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Horror-Szenario in Sollstedt

Dienstag, 08. Juli 2003, 08:24 Uhr
Sollstedt (nnz). Die Sollstedter Regelschule steht möglicherweise vor dem Aus. So sehen es zumindest die Mitglieder der Fördervereins der Schule. Sie darüber hinaus sehr informiert zu sein, wie nnz zu berichten weiß.


„In Zusammenarbeit mit den Lehrern und Elternsprechern wurden seit Oktober 2002 viele bauliche und sicherheitstechnische Mängel im Bereich der Schule und des Sportplatzes bei den zuständigen Stellen angezeigt. Bei Gesprächen mit den zuständigen Mitarbeitern unseres Schulträgers mussten wir erfahren, dass die erforderlichen Sanierungen sehr stark abhängig gemacht werden von der weiteren Schulentwicklung in Sollstedt, welche demnächst im Rahmen der Schulnetzplanung vorgesehen wird, d. h. es wird nur so saniert wie für die künftige Nutzung nötig! Somit konnten uns auch nie Termine zugesagt werden“, beklagt Steffen Paul, der Vorsitzende des Fördervereins und hat eine dunkle Ahnung.

Dabei soll immer deutlicher zum Ausdruck gekommen sein, dass das Schulverwaltungsamt des Landkreises Nordhausen in einem Mehrstufenplan die Regelschule schließen will! Dies könnte nach Informationen des Fördervereins folgendermaßen geplant sein:

Alle Grundschüler von Sollstedt sollen zeitweise (für ca. 2 – 3 Jahre) die Schule in Niedergebra besuchen. Alle Regelschüler von Bleicherode besuchen ca. 1 Jahr lang die Regelschule in Sollstedt. In dieser Zeit erfolgt die Sanierung der kompletten Regelschule in Bleicherode. Nach Beendigung der Regelschulsanierung von Bleicherode sollen alle Regelschüler von Sollstedt und Bleicherode diese Schule besuchen.
Dann wird die Sollstedter Regelschule saniert und zu einer Grundschule umfunktioniert. Nach Beendigung der Schulsanierung von Sollstedt sollen alle Grundschüler von Gebra und Sollstedt diese Schule besuchen. Begründet wird die Erfordernis mit den ständig rückläufigen Schülerzahlen. (Bezüglich der Kosten für zwei Schulkomplettsanierungen in zwei Jahren der Machbarkeit und der Zeitplanung sind nur ungefähre Aussagen getroffen worden!)

„Diesen Vorschlag wird das Schulverwaltungsamt noch in diesem Sommer dem Schul- und Bildungsausschuss des Nordhäuser Kreistages vorlegen, welcher für die Kreistagssitzung im September einen Entwurf als 1. Lesung erarbeiten wird. Erfahrungsgemäß ist es dann zu spät bzw. sehr schwer, noch Änderungen herbeizuführen“, ist sich der Vereinsvorsitzende sicher und fordert die Eltern auf, ihren Protest, wie im Falle „Petersdorf“ zu artikulieren. Ansprechpartner seien alle Kreistagsmitglieder der unterschiedlichsten Fraktionen, der Schul- und Bildungsausschuss des Kreistages, das Schulverwaltungsamt Nordhausen sowie Landrat Joachim Claus (CDEU) persönlich.

Steffen Paul gibt den Eltern dann auch gleich eine „Marschrichtung“ vor: „In Ihre Gedanken über eine eventuelle Schließung der Regelschule sollten Sie mit einbeziehen, dass eine große Regelschule in Bleicherode die Anonymität und deshalb wahrscheinlich auch die Kriminalität verstärken würde, wobei für mich dabei Drogenkriminalität, wie in vielen Städten bereits üblich, an erster Stelle steht. Das „Fehlen“ einer Regelschule in Sollstedt könnte in der Zukunft auch dazu führen, dass noch mehr junge Leute und Familien abwandern, dass der Schulschwimmunterricht dann eventuell in Nordhausen durchgeführt wird und somit die Schwimmhalle schließen muss“. Und es kommt noch schlimmer: Eines Tages könnte eventuell sogar die verwaltungstechnische Eigenständigkeit der Gemeinde zur Diskussion stehen, wird befürchtet.

Von der Regelschule Sollstedt wurden bereits Anstrengungen unternommen, um an einem Thüringer Pilotprojekt „Gemeinsame Bildung in der Regelschule bis Klasse 8“ teilnehmen zu können. Außerdem sollen den Schülern ganztägige Bildungsangebote unterbreitet werden, wobei der Förderverein die Schule unterstützen wird. Eine Zusammenarbeit mit den anderen Vereinen aus Sollstedt, Wülfingerode und Rehungen wäre dabei wünschenswert.
Interessierte Eltern, Großeltern und Bürger, welche den Förderverein bei der weiteren Arbeit unterstützen möchten, sind gern gesehen und können sich bei Steffen Paul oder in der Schule Sollstedt (Tel.: 036338/60050) melden.
Autor: nnz

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