicht nach einem realen Vorbild arbeitet, relativiert. Doch ist die führende Rolle der Poesie deutlich, die der Malerei Gegenstand und Idee vermitteln will.
Aus der persönlichen Lebenserfahrung war diese Interpretation der Stellung der Poesie für Louise Seidler annehmbar, da sie seit der frühesten Jugend die außergewöhnliche Wirkung des Wortes im Jenaer und Weimarer Kreis erfahren hatte, in dem sie, die in Jena zur Welt kam, aufwuchs. Goethe kannte sie von Kindheit an. Als Jugendliche hatte sie außer zu Goethe Zugang zu den Dichtern Friedrich Schiller, Friedrich Tieck, Clemens Brentano.
Entscheidend für die Komposition ihres Werkes über die Malerei und Dichtkunst war, dass der Auftraggeber für dieses allegorische Gemälde kein geringerer als Goethe war, dem die Künstlerin in einem ideenreichen Bilde eine Freude machen wollte. Sie schrieb Johann Gottlob von Quandt (1787-1859), einem bedeutenden deutschen Kunsthistoriker und Kunstmäzen, am 27. Juni 1831 nach Dresden, wo das Bild zur Annahme und zum Ankauf durch den Sächsischen Kunstverein vorgestellt werden sollte: Ich übersende Ihnen die mühseligste schwerste aller meiner Arbeiten an die ich ... 10 Monate gearbeitet ... Nur die stete Angst, dass Göthe bey seinem immerwährenden Kranksein sterben könnte, u. mir nicht die Freude werden könnte, ihm seinen Auftrag anlanden zu können, gab mir die Kraft durchzuhalten. Quandt war Mitbegründer des Sächsischen Kunstvereins und von 1828 bis 1833 dessen Vorstand.
Das Gemälde ist heute verschollen und nur in dem abgebildeten Kupferstich erhalten. Dieser besitzt nach Aussagen derer, die das Ölbild kannten, jedoch nicht die Anmut und Schönheit in den Gestalten, wie sie das Original besaß.
Julius Thaeter, gebürtig aus Dresden, studierte das Fach Zeichnen und war zeitweise als Zeichenlehrer tätig. 1849 wurde er an die Akademie der Bildenden Künste München berufen, gab die Professur 1868 auf und übernahm die Leitung des Kupferstichkabinettes. Thaeter hatte sich autodidaktisch zum Reproduktionsgraphiker qualifiziert und reproduzierte vor allem Werke romantischer Künstler.
Heidelore Kneffel
Autor: nnzLouise Seidler (1786–1866) / Julius Thaeter (1804–1870)
Malerei und Dichtkunst, 1831
Kupferstich nach dem Gemälde von Louise Seidler, 27,5 x 33, 5 cm
Jahresgabe des Sächsischen Kunstvereins Dresden, 1831
Briefe (Foto: privat)
Der hohe Stellenwert, den die Poesie im Zeitalter Goethes einnahm, wird in diesem allegorischen Bild ausgedrückt.Die heranschwebende bekränzte Poesie weist mit einer Hand in die Landschaft und berührt mit der anderen die Zeichenfeder der Malerei. Den Fuß auf die antike Säule abgestützt, auf einem von Pflanzen überwucherten Kapitel sitzend, schaut die Malerei aber nicht in die Ferne, sondern auf ihr Blatt. Die in den Raum greifende Geste der Poesie wird so durch die konzentrierte, verinnerlichte Darstellung der Malerei, die an einem idealen Engelsköpfchen und nicht nach einem realen Vorbild arbeitet, relativiert. Doch ist die führende Rolle der Poesie deutlich, die der Malerei Gegenstand und Idee vermitteln will.
Aus der persönlichen Lebenserfahrung war diese Interpretation der Stellung der Poesie für Louise Seidler annehmbar, da sie seit der frühesten Jugend die außergewöhnliche Wirkung des Wortes im Jenaer und Weimarer Kreis erfahren hatte, in dem sie, die in Jena zur Welt kam, aufwuchs. Goethe kannte sie von Kindheit an. Als Jugendliche hatte sie außer zu Goethe Zugang zu den Dichtern Friedrich Schiller, Friedrich Tieck, Clemens Brentano.
Entscheidend für die Komposition ihres Werkes über die Malerei und Dichtkunst war, dass der Auftraggeber für dieses allegorische Gemälde kein geringerer als Goethe war, dem die Künstlerin in einem ideenreichen Bilde eine Freude machen wollte. Sie schrieb Johann Gottlob von Quandt (1787-1859), einem bedeutenden deutschen Kunsthistoriker und Kunstmäzen, am 27. Juni 1831 nach Dresden, wo das Bild zur Annahme und zum Ankauf durch den Sächsischen Kunstverein vorgestellt werden sollte: Ich übersende Ihnen die mühseligste schwerste aller meiner Arbeiten an die ich ... 10 Monate gearbeitet ... Nur die stete Angst, dass Göthe bey seinem immerwährenden Kranksein sterben könnte, u. mir nicht die Freude werden könnte, ihm seinen Auftrag anlanden zu können, gab mir die Kraft durchzuhalten. Quandt war Mitbegründer des Sächsischen Kunstvereins und von 1828 bis 1833 dessen Vorstand.
Das Gemälde ist heute verschollen und nur in dem abgebildeten Kupferstich erhalten. Dieser besitzt nach Aussagen derer, die das Ölbild kannten, jedoch nicht die Anmut und Schönheit in den Gestalten, wie sie das Original besaß.
Julius Thaeter, gebürtig aus Dresden, studierte das Fach Zeichnen und war zeitweise als Zeichenlehrer tätig. 1849 wurde er an die Akademie der Bildenden Künste München berufen, gab die Professur 1868 auf und übernahm die Leitung des Kupferstichkabinettes. Thaeter hatte sich autodidaktisch zum Reproduktionsgraphiker qualifiziert und reproduzierte vor allem Werke romantischer Künstler.
Heidelore Kneffel
