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Gemeinsam statt einsam

Donnerstag, 19. Mai 2011, 11:24 Uhr
Die kommende Sitzung des Nordhäuser Kreistages dürfte recht spannend werden. Vor allem aus Sicht der Freiwilligen Feuerwehren. Einige Stützpunktfeuerwehren müssen ihren Status wohl abgeben...


Momentan sind es neun Stützpunktfeuerwehren im Landkreis Nordhausen. Kein anderer Landkreis in Nordthüringen leistet sich diesen Luxus, dabei ist der unsrige der einzige, der im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrtausends seine Größe behielt und dadurch nun der von der Fläche her kleinste ist. Nach unendlich langen Diskussionen zwischen den Experten des örtlichen und überörtlichen Brandschutzes könnte es möglich sein, dass den Mitgliedern des Kreistages am 31. Mai ein Konzept vorgelegt wird, das nur noch drei Stützpunktfeuerwehren vorsieht (siehe auch hier).

Das Papier wird streng bewacht, sowohl von der Kreis- als auch von der Stadtverwaltung. Aber: Es gibt da 46 Mitglieder des Kreistages, die irgendwie natürlich irgendwo beheimatet sind und einst, im Jahr 2009, von ihren Bürgern gewählt wurden. Und so beginnt das Geschacher um Tanker, Drehleiter oder Mannschaftswagen, schließlich werden einige Feuerwehren nicht mehr für den überörtlichen, sondern lediglich für den innerörtlichen Brandschutz zuständig sein. Das schmerzt.

Und so könnte die Feuerwehr-Vision der kommenden Jahre aussehen: Es gibt mit Nordhausen, Ellrich und Bleicherode drei Stützunktfeuerwehren. Punkt. Aus. Die Ausweichvarianten Heringen und Niedersachswerfen könnten vom Tisch sein. Das ist die kostenfreie Papier-Vision. Jetzt kommt dazu die finanzielle Seite: Für jede der drei Stützpuntfeuerwehren müssen vier Fahrzeuge angeschafft werden - eine Drehleiter, ein Fahrzeug für den Chef, ein Tanker und ein technisches Fahrzeug. Das sind zusammen mal so rund knapp 1,5 Millionen Euro, für einen Stützpunkt. Multipliziert mit drei kommen knapp fünf Millionen Euro zusammen. Rechnet man zwei Spezialfahrzeuge hinzu, dann klettert die Summe auf fast sieben Millionen Euro. Stand der Preise: Mitte 2011. Da sind noch nicht einmal die Kosten für die Stellplätze reingerechnet.

Klar, dass einige Wehren nun richtig sauer sind, diesen Unmut auch inoffiziell kund tun, bei denen, die sie in den Kreistag gewählt haben. Da wird genau auf Listen geschaut und entdeckt werden Fahrzeuge, die eigentlich nicht gebraucht werden, die aber trotzdem angeschafft werden sollen. Hier ein Fahrzeug für Großwechsungen, da ein Fahrzeug für Liebenrode, vielleicht noch eines für Wolkramshausen.

Nur gut, dass am 31. Mai lediglich die erste Lesung dieses Stützpunktkonzeptes erfolgt, vermutlich würde die Sitzung des Kreistages bis in die Nachtstunden hinein andauern. Eines steht jedoch jetzt schon fest: Egal, ob eine Drehleiter künftig in Sophienhof und ein Großtanker in Etzelsrode stationiert wird, das alles kostet Geld, viel Geld. Und da kann man durchaus gespannt sein, wie das der Landkreis Nordhausen, der kurz vor der Zahlungsunfähigkeit zu stehen scheint, bezahlen will? Trotz Fördermittel.

Denn selbst in den Jahren, als es unserem kleinen Landkreis noch relativ gut ging, wurde für Brandschutztechnik sehr wenig bezahlt, denn sonst müssten jetzt nicht in Summe 18 Fahrzeuge beschafft werden. Aber vielleicht bekommt die man am Markt wieder so günstig, wie die Drehleiter für Ellrich für 75.000 Euro, die jedoch 20 Jahre auf den Sprossen hat.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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