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Welches Nordhäuser Gymnasium muß schließen?

Freitag, 09. Februar 2001, 14:08 Uhr
Nordhausen (nnz). Zuerst sind die Grund- und Regelschulen betroffen, dann die Gymnasien. Weniger Schülerzahlen ziehen sich kurz- und mittelfristig durch das gesamte Schulleben wie ein roter Faden. An diesem hängen nicht nur die Existenzen der Grund- und Regelschulen, sondern in einigen Jahren auch die der Gymnasien. Klar, daß es in den Verwaltungen, die Träger der jeweiligen Schulformen sind, auch entsprechende Planungen gibt. In der Schulverwaltung des Landkreises Nordhausen liegt bereits seit einiger Zeit ein Papierchen in den Schubladen, daß ab der nächsten Woche für viel Zündstoff sorgen könnte. Und da soll, so die Informationen der nnz, schwarz auf weiß stehen: Ab 2004 soll das Humboldt-Gymnasium aufgegeben werden. Heißt nichts anderes als Schließung der Bildungseinrichtung. nnz hat nachgefragt, mehr als Andeutungen wurden leider nicht gemacht.
"Die Halbierung der Schüler im Grundschulbereich wird dazu führen, dass maximal zwei Gymnasien überleben können", sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Matthias Jendricke der nnz. Falls das Land Thüringen sogar noch die Zugangskriterien für die Abiturausbildung verschärfen würde, könnte sogar nur ein Gymnasium bestehen bleiben. Schulpolitiker halten einen solchen Schritt deshalb für notwendig, weil man das "Ausbluten" der Regelschulen verhindern sollte, zwischen den Zeilen war das auch in dem Offenen Brief der Kreiselternsprecher der Regelschulen des Landkreises zu lesen.
Laut Jendricke werden zur Zeit ohne gründliche Standortanalyse seitens der Schulverwaltung im Landratsamt zwei Standorte favorisiert, dies ist zum einen das rekonstruierte Herder-Gymnasium in Nordhausen sowie das Gymnasium in Bleicherode. Den Standort Bleicherode will die Kreisverwaltung durch die Hintertür mit dem Bau der neuen Dreifelder-Sporthalle für neun Millionen DM dauerhaft festlegen. Da die Stadt Nordhausen allein ein Gymnasium mit Schülern aus dem Stadtgebiet füllen kann, würde dies bedeuten, dass alle anderen Schüler aus dem Landkreis nach Bleicherode müßten. Also auch jene aus dem Südharzbereich, die aus der Goldenen Aue sowie auch solche aus Werther oder anderer Gemeinden, die eigentlich viel schneller nach Nordhausen kämen. "Ich halte diese Planungen für unanständig gegenüber den Schülern und habe dies auch dem Landrat im letzten Finanzausschuß vorgehalten. Die Verwaltung will allerdings erst im nächsten Kreistag darüber Auskunft geben", erklärte Jendricke.
Zwar wäre der Standortverlust für Bleicherode ein weiterer negativer Schlag für diese Region, doch sei es Schülern sicher nicht zuzumuten, z.B. aus Ilfeld oder Heringen kommend, erst nach Nordhausen zu fahren - am dortigen Gymnasium vorbei und dann weiter nach Bleicherode. Auch im Hinblick auf die Kosten beim Schülertransport scheine dieses Konzept höchst zweifelhaft, da der ÖPNV von Bus und Bahn stark auf die Kreisstadt ausgerichtet ist und so für Bleicherode zusätzliche Schülerbuslinien eingerichtet werden müßten. Schlimmer würde es unter diesen Umständen sogar noch die Schüler der 11. und 12. Klassen treffen, diese müssen ihre Fahrten nämlich auch noch selber bezahlen. "Bevor wir weitere Gelder für diese große Halle in Bleicherode ausgeben, möchte ich endlich mal eine faire Standortanalyse sehen, bisher ist der Landrat den Fragen immer nur ausgewichen", meinte Jendricke. Sicher ist für Bleicherode dennoch ein Neubau einer Turnhalle, da es auch um die Verbesserung des Sportunterrichts der Regelschule gehe, nur die Größe stehe also zur Diskussion.
In anderen Nordthüringer Landkreisen ist man in der Planung in Sachen Gymnasien weiter und weitaus offener. So soll im Unstrut-Hainich-Kreis von den derzeit sieben gymnasialen Standorten mindestens einer aufgegeben werden. Im Jahr 2005 werden dann in diesem Nordthüringer Landkreis die Karten erneut gemischt. Übrigens stimmt der Kreistag darüber bereits im März ab.
Autor: nnz

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