Ferne Länder sind das Ziel
Donnerstag, 04. August 2011, 09:59 Uhr
Roland Merx kennt Europas schönste Seiten. Seit 20 Jahren ist er beim Reiseunternehmen Brauer in Nordhausen tätig. Über 1,5 Millionen Kilometer brachte er bis zum heutigen Tag unter die Räder seiner Reisebusse. Kurt Frank hat für die nnz mit ihm gesprochen.
Seit 20 Jahren ist Roland Merx mit dem Reisebus unterwegs. Oft sind ferne Länder das Ziel. Foto: Kurt Frank
Roland Merx kennt nicht nur Italien: Rom, Pompeji, die Spanische Treppe, das Colosseum, Capri und die schönste Straße der Welt, eine Fahrt entlang der Amalfi-Küste. Alle Ziele, die er ansteuert, seien eine Reise wert: Paris mit dem Eiffelturm, die Kaiserstadt Wien, die Dolomiten, der Bodensee, Prag mit all den Sehenswürdigkeiten, die Masuren, die verführerische Atmosphäre von Budapest. Kaum ein europäisches Land, das er nicht bereist hätte. Im Vorjahr registrierte er 75 000 Kilometer auf dem Tacho. Um die 5000 Personen waren ihm da anvertraut. Abertausende Fahrgäste in den letzten zwei Jahrzehnten. Bis zum heutigen Tag brachte Merx über 1,5 Millionen Kilometer unter die Räder seiner Reisebusse.
Sechs davon steuerte er bislang durch Europa. Eine Lieblingsstrecke habe er nicht. Überall sei es schön. Erst dieser Tage führte eine Fahrt unter anderem in den Teutoburger Wald. Staunend und ehrfürchtig stand die Reisegesellschaft vor dem Hermannsdenkmal. Trotzig streckt der Cherusker das sieben Meter lange Schwert in die Höhe. Morgen schwingt sich der 43-Jährige erneut hinter das Lenkrad und steuert die Beneluxstaaten an.
An einem Sonntag im August des Jahres 1991 bestieg der gelernte Zimmermann Roland Merx, der schon als 18-Jähriger im damaligen VEB Kraftverkehr seinen Berechtigungsschein erwarb, erstmals einen Reisebus des Brauer-Unternehmens. Einen Doppeldecker. Die Costa Brava war sein erstes Ziel. Je weiter der Kirchturm, je schöner die Strecke, meint der Fahrer. Bis nach Marokko und an die Sahara lenkte er den Bus. Das sind 4000 Kilometer bis zum Ziel. Noch weiter als bis zum Nordkap.
Hat da nicht Geschäftsführer Jürgen Brauer Recht, wenn er meint, seine Fahrer hätten schon im Dienst Urlaub in den schönsten Ländern der Welt? Jeder wisse um den Scherz des Chefs, entgegnet Roland Merx. In gewisser Weise habe Brauer aber Recht. Der wisse aber auch um die verantwortungsvolle Arbeit seiner Fahrer. Und schätze sie.
Schon eine Sekunde Unaufmerksamkeit könne großes Unheil bewirken. Auch enge Straßen in vielen Städten Europas erforderten hohe Konzentration und fahrerisches Können, um nicht an einer Hausecke hängen zu bleiben. Das Navigationsgerät sei zwar bei Fernfahrten eine große Hilfe, der Auto-Atlas dennoch unentbehrlich, versichert Merx. Freud und Leid habe er als Busfahrer in all den Jahren erlebt. Nur noch keine Geburt an Bord. Das wünsche er sich auch nicht unbedingt, wisse aber in diesem Fall zu helfen. Schließlich habe er zwölf Monate Zivildienst in einem Krankenhaus geleistet. Besonders stolz kann der 43-Jährige darauf sein, in den zwei Jahrzehnten nie selbst einen Unfall verschuldet zu haben. In Norwegen hat ihm einmal ein Pkw-Fahrer die Vorfahrt genommen. Während dessen Insassen medizinisch behandelt werden mussten, setzten wir mach zweistündiger Unterbrechung die Reise fort, erinnert sich Merx.
Das Schöne befinde sich im eigenem Land, ist Roland Merx überzeugt. Sehenswürdigkeiten und Ferienparadiese in Deutschland stünden auch mit Abstand an erster Stelle der Buchungen der Reiselustigen. Beliebt seien auch Italien, Österreich, die Schweiz und Spanien, nennt Roland Merx weitere Länder. Er sei ein umsichtiger und gewissenhafter Fahrer, charakterisiert ihn Junior-Reisechef Jens Zombik. Merx habe ihn auch motiviert, selbst die Qualifikation als Busfahrer zu erwerben. Ich saß bequem im Bus, während er mich durch die Gegend chauffierte, fügt Zombikscherzhaft an. Jetzt springt der Junior-Chef in Notfällen selbst ein. So erst vorige Woche bei der Fahrt in die Sommerfrische.
Ohne Fehl und Tadel meisterte Brauers Schwiegersohn die lange Strecke. 80 Prozent der Fahrgäste seien Rentner, weiß Zombik. Aber auch, dass die Reisefreudigkeit nachlässt. Die Euphorie, die Welt kennenzulernen, wäre nach der Wende gewaltig gewesen. Mittlerweile seien die Sehenswürdigkeiten zahlreicher Länder vielen Menschen aus den neuen Bundesländern bekannt, manche Senioren selbst mobil unterwegs, leider auch viele aus ehemaligen Reisegesellschaften schon gestorben.
Die Fahrt in den Urlaub mit dem Bus ist dennoch ungebrochen beliebt. Wie in einer großen Familie sei da das Reisen, beobachtet Roland Merx. Man lerne sich schnell kennen, schließe Bekanntschaften, brauche sich im Gegensatz zu Flugreisenden auch nicht um die Abfertigung seines Gepäcks kümmern. Das erledige alles der Fahrer. Besonders gern werden bei Brauer die Fahrten ins Blaue gebucht.
Kurt Frank
Autor: nnzSeit 20 Jahren ist Roland Merx mit dem Reisebus unterwegs. Oft sind ferne Länder das Ziel. Foto: Kurt Frank
Roland Merx kennt nicht nur Italien: Rom, Pompeji, die Spanische Treppe, das Colosseum, Capri und die schönste Straße der Welt, eine Fahrt entlang der Amalfi-Küste. Alle Ziele, die er ansteuert, seien eine Reise wert: Paris mit dem Eiffelturm, die Kaiserstadt Wien, die Dolomiten, der Bodensee, Prag mit all den Sehenswürdigkeiten, die Masuren, die verführerische Atmosphäre von Budapest. Kaum ein europäisches Land, das er nicht bereist hätte. Im Vorjahr registrierte er 75 000 Kilometer auf dem Tacho. Um die 5000 Personen waren ihm da anvertraut. Abertausende Fahrgäste in den letzten zwei Jahrzehnten. Bis zum heutigen Tag brachte Merx über 1,5 Millionen Kilometer unter die Räder seiner Reisebusse.
Sechs davon steuerte er bislang durch Europa. Eine Lieblingsstrecke habe er nicht. Überall sei es schön. Erst dieser Tage führte eine Fahrt unter anderem in den Teutoburger Wald. Staunend und ehrfürchtig stand die Reisegesellschaft vor dem Hermannsdenkmal. Trotzig streckt der Cherusker das sieben Meter lange Schwert in die Höhe. Morgen schwingt sich der 43-Jährige erneut hinter das Lenkrad und steuert die Beneluxstaaten an.
An einem Sonntag im August des Jahres 1991 bestieg der gelernte Zimmermann Roland Merx, der schon als 18-Jähriger im damaligen VEB Kraftverkehr seinen Berechtigungsschein erwarb, erstmals einen Reisebus des Brauer-Unternehmens. Einen Doppeldecker. Die Costa Brava war sein erstes Ziel. Je weiter der Kirchturm, je schöner die Strecke, meint der Fahrer. Bis nach Marokko und an die Sahara lenkte er den Bus. Das sind 4000 Kilometer bis zum Ziel. Noch weiter als bis zum Nordkap.
Hat da nicht Geschäftsführer Jürgen Brauer Recht, wenn er meint, seine Fahrer hätten schon im Dienst Urlaub in den schönsten Ländern der Welt? Jeder wisse um den Scherz des Chefs, entgegnet Roland Merx. In gewisser Weise habe Brauer aber Recht. Der wisse aber auch um die verantwortungsvolle Arbeit seiner Fahrer. Und schätze sie.
Schon eine Sekunde Unaufmerksamkeit könne großes Unheil bewirken. Auch enge Straßen in vielen Städten Europas erforderten hohe Konzentration und fahrerisches Können, um nicht an einer Hausecke hängen zu bleiben. Das Navigationsgerät sei zwar bei Fernfahrten eine große Hilfe, der Auto-Atlas dennoch unentbehrlich, versichert Merx. Freud und Leid habe er als Busfahrer in all den Jahren erlebt. Nur noch keine Geburt an Bord. Das wünsche er sich auch nicht unbedingt, wisse aber in diesem Fall zu helfen. Schließlich habe er zwölf Monate Zivildienst in einem Krankenhaus geleistet. Besonders stolz kann der 43-Jährige darauf sein, in den zwei Jahrzehnten nie selbst einen Unfall verschuldet zu haben. In Norwegen hat ihm einmal ein Pkw-Fahrer die Vorfahrt genommen. Während dessen Insassen medizinisch behandelt werden mussten, setzten wir mach zweistündiger Unterbrechung die Reise fort, erinnert sich Merx.
Das Schöne befinde sich im eigenem Land, ist Roland Merx überzeugt. Sehenswürdigkeiten und Ferienparadiese in Deutschland stünden auch mit Abstand an erster Stelle der Buchungen der Reiselustigen. Beliebt seien auch Italien, Österreich, die Schweiz und Spanien, nennt Roland Merx weitere Länder. Er sei ein umsichtiger und gewissenhafter Fahrer, charakterisiert ihn Junior-Reisechef Jens Zombik. Merx habe ihn auch motiviert, selbst die Qualifikation als Busfahrer zu erwerben. Ich saß bequem im Bus, während er mich durch die Gegend chauffierte, fügt Zombikscherzhaft an. Jetzt springt der Junior-Chef in Notfällen selbst ein. So erst vorige Woche bei der Fahrt in die Sommerfrische.
Ohne Fehl und Tadel meisterte Brauers Schwiegersohn die lange Strecke. 80 Prozent der Fahrgäste seien Rentner, weiß Zombik. Aber auch, dass die Reisefreudigkeit nachlässt. Die Euphorie, die Welt kennenzulernen, wäre nach der Wende gewaltig gewesen. Mittlerweile seien die Sehenswürdigkeiten zahlreicher Länder vielen Menschen aus den neuen Bundesländern bekannt, manche Senioren selbst mobil unterwegs, leider auch viele aus ehemaligen Reisegesellschaften schon gestorben.
Die Fahrt in den Urlaub mit dem Bus ist dennoch ungebrochen beliebt. Wie in einer großen Familie sei da das Reisen, beobachtet Roland Merx. Man lerne sich schnell kennen, schließe Bekanntschaften, brauche sich im Gegensatz zu Flugreisenden auch nicht um die Abfertigung seines Gepäcks kümmern. Das erledige alles der Fahrer. Besonders gern werden bei Brauer die Fahrten ins Blaue gebucht.
Kurt Frank

