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Die Mystik der Weiber

Mittwoch, 02. Juli 2003, 10:36 Uhr
Nordhausen (nnz). Kennen Sie sich mit mystischen Frauen aus? Wenn nicht, dann sollten Sie unbedingt auf das bekannt MEHR klicken. Da erfahren Sie alles über eine Kultur, die eigentlich fremd und bekannt gleichermaßen ist. Denn die Mystik der Frauen ist keine Frage von gestern oder heute – oder?


Antje Finkenwirth Die Mitglieder des Fördervereins „Dichterstätte Sarah Kirsch“ bieten auch im 2. Halbjahr 2003 acht Veranstaltungen sehr unterschiedlicher Art an. Der Auftakt ist am Samstag, dem 19. Juli 2003, um 17.00 Uhr in der evangelischen Dorfkirche in Limlingerode. In einem musikalisch-literarischen Programm geht es dieses Mal um Dichterinnen und Komponistinnen des Mittelalters.

Frauen wurden in der Minnekultur des europäischen Mittelalters geliebt, verehrt, zart oder leidenschaftliche umworben und in zahlreichen Liedern und Versen bedichtet und besungen oder ihnen wurde in Bildern gehuldigt. Allzu oft erscheinen sie selbst dabei aber lediglich als schweigsame Zierde ihres Geschlechtes. Dass die sich künstlerisch äußernde Frau im Mittelalter jedoch keine Ausnahme war, bezeugen Namen und Texte, die uns von Dichterinnen und gelehrten Frauen im Umfeld von Damenstiften, Nonnenklöstern und Musenhöfen überliefert sind. Dabei werden in verblüffender Offenheit erotische Details und Wunschvorstellungen geäußert. Die bekannteste Minnesängerin ist die Comtessa Beatrice de Dia, von der auch eine notierte Komposition erhalten blieb.

Ulrike Müller Da in dieser Zeit die geistliche, weltliche und musische Sphäre weit inniger miteinander verflochten war als dies heute der Fall ist, finden wir in der höfischen Dichtkunst entsprechend vielfältige religiöse Bezüge zur Minne und in den geistlichen Texten auch Elemente der weltlichen Minnedichtung. Das gilt für die erste deutsche Dichterin Roswitha von Gandersheim ebenso wie für die Mystikerin Hildegard von Bingen oder die berühmte französische Schriftstellerin Christine de Pizan, aus deren Werken rezitiert wird.

Zu Gehör kommen außerdem Lieder und Texte von Künstlerinnen, die heute zum Teil nicht einmal mehr namentlich bekannt sind: Frauenstrophen aus dem deutschen, Marienkompositionen aus dem altprovenzalischen Sprachraum und Texte aus der Beginenbewegung. Antje Finkenwirth (Berlin), Gesang, Rezitation und Ulrike Müller (Weimar), Rezitation (Orgelcontinuo) bringen mit ihrem Programm ein Stück vergessener Kulturgeschichte in die Gegenwart und laden ein, Bildsprache und Klangkraft dieser fernen Zeit hörend zu genießen.

Da in der Dichterstätte, Lange Reihe 11, zur Zeit die farbigen Holzschnitte der Künstlerin Petra Albrecht aus Weimar zur Lyrik Sarah Kirschs gezeigt werden, ist das Haus von 15.45 Uhr bis 16.45 Uhr geöffnet.
Autor: nnz

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