Vom Memelland nach Westen
Montag, 20. Juni 2011, 18:16 Uhr
Auf der Juni-Veranstaltung des Nordhäuser Geschichtsvereins sprach Eugen Meyer aus Ellrich über seine Erlebnisse auf der Flucht aus dem Memelland 1945. Die nnz war unter den Zuhörern.
Einen Großteil seiner Ausführungen widmete sich Meyer, der dort geboren wurde, der Geschichte des Memellandes.
Vor der Zugehörigkeit des späteren Memellandes zu einem Staat waren baltischen Stämme dort sesshaft. Nach der Eroberung durch den Schwertbrüderorden ab 1200 und dem Bau der Festung Memelburg bzw. der Stadt Memel ab 1250 durch den Deutschen Orden wurde das Memelland ab 1328 dem Ordensstaat zugeteilt. Im Vertrag von Melnosee erfolgte 1422 eine Grenzziehung zu Litauen, die 500 Jahre Bestand hatte.
Die Grenze zwischen dem ostpreußischen Landesteil um die Memel und Litauen blieb von 1422 bis 1920 weitgehend unverändert. Im Ersten Weltkrieg wurde unter deutscher Besatzung Litauen für unabhängig erklärt und im März 1918 vom Deutschen Reich anerkannt. Im Sommer 1919 wurde per Unterzeichnung des Vertrag von Versailles durch Festlegung der neuen Grenzen Ostpreußens das von nun an in Deutschland Memelland” genannte Gebiet ohne Abstimmung vom Deutschen Reich abgetrennt und dem Mandat des Völkerbundes unterstellt. Am 4. Oktober 1920 erhielt das Memelland unter einem französischen Präfekten einen eigenen Staatsrat. Die Abtrennung des Memellandes wurde mit dem dortigen litauischsprachigen Bevölkerungsteil begründet.
Ab 10. Januar 1923, gleichzeitig mit der Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich und Belgien, besetzten über 1.000 bewaffnete Litauer im Handstreich das Memelland und die Stadt Memel. Später per Schiff anreisende Truppen aus Frankreich und England traten angesichts der neuen Herrschaftsverhältnisse unverrichteter Dinge wieder die Heimreise an. Diplomatisch konnte Litauen glaubhaft machen, dass es sich um einen Aufstand örtlicher Kräfte handelte, die den Anschluss suchten, und dass nicht auf Befehl der litauischen Regierung gehandelt wurde. Am 19. Januar 1923 verließen die französischen Truppen und Verwaltungskräfte das Land. Am 16. Februar 1923 erkannte die Botschafterkonferenz die Angliederung des Memelgebietes an Litauen als Faktum an und übergab formell die Hoheit über das Gebiet an Litauen.
Am 22. März 1939 schloss die litauische Regierung mit dem Deutschen Reich einen Übergabevertrag. Im Oktober 1944 marschierte die Rote Armee in das Gebiet ein und das Memelland wurde Teil der Sowjetunion. Die deutschsprachigen Memelländer flohen größtenteils vor der Roten Armee.
Im Laufe des Jahres wurden Menschen aus Litauen angesiedelt. 1947 konnten die alteingesessenen Memelländer die sowjetische Staatsbürgerschaft erwerben, was ihnen zwar Rechte, nicht jedoch ihr altes Eigentum verschaffte.
Nach diesem ausführlichen Exkurs in die Historie berichtete Meyer über das entbehrungsreiche Leben seiner Familie von 1945 bis 1848 auf einer Stalinistischen Militärsowchose. Seine Mutter hatte den Zug nach Westen verpasst und musste mit der Oma einen Todesmarsch - drei Monate bei bis zu minus 30 Grad - durchstehen. Verpflegung gab es keine, Sterbende wurden einfach liegen gelassen. In Budwethen lernt sie ihren späteren Mann kennen. Sie heiraten am 24.12.1945, nur kirchlich, da es ein Standesamt nicht gab.
Es galt die Leninische Maxime galt: ‚Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen’. Frauen, Kinder und alte Menschen sind reihenweise verhungert. Ende September 48 mussten wir auf dem Bahnhof Ragnit antreten. Wohin es geht, wusste keiner. Die auf dem Bahnhof stehenden Russen meinten, dass es nach Sibirien geht. Aber glücklicherweise fuhren wir durch Ostpreußen nach Brandenburg, über die Zonengrenze nach Celle und Köln und von dort nach Ellrich. Wir sind über den damals noch existierenden Grenzübergang Walkenried - Ellrich gegangen, so Eugen Meyer.
Autor: rhEinen Großteil seiner Ausführungen widmete sich Meyer, der dort geboren wurde, der Geschichte des Memellandes.
Vor der Zugehörigkeit des späteren Memellandes zu einem Staat waren baltischen Stämme dort sesshaft. Nach der Eroberung durch den Schwertbrüderorden ab 1200 und dem Bau der Festung Memelburg bzw. der Stadt Memel ab 1250 durch den Deutschen Orden wurde das Memelland ab 1328 dem Ordensstaat zugeteilt. Im Vertrag von Melnosee erfolgte 1422 eine Grenzziehung zu Litauen, die 500 Jahre Bestand hatte.
Die Grenze zwischen dem ostpreußischen Landesteil um die Memel und Litauen blieb von 1422 bis 1920 weitgehend unverändert. Im Ersten Weltkrieg wurde unter deutscher Besatzung Litauen für unabhängig erklärt und im März 1918 vom Deutschen Reich anerkannt. Im Sommer 1919 wurde per Unterzeichnung des Vertrag von Versailles durch Festlegung der neuen Grenzen Ostpreußens das von nun an in Deutschland Memelland” genannte Gebiet ohne Abstimmung vom Deutschen Reich abgetrennt und dem Mandat des Völkerbundes unterstellt. Am 4. Oktober 1920 erhielt das Memelland unter einem französischen Präfekten einen eigenen Staatsrat. Die Abtrennung des Memellandes wurde mit dem dortigen litauischsprachigen Bevölkerungsteil begründet.
Ab 10. Januar 1923, gleichzeitig mit der Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich und Belgien, besetzten über 1.000 bewaffnete Litauer im Handstreich das Memelland und die Stadt Memel. Später per Schiff anreisende Truppen aus Frankreich und England traten angesichts der neuen Herrschaftsverhältnisse unverrichteter Dinge wieder die Heimreise an. Diplomatisch konnte Litauen glaubhaft machen, dass es sich um einen Aufstand örtlicher Kräfte handelte, die den Anschluss suchten, und dass nicht auf Befehl der litauischen Regierung gehandelt wurde. Am 19. Januar 1923 verließen die französischen Truppen und Verwaltungskräfte das Land. Am 16. Februar 1923 erkannte die Botschafterkonferenz die Angliederung des Memelgebietes an Litauen als Faktum an und übergab formell die Hoheit über das Gebiet an Litauen.
Am 22. März 1939 schloss die litauische Regierung mit dem Deutschen Reich einen Übergabevertrag. Im Oktober 1944 marschierte die Rote Armee in das Gebiet ein und das Memelland wurde Teil der Sowjetunion. Die deutschsprachigen Memelländer flohen größtenteils vor der Roten Armee.
Im Laufe des Jahres wurden Menschen aus Litauen angesiedelt. 1947 konnten die alteingesessenen Memelländer die sowjetische Staatsbürgerschaft erwerben, was ihnen zwar Rechte, nicht jedoch ihr altes Eigentum verschaffte.
Nach diesem ausführlichen Exkurs in die Historie berichtete Meyer über das entbehrungsreiche Leben seiner Familie von 1945 bis 1848 auf einer Stalinistischen Militärsowchose. Seine Mutter hatte den Zug nach Westen verpasst und musste mit der Oma einen Todesmarsch - drei Monate bei bis zu minus 30 Grad - durchstehen. Verpflegung gab es keine, Sterbende wurden einfach liegen gelassen. In Budwethen lernt sie ihren späteren Mann kennen. Sie heiraten am 24.12.1945, nur kirchlich, da es ein Standesamt nicht gab.
Es galt die Leninische Maxime galt: ‚Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen’. Frauen, Kinder und alte Menschen sind reihenweise verhungert. Ende September 48 mussten wir auf dem Bahnhof Ragnit antreten. Wohin es geht, wusste keiner. Die auf dem Bahnhof stehenden Russen meinten, dass es nach Sibirien geht. Aber glücklicherweise fuhren wir durch Ostpreußen nach Brandenburg, über die Zonengrenze nach Celle und Köln und von dort nach Ellrich. Wir sind über den damals noch existierenden Grenzübergang Walkenried - Ellrich gegangen, so Eugen Meyer.

