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Schulbummelei nimmt zu

Donnerstag, 10. Juli 2003, 19:37 Uhr
Nordhausen (nnz). Wieder ist ein Schuljahr zu Ende gegangen, so manche Bilanz ist positiv, aber auch mancher Wehrmutstropfen ist zu spüren, denn auch im Landkreis Nordhausen ist eine weitere Steigerung des Schulschwänzens zu verzeichnen. Die Details wie immer in Ihrer nnz.


Im Schuljahr 2002/2003 wurden 60 Fälle von Schulbummelei angezeigt, im Vorjahresschuljahr 50. Experten geben die Zahl der Schulverweigerer, die dem Unterricht in Deutschland über längere Zeit fern bleiben, mit 70.000 bis 100.000 an. Die Zahlen können nur geschätzt werden, da mit dem Begriff des Schulschwänzens sehr unterschiedlich umgegangen wird. Dabei ist ein neuer Trend zu verzeichnen, denn die Anzahl der Schulschwänzer im Regelschulbereich, das heißt bei den Haupt- und Realschülern, ist deutlich angestiegen. Spitzenreiter ist aber nach wie vor mit 48 Prozent aller Fälle das Berufsvorbereitungsjahr der Berufsbildenden Schulen.

Man kann jedoch nicht ausschließlich die Schulform als Ursache für Schulbummelei sehen, denn die Zahlen hängen auch ganz deutlich vom Anzeigeverhalten der Schulen ab. In den Berufsbildenden Schulen gibt es ausgebildete Sozialarbeiter, die sich dem Problem der Schulbummelei intensiv widmen.

Beunruhigend ist, dass die Anzahl der Totalverweigerer stetig zunimmt, so dass auch das Ordnungsamt immer mehr damit zu tun hat. Diese Schüler besuchten mindestens seit zwei Jahren nicht mehr die Schule und betraten das Schulgebäude erst wieder, nachdem sie im Rahmen einer zwangsweisen Zuführung in Zusammenarbeit mit der Polizeiinspektion Nordhausen zum Unterricht gebracht wurden.

Im zurückliegenden Schuljahr wurde durch die Schulen vermehrt auf das Mittel der zwangsweisen Zuführung zur Schule zurückgegriffen, weil in vielen Fällen Maßnahmen der Schulen, wie Hausbesuche, Mitteilungen an die Eltern und die eingeleiteten Ordnungswidrigkeitenverfahren zunächst keinen Erfolg hatten. Die Schulen erhoffen sich mit der Zuführung nicht nur eine erzieherische Wirkung bei dem Schulbummelanten, sondern auch einen präventiven Effekt im Hinblick auf andere Schüler.

Das Landratsamt Nordhausen dankt der Polizeiinspektion Nordhausen für die geleistete Amtshilfe im vergangenen Schuljahr. Insbesondere wird das Engagement der Jugendsachbearbeiterin der Polizeiinspektion Nordhausen, Polizeimeisterin Tina Schulze mit ihren Kollegen in Nordhausen und Bleicherode, positiv eingeschätzt, so Sandra Fredrich, Kreisoberinspektorin im Ordnungsamt des Landratsamtes, die seit Jahren mit dem Problem der Schulbummelei beschäftigt ist.

Die ansteigende Zahl der Schulschwänzer bedeutet nicht nur für die betroffenen Schulen einen erheblichen Mehraufwand, sondern auch für die Verwaltungsbehörde. Hier sind es das Jugendamt, das Ordnungsamt sowie das Amtsgericht. Das Landratsamt reagierte mit einer Umverteilung der Arbeitsaufgaben, wodurch ein zusätzlicher Mitarbeiter sich neben anderen Aufgaben der Bußgeldstelle intensiv dem Problem der Schulbummelei widmet.

Als Ergebnis der durchgeführten Ordnungswidrigkeitenverfahren erhalten in den nächsten Tagen viele Schulschwänzer einen Bußgeldbescheid, wenn sie das 14. Lebensjahr vollendet haben. In den Ferien müssen sie dann nach der Umwandlung der Geldbuße in Arbeitsleistungen durch das Amtsgericht gemeinnützige Arbeit leisten.

Auch Eltern müssen mit einem Bußgeld bis zu 10 Euro pro Fehltag rechnen, da sie ihrer Verpflichtung, dafür Sorge zu tragen, dass ihr Kind regelmäßig die Schule besucht, nicht ausreichend nachgekommen sind. Leider ist die Unterstützung der Eltern in den wenigsten Fällen erkennbar. Zu viele sind überfordert oder aber, sie bagatellisieren die Schulbummelei sogar.

In den kommenden Wochen wird die Zusammenarbeit zwischen dem Jugendamt, dem Staatlichen Schulamt Worbis und dem Ordnungsamt weiter intensiviert. Ziel ist es, eine gemeinsame Handlungsempfehlung für alle Schulen zu erarbeiten. Die Durchführung der Ordnungswidrigkeitenverfahren mit allen Maßnahmen, zum Beispiel das Führen einer Anwesenheitskontrollkarte und regelmäßige Vorladungen bei der Verwaltungsbehörde, bewirkt jedoch auch so manches Mal ein Umdenken und bereits die Androhung von hohen Bußgeldern oder Arbeitsstunden lässt die Schüler wieder die Schule besuchen.
Autor: nnz

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