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Das Leben meint es gut mit den Dänen...

Freitag, 15. Juli 2011, 16:46 Uhr
...und mit denen, denen Dänen nahestehen. So sangen Vivi Bach und Dietmar Schönherr 1968 und wie es scheint, haben sie bis heute Recht. In der dänischen Bevölkerung ist scheinbar die Akzeptanz für den Beschluss der Regierung, wieder Zollkontrollen an den Grenzen zu Deutschland und Schweden einzuführen, wesentlich größer, als es die knappe Mehrheit von 5 Stimmen im Parlament vermuten lässt. Ein Erlebnisbericht von Jürgen Wiethoff...


Was merkt nun der normale Urlaubs- oder Geschäftsreisende von den Kontrollen? Bis zum 9. Juli ohren- und augenscheinlich nichts. Reisende über den Fährhafen Gedser berichteten, dass sie das Land unbehelligt betreten und verlassen konnten. Den Fährhafen Rödby konnten wir, wie immer nur kurz, selbst beobachten und auch hier gab es keine Veränderungen in der Abfertigung. Das hatten uns neu anreisende Urlauber auch für die Einreise bereits berichtet.

Dänemarks Minister für Integration, Sören Pind, hat also nicht zu viel versprochen, als er sagte: „Es wird keine Pass- oder Personenkontrollen geben.“ Was man erreichen will, ist die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität ausländischer Banden. Auch hofft man, den Flüchtlingsstrom aus anderen europäischen Ländern in den Griff zu bekommen.

Was die Kriminalitätsbekämpfung angeht, können wir die Dänen gut verstehen. Seit 1991 verbrachten wir die meiste Urlaubszeit in Dänemark. Fahrräder anschließen, Autos zuschließen für einen kurzen Gang ins Geschäft war überflüssige Mühe. Wenn einmal drei Urlauber sich zwei Ferienhausschlüssel teilen mussten, wurde das Haus eben offen gelassen, wenn man getrennte Wege ging. Alles ohne Probleme.

Seit etwa vier Jahren ist das anders. Zuerst hörten wir gesprächsweise, dass man nun gut auf seine Sachen aufpassen muss. Vor gut drei Jahren wurde dann – kurz vor unserem Urlaub – das Haus, dass wir seit acht Jahren immer mieten, brutal aufgebrochen und die sehr gute Stereoanlage und der neue Flachbild-TV gestohlen wurde. Vor zwei Jahren wurde während unserer Anwesenheit der Diebstahl von größeren Mengen Isoliermaterial vom in Bau befindlichen Nachbargrundstück nur durch einen aufmerksamen Hund verhindert. Die vor diesem flüchtenden Männer sahen zumindest nicht sonderlich dänisch aus. Im März diesen Jahres war das Haus auf dem Nachbargrundstück fertig und wurde das erste Mal für eine Woche vermietet.

Danach stand es zwei Tage leer, was genügte, dort zwei Fenster ebenfalls brutal aufzubrechen und die aufwändige Unterhaltungs- und Steuerelektronik zu stehlen und dabei viel Schaden anzurichten.

Das war der Bericht von zwei bzw. drei Wochen Urlaub/Jahr in einem Ferienhaus. Auch im Landesinneren wird offenbar geklaut, was das Zeug hält. Der Besitzer eines einsam liegenden Grundstückes in Maribo berichtete uns, dass das in etwa 500 m Entfernung stehende Grundstück seines „Nachbarn“ ebenfalls ausgeräumt wurde und er sich für seinen bevorstehenden Familienurlaub schon etwas einfallen lässt, um Ähnliches zu verhindern.

Hessens Europaminister Jörg-Uwe Hahn wird daher für die Empfehlung an seine Landsleute, lieber in Österreich oder Polen Urlaub zu machen, von der dänischen Bevölkerung verspottet. Dänen, die gut deutsch sprechen, haben da den einen oder anderen Spruch parat, den man in keiner deutschen Zeitung drucken könnte.

Wir sind für nächstes Jahr wieder mit unseren dänischen Freunden verabredet. In Dänemark. Und wir hoffen, dass bis dahin dort wieder alles „hyggelig“ ist. Das kann man einfach mit „gemütlich“ übersetzen, aber es kennzeichnet vor allem die dänische Lebensart.
Jürgen Wiethoff
Anmerkung der Redaktion:
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Autor: nnz

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