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Bekenntnis zu Förderzentren

Freitag, 10. Juni 2011, 09:27 Uhr
Für den langfristigen Erhalt der Förderschulen haben sich Loni Gründwald (LINKE), Beigeordnete des Landkreises Nordhausen und Stefan Nüßle, Kreis- und Landeselternsprecher der Förderzentren, ausgesprochen. Warum das notwendig ist, hat die nnz erfahren...


„Wir sind sehr froh darüber, dass wir diese Einrichtungen hier vor Ort haben“, so Loni Grünwald. Auf Landesebene sind die Förderzentren derzeit in der Diskussion, ihr Fortbestehen nicht unumstritten. Dem Gemeinsamen Unterricht in Grund- und weiterführenden Schulen wird schon jetzt Vorrang gegenüber Förderschulen eingeräumt. Schüler mit besonderem Förderbedarf sitzen dann in Klassen gemeinsam mit Kindern ohne einen solchen Förderbedarf und werden von Lehrern ohne sonderpädagogische Qualifizierung unterrichtet. Dies sei jedoch nicht bei allen Kindern der optimale Bildungsweg.

„Man muss immer jedes einzelne Kind betrachten. Es geht hier um das Kindeswohl – auch bei der Wahl der Schulart“, ist sich Loni Grünwald sicher. Damit schließt sie sich den Forderungen der Thüringer Landräte an, die sie kürzlich bei ihrer Konferenz formulierten. „Der Gemeinsame Unterricht kann die Arbeit der Förderschulen ergänzen, aber nicht ersetzen. … Die Thüringer Landrätinnen und Landräte fordern, das System der Förderschulen nicht zu gefährden“, heißt es da.

„Ein transparentes Entscheidungsverfahren über die Art und den Ort der sonderpädagogischen Förderung, das eine verpflichtende Beteiligung der Schulträger einschließt, ist zu regeln.“ Bislang sind die Schulträger nicht in die Entscheidung einbezogen, wo ein Kind am besten unterrichtet werden kann.

Ein Schwerpunktthema wird für den Landkreis auch weiterhin die inklusive Erziehung und Bildung gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention sein und keinesfalls sind Loni Grünwald und Stefan Nüßle gegen den gemeinsamen Unterricht. Für viele Kinder sei dies eine gute Alternative zum Förderzentrum – sofern das Land für eine ausreichende sonderpädagogische Zusatzbetreuung dieser Schüler sorge, was derzeit in der Regel nur für wenige Stunden in der Woche der Fall sei. Die Rahmenbedingungen für den Gemeinsamen Unterricht seien noch nicht ausreichend geschaffen.

„Die Beschulung im Gemeinsamen Unterricht, ohne das die personellen, räumlichen und sächlichen Voraussetzungen gegeben sind, entspricht weder dem Kindeswohl noch den Zielen der UN-Behindertenrechtskonvention“, meinen auch die Thüringer Landräte in ihrer Resolution. „Wir wollen ein Gesamtkonzept, das alle mitnimmt und keine Einzellösungen. Es müssen ganz klare Spielregeln festgelegt werden, wer welche Aufgaben und Kosten übernimmt“, meint Stefan Nüßle, der auch im Kreistag sitzt.

So ist beispielsweise der Landkreis dafür zuständig, Integrationshelfer bereitzustellen, die die Kinder im Gemeinsamen Unterricht unterstützen. Hier sieht die Landrätekonferenz den Freistaat in der Pflicht: „Für die Kosten, die für den zusätzlichen Sachaufwand und für die Integrationshelfer an den Schulen entstehen, ist ein verlässlicher Kostenausgleich durch das Land zu schaffen.“

Auch die jüngst im Kreistag beschlossene Schulnetzplanung für die kommenden fünf Jahre bekennt sich zu den drei Förderzentren, St. Martin für geistig behinderte Kinder, Johann Heinrich Pestalozzi, beide in Nordhausen, sowie Albert Schweitzer in Bleicherode, ebenso wie zu den Schulvorbereitenden Einrichtungen. Rund 400 Mädchen und Jungen werden im kommenden Schuljahr diese Förderzentren besuchen, den Gemeinsamen Unterricht rund 110 Schüler von der 1. bis zur 10. Klasse – also etwa jeder Dritte mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Tendenz steigend.

Trotz dieser Entwicklung will der Landkreis als Träger aller drei Förderzentren diese Schulform erhalten. „Im Förderschulbereich vollzieht sich gegenwärtig ein Paradigmenwechsel … Im Mittelpunkt dieser Entwicklung soll der Gemeinsame Unterricht … stehen … Daraus resultiert die Weiterentwicklung der Förderzentren zu sonderpädagogischen Kompetenz- und Beratungszentren. … Es wird davon ausgegangen, dass trotz verstärkter Integration, die Förderschulen mit eigenen Klassen auch zukünftig ein notwendiges Bildungsangebot darstellen werden“, steht im Schulentwicklungskonzept des Landkreises.

Diesem Weg folgen auch die Investitionen des Kreises: Gerade wird die größte Förderschule, Pestalozzi in Nordhausen, für rund 2,85 Millionen Euro umfassend saniert.
Autor: nnz

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