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Nordhäuser Theater darf keine "Heilige Kuh" sein

Donnerstag, 15. Februar 2001, 08:11 Uhr
Nordhausen (nnz). Das Zahlenwerk, das Kämmerin Karin Spieß gestern vortrug, scheint harmlos gegen das, was danach Tily Pape und Dr. Schröter (beide CDU) zu Gehör brachten. Tily Pape als Chefin des Finanzausschusses appellierte zwar zuerst noch an das Gewissen der Damen und Herren Stadträte, sehr sorgsam bei den künftigen Entscheidungen zum Haushalt umzugehen. Es müssten jedoch alle Zuschüsse der Stadt in Frage gestellt werden, keine Position dürfe außen vor gelassen werden, auch nicht die der Finanzierung des Theaters!
Da war sie plötzlich angebracht, die Zündschnur am TNT. Es dauerte lange, sehr lange ehe sie wieder ausgerollt wurde. Es dauerte eigentlich zu lange, um das Nordhäuser Theater aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Um die Theatermacher richtig munter zu machen, ging dann noch Dr. Manfred Schröter in die Stadtrats-Bütt. Es war sein Tag, trotz so später Stunde und plötzlich hörten alle zu:
Bereits vor Jahren hätte er angemahnt, die pauschale Finanzierung der städtischen Anteile von jährlich 4,3 Millionen Mark bis zum Jahr 2004 nicht festzuklopfen. "Es ist keinem Nordhäuser zu erklären, dass wir in diesem Jahr 15 Prozent an den kulturellen Zuwendungen in der Stadt und den Stadtteilen kürzen, dass wir die Zuschüsse für die Kindertagesstätten um 25 Prozent nach unten fahren, nur beim Theater soll alles so bleiben wie es war", rief der CDU-Mann aus. Nun kennen Insider der politischen Szene ja die prinzipielle Einstellung des Ex-Bürgermeisters zu den Theaterfinanzen, doch Unrecht hat der Mann nicht. Der sitzt nämlich auch im Aufsichtsrat der Theater GmbH, blickt wie kein anderer hinter die Kulissen, kennt die Arbeit in der Geschäftsleitung und kann sich einen Eindruck über den Umgang mit öffentlichen Geldern im Theater machen. Die Arbeit im Aufsichtsrat mache ihm deshalb auch "nicht sehr viel Freude". Das Theater ziehe sowieso nur einen kleinen Teil der Nordhäuser in seinen Bann, doch da werde munter weiter finanziert. Für die kulturellen Angebote des Großteils der Menschen der Rolandstadt allen Alters sei aber plötzlich weniger Geld da. Da müsse man ihm jemand erst einmal erklären.
Schröter hat Recht und seine Kritiker werden es in den kommenden Tagen und Wochen verdammt schwer haben, ihm stichhaltige Argumente entgegen zu setzen. Das Theater als sogenannter weicher Faktor der Wirtschaftsförderung - da lachen selbst die Spatzen vom Theaterdach und fragen, welches Unternehmen sich wegen dem Theater angesiedelt habe? Und schließlich, so war gestern schon zu hören, können einst gefasste Beschlüsse auch aufgehoben werden. Dazu gehört auch das Bekenntnis zur pauschalen Finanzierung des Musentempels in den nächsten Jahren. Niemand in Nordhausen, auch nicht der Stadtrat, will das Theater in seiner Existenz in Frage stellen. Doch es wird und es darf bei solch drastischen Einschnitten in allen Bereichen des öffentlichen Lebens nicht ausgenommen werden. Und da sollen sich die Damen und Herren in der theaterlichen Chefetage schon jetzt mal Gedanken machen, wie und wo sie den Rotstift ansetzen können. Das Vorspiel unter dem Motto "Das geht nicht!" sollte lieber gleich begraben werden, zu prekär ist in diesem und in den kommenden Jahren die Situation. Klar ist auch, dass da in Nordhausen und jenseits des Harzes die alten Konzepte von einer Fusion wieder aus den Schreibtischen geholt werden.
Autor: nnz

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