Das letzte Jahr
Mittwoch, 08. Juni 2011, 11:53 Uhr
Noch ein Jahr wird sie die Stadt Nordhausen verwalten - noch ein Jahr wird Zeit sein, Vorstellungen und Ideen umzusetzen. Viel Neues wird es nicht sein, dafür soll Begonnenes zu Ende gebracht werden - das letzte Arbeitsjahr von Barbara Rinke als Oberbürgermeisterin ist de facto angebrochen...
Rinke (Foto: P. Grabe)
Das Arbeitszimmer sieht aus wie immer. Es ist einfach eingerichtet. Der Schrank an der rechten Seite, ein Beratungstisch, der wie immer mit Unterlagen belegt ist, der Schreibtisch in der Ecke, zwischen den Fenstern. An einer Fensterseite die Luther-Statue. "Ich habe mir bereits vor einem Jahr im Urlaub aufgeschrieben, was ich in meinem letzten Dienstjahr alles noch erledigen will. Das ist so bei mir im Urlaub, da hat man den Kopf frei von den Dingen des Alltags", erzählt die Oberbürgermeisterin. Vor allem will Rinke eine finanzielle Klarheit, sie will gehen mit geordneten Finanzen. Jahresrechnungen nennen die Verwalter das.
Die Jahre 2008 und 2009 müssen noch geprüft werden, "und das so schnell wir möglich", dann auch das erste doppische Jahr 2010. Sie will dafür entlastet werden, vom Stadtrat. Reinen Tisch machen.
17 Jahre regiert Barbara Rinke nun. Sie hat Spuren hinterlassen. Viele ihrer Ideen konnten umgesetzt werden. Sie gab stets den Ton an - wie es sich gehört für eine direkt von den Nordhäusern gewählte Frau. Politik machen nennt man das. Dreimal trat sie in den Wahlring, dreimal gewann sie, zweimal davon in einer Stichwahl, 2006 im ersten Anlauf. Und ich würde jede Wette eingehen, könnte und würde Barbara Rinke im nächsten Jahr noch einmal kandidieren, sie würde wieder gewinnen.
Doch sie kann nicht noch einmal kandidieren. "Damit habe ich mich längst abgefunden, ich bereite mich quasi auf die Zeit danach vor". Noch in diesem Jahr soll mit dem Bau des Mehrzweckgebäudes hinter dem Rathaus begonnen werden, die Flohburg soll im kommenden Jahr eingeweiht werden, "ich will mir auch noch einmal das Quartier der Bäckerstraße vornehmen, will die Bürgerbeteiligung weiter voranbringen." So stellt sich Frau Rinke künftig vor, dass sich die Mitglieder der Fachausschüsse in einem Werkstattgespräch mit interessierten Bürgern treffen, diskutieren, Meinungen und Anregungen aufnehmen und dann im Ausschuss beraten. "Leider können Ausschüsse, die nicht beschließen, nur nichtöffentlich tagen, da gibt es Änderungsbedarf seitens der Thüringer Landesregierung."
Wird sie in ihrer Amtszeit noch den Baubeginn am Pferdemarkt erleben? "Stadtplanung hat auch immer was mit Hoffnung zu tun und ich bin mir sicher, da wird irgendwann irgendetwas gebaut werden wird. Noch hat der Investor eine Chance, noch läuft die Frist, die wir ihm gesetzt haben. Klappt das nicht, dann wird es einen harten Schnitt geben." Was sich die Oberbürgermeisterin überhaupt nicht auf dem Pferdemarkt vorstellen kann, das ist ein betonierter Parkplatz. Wohnungsbau ist problematisch, da auf diesem Areal erst vor Jahren Wohnungen mit Fördermitteln abgerissen wurden. Ein Kongress- und Veranstaltungszentrum geht auch nicht, zuviel Lärm in den Abend- und Nachtstunden bei Veranstaltungen.
"Es muss allen klar sein, eine Investition an dieser Stelle kann nur aus der privaten Hand kommen, die Kommune hat dafür kein Geld. Jetzt bald beginnen die Sanierungsarbeiten des letzten SWG-Blocks am Kornmarkt, schließlich ist das auch städtisches Geld."
Es gibt also noch viel zu tun, Langeweile wird nicht aufkommen. Und trotzdem: Es ist das letzte Jahr, was aus dem Hinterkopf nicht mehr zu verdrängen ist. "Vielleicht sieht man in dieser Situation auch vieles ein wenig entspannter", sagt Barbara Rinke und lächelt. Dann ruft schon wieder Frau Schütz, ihre langjährige Sekretärin, der nächste Gesprächstermin steht an Auch für Frau Schütz ist das letzte Dienstjahr angebrochen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz
Rinke (Foto: P. Grabe)
Das Arbeitszimmer sieht aus wie immer. Es ist einfach eingerichtet. Der Schrank an der rechten Seite, ein Beratungstisch, der wie immer mit Unterlagen belegt ist, der Schreibtisch in der Ecke, zwischen den Fenstern. An einer Fensterseite die Luther-Statue. "Ich habe mir bereits vor einem Jahr im Urlaub aufgeschrieben, was ich in meinem letzten Dienstjahr alles noch erledigen will. Das ist so bei mir im Urlaub, da hat man den Kopf frei von den Dingen des Alltags", erzählt die Oberbürgermeisterin. Vor allem will Rinke eine finanzielle Klarheit, sie will gehen mit geordneten Finanzen. Jahresrechnungen nennen die Verwalter das.Die Jahre 2008 und 2009 müssen noch geprüft werden, "und das so schnell wir möglich", dann auch das erste doppische Jahr 2010. Sie will dafür entlastet werden, vom Stadtrat. Reinen Tisch machen.
17 Jahre regiert Barbara Rinke nun. Sie hat Spuren hinterlassen. Viele ihrer Ideen konnten umgesetzt werden. Sie gab stets den Ton an - wie es sich gehört für eine direkt von den Nordhäusern gewählte Frau. Politik machen nennt man das. Dreimal trat sie in den Wahlring, dreimal gewann sie, zweimal davon in einer Stichwahl, 2006 im ersten Anlauf. Und ich würde jede Wette eingehen, könnte und würde Barbara Rinke im nächsten Jahr noch einmal kandidieren, sie würde wieder gewinnen.
Doch sie kann nicht noch einmal kandidieren. "Damit habe ich mich längst abgefunden, ich bereite mich quasi auf die Zeit danach vor". Noch in diesem Jahr soll mit dem Bau des Mehrzweckgebäudes hinter dem Rathaus begonnen werden, die Flohburg soll im kommenden Jahr eingeweiht werden, "ich will mir auch noch einmal das Quartier der Bäckerstraße vornehmen, will die Bürgerbeteiligung weiter voranbringen." So stellt sich Frau Rinke künftig vor, dass sich die Mitglieder der Fachausschüsse in einem Werkstattgespräch mit interessierten Bürgern treffen, diskutieren, Meinungen und Anregungen aufnehmen und dann im Ausschuss beraten. "Leider können Ausschüsse, die nicht beschließen, nur nichtöffentlich tagen, da gibt es Änderungsbedarf seitens der Thüringer Landesregierung."
Wird sie in ihrer Amtszeit noch den Baubeginn am Pferdemarkt erleben? "Stadtplanung hat auch immer was mit Hoffnung zu tun und ich bin mir sicher, da wird irgendwann irgendetwas gebaut werden wird. Noch hat der Investor eine Chance, noch läuft die Frist, die wir ihm gesetzt haben. Klappt das nicht, dann wird es einen harten Schnitt geben." Was sich die Oberbürgermeisterin überhaupt nicht auf dem Pferdemarkt vorstellen kann, das ist ein betonierter Parkplatz. Wohnungsbau ist problematisch, da auf diesem Areal erst vor Jahren Wohnungen mit Fördermitteln abgerissen wurden. Ein Kongress- und Veranstaltungszentrum geht auch nicht, zuviel Lärm in den Abend- und Nachtstunden bei Veranstaltungen.
"Es muss allen klar sein, eine Investition an dieser Stelle kann nur aus der privaten Hand kommen, die Kommune hat dafür kein Geld. Jetzt bald beginnen die Sanierungsarbeiten des letzten SWG-Blocks am Kornmarkt, schließlich ist das auch städtisches Geld."
Es gibt also noch viel zu tun, Langeweile wird nicht aufkommen. Und trotzdem: Es ist das letzte Jahr, was aus dem Hinterkopf nicht mehr zu verdrängen ist. "Vielleicht sieht man in dieser Situation auch vieles ein wenig entspannter", sagt Barbara Rinke und lächelt. Dann ruft schon wieder Frau Schütz, ihre langjährige Sekretärin, der nächste Gesprächstermin steht an Auch für Frau Schütz ist das letzte Dienstjahr angebrochen.
Peter-Stefan Greiner
