nnz-Exklusiv: Einmal muss Schluss sein
Mittwoch, 06. Juli 2011, 07:30 Uhr
Das hat gesessen. Joachim Claus (CDU) wird nicht für eine Landrats-Wahl im kommenden Jahr zur Verfügung stehen. Das hatte die nnz exklusiv gestern gemeldet. Wir haben bereits am Wochenende mit dem Landrat gesprochen...
nnz: Herr Claus, Sie wollen nicht noch einmal für den Posten des Landrates kandidieren. Warum nicht?
J. Claus: Ich habe mit meiner Familie, vor allem mit meiner Frau sehr lange über dieses Thema gesprochen und beraten. Gemeinsam haben wir versucht, alle Seiten, alle Facetten dieses Entschlusses und seiner Nachwirkungen zu beleuchten. Gemeinsames Fazit war dann: Nach mehr als 20 Jahren in der ersten Reihe und in Verantwortung muss auch mal Schluss sein. Man muss von politischer Verantwortung, die gleichzeitig auch einen Schuss Macht beinhaltet, auch einfach mal loslassen können.
nnz: Und was wird ab Mitte 2012?
J. Claus: Ich kann mir auch ein Arbeiten in der so genannten zweiten Reihe vorstellen. Um gleich allen Gerüchten den Wind aus den Segeln zu nehmen: Nicht in der Kreisverwaltung. Ich werde in diesem Jahr 50, da ist die Zeit gekommen, noch einmal einen Schnitt in der eigenen Arbeitsbiographie zu wagen. Angenommen, ich würde noch einmal antreten und der Wähler würde mir sein Vertrauen ein viertes Mal geben, dann wäre ich nach diesen sechs Jahren 56. Das ist zu jung, um in den Ruhestand zu gehen, man ist dann vielleicht aber auch zu alt, um noch einmal neu anzufangen. Und schließlich habe ich einen Beruf als Lehrer vor meinem Leben als Landrat gehabt. Die Gesetze der Mathematik und der Physik sind trotz eines Systemwechsels die gleichen. 3 plus 3 war im Sozialismus 6 und ist es auch heute noch.
nnz: Werden Sie mit Ihrer Familie die Region verlassen?
J. Claus: Das auf keinen Fall, wir sind hier in der Nordhäuser Region, in Bielen fest verwurzelt und das wird auch so bleiben.
nnz: Wer wusste noch von Ihrer Entscheidung und wie waren die Reaktionen?
J. Claus: Ich habe in der vergangenen Woche meine engsten Mitarbeiter informiert, habe Dr. Klaus Zeh als Kreisvorsitzenden und Egon Primas als Fraktionsvorsitzenden im Kreistag meinen Entschluss schriftlich mitgeteilt. Dr. Zeh äußerte nach einem Gespräch sein Bedauern, gleichzeitig zeigte er Verständnis.
nnz: Noch einmal zurück. Der jetzige Verzicht auf eine erneute Kandidatur in einer schweren finanziellen Situation sieht ein wenig wie Fahnenflucht aus...
J. Claus: Ich will es noch einmal klar sagen, die Familie war das Primäre bei dieser Entscheidung. Als Landrat ist man quasi 24 Stunden im Dienst, steht immer in der ersten Reihe. Das kann auf Dauer auch sehr anstrengend sein, bedeutet eben immer auch, auf Familie zu verzichten. Aber zugegebenermaßen: Es hat wahrlich schon bessere Zeiten zum Regieren im Kommunalen gegeben. Ich habe kein Verständnis dafür, dass unser Land seit Jahren Millionen Euro für einen Krieg in Afghanistan ausgibt, andererseits die Kommunen kaum noch existieren können. Noch schlimmer ist aber der Umstand, dass in diesem Krieg junge Deutsche ihr Leben lassen. Ich will es deutlich sagen: Wir haben in Afghanistan nichts verloren.
nnz: Das ist die große Politik. Und wie sieht es hier vor Ort aus?
J. Claus: Auch da gab es Licht und Schatten und natürlich mache Niederlage. Eine dieser Niederlagen ist das nicht Erreichen des Status einer Optionskommune. Da habe ich mit vielen Mitstreitern und auch dem gesamten Kreistag für dieses Ziel gekämpft und musste konstatieren, dass der Kampf vielleicht bereits verloren war, noch ehe er eigentlich begonnen hatte. Und ich persönlich kann mir als Verwaltungschef eine weitere gedeihliche Zusammenarbeit mit der Leitung der Arbeitsagentur hier in Nordhausen nur schwer vorstellen.
nnz: Bleiben Sie weiter Mitglied der CDU?
J. Claus: Warum nicht? Ich bin mit 18 Jahren bewusst in diese Partei eingetreten. Ich persönlich sehe keinen Grund, die CDU zu verlassen.
nnz: Herr Claus, vielen Dank für das Gespräch.
Autor: nnznnz: Herr Claus, Sie wollen nicht noch einmal für den Posten des Landrates kandidieren. Warum nicht?
J. Claus: Ich habe mit meiner Familie, vor allem mit meiner Frau sehr lange über dieses Thema gesprochen und beraten. Gemeinsam haben wir versucht, alle Seiten, alle Facetten dieses Entschlusses und seiner Nachwirkungen zu beleuchten. Gemeinsames Fazit war dann: Nach mehr als 20 Jahren in der ersten Reihe und in Verantwortung muss auch mal Schluss sein. Man muss von politischer Verantwortung, die gleichzeitig auch einen Schuss Macht beinhaltet, auch einfach mal loslassen können.
nnz: Und was wird ab Mitte 2012?
J. Claus: Ich kann mir auch ein Arbeiten in der so genannten zweiten Reihe vorstellen. Um gleich allen Gerüchten den Wind aus den Segeln zu nehmen: Nicht in der Kreisverwaltung. Ich werde in diesem Jahr 50, da ist die Zeit gekommen, noch einmal einen Schnitt in der eigenen Arbeitsbiographie zu wagen. Angenommen, ich würde noch einmal antreten und der Wähler würde mir sein Vertrauen ein viertes Mal geben, dann wäre ich nach diesen sechs Jahren 56. Das ist zu jung, um in den Ruhestand zu gehen, man ist dann vielleicht aber auch zu alt, um noch einmal neu anzufangen. Und schließlich habe ich einen Beruf als Lehrer vor meinem Leben als Landrat gehabt. Die Gesetze der Mathematik und der Physik sind trotz eines Systemwechsels die gleichen. 3 plus 3 war im Sozialismus 6 und ist es auch heute noch.
nnz: Werden Sie mit Ihrer Familie die Region verlassen?
J. Claus: Das auf keinen Fall, wir sind hier in der Nordhäuser Region, in Bielen fest verwurzelt und das wird auch so bleiben.
nnz: Wer wusste noch von Ihrer Entscheidung und wie waren die Reaktionen?
J. Claus: Ich habe in der vergangenen Woche meine engsten Mitarbeiter informiert, habe Dr. Klaus Zeh als Kreisvorsitzenden und Egon Primas als Fraktionsvorsitzenden im Kreistag meinen Entschluss schriftlich mitgeteilt. Dr. Zeh äußerte nach einem Gespräch sein Bedauern, gleichzeitig zeigte er Verständnis.
nnz: Noch einmal zurück. Der jetzige Verzicht auf eine erneute Kandidatur in einer schweren finanziellen Situation sieht ein wenig wie Fahnenflucht aus...
J. Claus: Ich will es noch einmal klar sagen, die Familie war das Primäre bei dieser Entscheidung. Als Landrat ist man quasi 24 Stunden im Dienst, steht immer in der ersten Reihe. Das kann auf Dauer auch sehr anstrengend sein, bedeutet eben immer auch, auf Familie zu verzichten. Aber zugegebenermaßen: Es hat wahrlich schon bessere Zeiten zum Regieren im Kommunalen gegeben. Ich habe kein Verständnis dafür, dass unser Land seit Jahren Millionen Euro für einen Krieg in Afghanistan ausgibt, andererseits die Kommunen kaum noch existieren können. Noch schlimmer ist aber der Umstand, dass in diesem Krieg junge Deutsche ihr Leben lassen. Ich will es deutlich sagen: Wir haben in Afghanistan nichts verloren.
nnz: Das ist die große Politik. Und wie sieht es hier vor Ort aus?
J. Claus: Auch da gab es Licht und Schatten und natürlich mache Niederlage. Eine dieser Niederlagen ist das nicht Erreichen des Status einer Optionskommune. Da habe ich mit vielen Mitstreitern und auch dem gesamten Kreistag für dieses Ziel gekämpft und musste konstatieren, dass der Kampf vielleicht bereits verloren war, noch ehe er eigentlich begonnen hatte. Und ich persönlich kann mir als Verwaltungschef eine weitere gedeihliche Zusammenarbeit mit der Leitung der Arbeitsagentur hier in Nordhausen nur schwer vorstellen.
nnz: Bleiben Sie weiter Mitglied der CDU?
J. Claus: Warum nicht? Ich bin mit 18 Jahren bewusst in diese Partei eingetreten. Ich persönlich sehe keinen Grund, die CDU zu verlassen.
nnz: Herr Claus, vielen Dank für das Gespräch.
