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Künftig keine Wildtiere mehr im Zirkus?

Freitag, 18. Juli 2003, 13:38 Uhr
Nordhausen (nnz). Jeder der schon einmal einen Zirkus besucht hat kennt auch die Tiervorstellungen mit Bären und Elefanten. Wir haben uns daran erfreut.
Aber hat es auch den Tieren Spaß gemacht?


Das Bundesland Hessen wird im September eine Bundesratsinitiative starten: Affen, Elefanten und Bären sollen im Zirkus verboten werden.
„Eine artgerechte Haltung der genannten Tierarten ist unter den Bedingungen eines Zirkusses praktisch nicht möglich“, sagte Hessens Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU), „weil die Tiere einen Großteil ihres Lebens in engen Transportwagen verbringen …. Hiermit muss Schluss sein.“

Die Aktion Bärenhilfswerk e.V., die außerdem das Tierschutzprojekt Alternativer Bärenpark in Worbis errichtet hat, begrüßt diese Bundesratsinitiative.
„Es ist höchste Zeit, Veränderungen vorzunehmen“, so der Vorsitzende der Aktion Bärenhilfswerk e. V., Rüdiger Schmiedel. „In einem so hoch entwickelten Land wie Deutschland herrschen in Zirkussen und leider auch noch in einigen Zoos und Tierparks mittelalterliche Zustände.“

Immer wieder verwiesen die Tierschützer der Aktion Bärenhilfswerk e. V. darauf, dass die Zirkusleitlinien des Bundesministeriums von Leuten entwickelt worden sind, die sich keine Gedanken um die Ansprüche von Tieren machen.Auf wenigen Quadratmetern vegetieren die Tiere in viel zu kleinen Unterkünften und dürfen sich notfalls mit Autoreifen die Langeweile vertreiben.
In der Manege werden dann Kunststücke vorgeführt, die in keiner Weise dem Bewegungsdrang der Tiere entsprechen bzw. sogar zu Fehlbildungen des Bewegungsapparates führen. Dass die Tiere zudem Verhaltensstörungen zeigen, ignorieren Tierhalter und Gesetzgeber ebenfalls.`Den Tieren machen die Auftritte in der Manege Spaß`, ist immer wieder von Dompteuren zu hören. Dass die Tiere alsbald physisch und psychisch verschlissen sind, wird nicht öffentlich zugegeben. Solche Tiere werden ausgewechselt.

„Von unseren 12 Bären aus allesamt schlechten Haltungen stammen fünf Bären aus Zirkushaltung. Wir haben es noch nicht erlebt, dass auch nur EIN ehemaliger Zirkusbär in der großzügigen Freianlage (40 000 m2 Wald und Wiese) freiwillig und weil es ihm Spaß macht, Handstand macht. Immerhin ist das eine typische Dressur aus dem Zirkus“, so Schmiedel.
Übrigens, ein weiterer Zirkusbär, der vor der Übernahme nach Worbis viele Jahre auf nur 5 m2 vegetierte, musste wegen seines körperlichen Verschleißes, der ein normales und schmerzfreies Bärenleben unmöglich machte, eingeschläfert werden.Den ehemaligen Zirkusbären, die nun im Bärenpark leben, merkt man noch lange Zeit ihre Herkunft an. Kleine Trippelschritte, das Drehen im Kreis als Erinnerung an den kleinen Zirkuswagen sind nur einige „Mitbringsel“. Umso erfreulicher ist es, dass die Worbiser Bären nach und nach zu ihren natürlichen Instinkten zurückkehren und sich im Spätherbst sogar Höhlen für eine Winterruhe graben.

Bleibt zu hoffen, dass das positive Beispiel aus Hessen bundesweit Schule macht und ein Verbot von Zirkustieren so schnell wie möglich durchgesetzt und auch behördlicherseits kontrolliert wird.
Autor: cg

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