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Bald geht's nach Süden

Donnerstag, 07. August 2003, 16:10 Uhr
Görsbach (nnz). Jedes Frühjahr schauen die Görsbacher neugierig zum Schornstein der ehemaligen Bäckerei hinauf und warten auf die Ankunft von Adebar. Jetzt sind die Jungvögel des Jahres 2003 schon fast erwachsen. nnz durfte sie besuchen.


Görsbacher Gäste Die Hitze macht alle fertig, Mensch und Tier. Störche können jedoch recht gut mit dem Wetter umgehen, sind sie doch aus ihren Überwinterungsgebieten Temperaturen über 40 Grad Celsius gewöhnt. Wasser und Nahrung müssen jedoch vorhanden sein. Andernorts trocknen Tümpel und Feuchtwiesen aus, so daß die Vögel nicht genug Frösche, Mäuse und Kriechtiere finden können, um ihre Jungen zu füttern. In Görsbach sind die zwei Jungtiere fast erwachsen. Sie sind kaum mehr von den Alttieren zu unterscheiden, die, wenn sie nicht gerade auf der Jagd sind, auf Hausdächern in der Umgebung Platz nehmen. Das Nest auf dem Schornstein der Bäckerei ist längst zu klein für die vier Tiere.

Mit einem Trick schützen sich die Vögel vor der Hitze. Die charakteristisch roten Storchenbeine sind bei den Temperaturen weiß überzogen, wie das ganze Nest. Der Kot dient der Wärmeregulierung wie bei uns Menschen das Schwitzen. Insgesamt brüteten im vergangenen Jahr 21 Storchenpaare im Freistaat Thüringen. Sie hatten 38 Jungvögel.

nnz-Fotos und Text: Wiethoff Die Zahl der Störche ist weiterhin rückläufig. Intensive Landwirtschaft, Trockenlegung von Feuchtwiesen, ungesicherte Hochspannungsleitungen und die Zersiedlung der Landschaft nehmen den stattlichen Vögeln die Lebensgrundlage. Kriege und Bevölkerungsunruhen in den Überwinterungsgebieten tun das Übrige.

Ob Adebar für ein Industriegebiet in der Goldenen Aue stimmen würde? Wahrscheinlich nicht, denn durch den Bau der Autobahn geht sein Lebensraum ebenfalls zurück. Ohne die Störche würde Görsbach etwas fehlen. Sie sind ohnehin ein inoffizielles Wahrzeichen des Ortes. Ende August oder Anfang September verlassen uns die Störche Richtung Süden. Bis sie sich im nächsten Jahr hoffentlich wieder in ihrem Nest auf dem Schornstein mitten im Dorf einfinden.
Autor: nnz

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