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Gelungener Auftakt

Samstag, 19. Juli 2003, 12:56 Uhr
Wir sind im Jahr der Bibel. Da ist es nahe liegend, dass für die Konzertreihe der Sondershäuser Sommerorgelkonzerte Stücke ausgewählt wurden, in denen die Komponisten Textstellen der Bibel vertont haben.


Zum Auftaktkonzert am Mittwoch Abend wurde daher „L’Ascension“ (Die Himmelfahrt) von Olivier Messiane gewählt. Keine leichte Publikumskost, aber musikalisch gesehen ein sehr interessantes Stück. Während die ersten beiden Sätze ein ehrfürchtiges und drängendes Bitten, aber auch ein erhellendes Charisma enthalten, teils meditativ, teils in genialen Dissonanzen und angedeuteter pentatonischer Minimalmusik, schließt sich der III. Satz mit Aufgewühltheit an.

Der Satz trägt die Bezeichnung „Die Seele erhebt sich mit Freude vor der Herrlichkeit Christi, an der auch sie teilhat“. Erhebung und Freude hörte man allerdings nur heraus, wenn man die exaltierte und abwärts gerichtete Bewegung der Melodie als Stimmung und nicht als Programmusik betrachtet. Eine quirlige, euphorische, ungeduldige Erhebung der Seele und die Freude auf Unbekanntes. Doch betrachtet man andere Werke des Künstlers, so stellt man fest, dass bei dem Pariser Organisten Messiane Musik und Inhalt fast nie in einem Verhältnis zueinander steht.

Der IV. Satz, mit der Überschrift „Gebet des zu seinem Vater aufsteigenden Christus“, könnte man da fast als eine Ausnahme sehen. Durch die hauchdünne, fast schwebende Streicher Registrierung entsteht der Eindruck von unwirklichen Stimmen aus dem Jenseits. Auch wirkt der Satz sehr zufrieden und ruhig, Bezug nehmend auf den bearbeiteten Text aus dem Johannesevangelium „Vater,... ich habe deinen Namen bezeugt bei den Menschen... Jetzt, da ich nicht mehr in der Welt bin, aber sie sind in der Welt, komme ich zu dir.“.

An der Orgel spielte Hans-Jürgen Freitag aus Ilmenau, der neben der „Himmelfahrt“ auch Werke von Bach, Brahms und César Franck zu Gehör brachte. Von letzterem war das „Prélude, Fugue et Variation op. 18“ zu erleben, dass durch seinen ruhigen, ausgeglichenen Verlauf bestach. Allerdings war es an wenigen Stellen vielleicht ungünstig disponiert, so dass das Thema sich so in die Nebenstimmen vermischte, dass es teilweise nicht mehr eindeutig und klar schattiert war. Trotz all dem war es wohl das schönste Werk an diesem Abend.

Am 30. Juli und 6. August werden um jeweils 20 Uhr in der Stadtkirche St. Trinitatis die Sommerorgelkonzerte weitergeführt. Unter anderen werden Werke von Nicolaus Bruhns, Johann Kuhnau, Johannes Matthias Michel (mit der 2003 komponierten „Cantiléne Nuptiale“ „Toccata jazzica“) und natürlich von Bach zu hören sein. Auch der Thüringer Orgelsommer wird am 23.7. zu Gast in Sondershausen sein mit einem Konzert für Orgel und neun Blechblasinstrumente.
Autor: nnz

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