nnz-Forum: Goodbye, Albert Kuntz!
Dienstag, 01. Juli 2003, 17:40 Uhr
Nordhausen (nnz). Wie weiter mit dem Kuntz-Gedenkstein? Der Nordhäuser Stadtrat hat dazu entschieden. Dazu eine Anmerkung des nnz-Lesers Hans-Georg Backhaus.
Ein Stück Nordhäuser Geschichte, ein Stück Gedenken und Erinnern wird in ein Museum verbannt. So jedenfalls will es das Stadtparlament von Nordhausen. Oder noch etwas präziser: 16 Stadträte wollen das. Die Rede ist vom Albert-Kuntz-Gedenkstein. Im Zuge der Bahnhofsplatzumgestaltung war er vor etwa anderthalb Jahren von seinem angestammten Platz entfernt worden und darf nun nicht wieder dorthin zurückkehren.
Um es gleich vorweg zu sagen: Als demokratisch gesinnter Bürger respektiere ich die Mehrheitsentscheidung des Stadtrates. Doch die Argumente, die da ins Feld geführt wurden, damit der Stein nicht wieder dorthin kommt, wo er seinen historischen Platz hat, kann ich nicht nachvollziehen.
Am meisten bedrückt mich, dass die Meinung des Häftlingsbeirates der KZ- Gedenkstädte Mittelbau-Dora bei 16 Stadträten kein Gehör gefunden hat. Immerhin vertritt das Gremium die Interessen der Überlebenden von Dora und hat maßgebliches Mitspracherecht bei der weiteren inhaltlichen und baulichen Gestaltung der heutigen Gedenkstädte sowie der geschichtlichen Dokumentierung der damaligen Geschenisse.
Auch der neue Gedenkstädtenleiter und Historiker Dr. Christian Wagner hatte im Vorfeld der Stadtratsentscheidung mehrfach in der Öffentlichkeit den Gedenkstein als wichtiges zeitgeschichtliches Dokument für den lokalen Umgang mit der NS-Vergangenheit bezeichnet und für die Rückkehr des Steines auf den Bahnhofsplatz plädiert. Schließlich gilt der Albert-Kuntz-Stein als erstes Gedenk- und Mahnsymbol nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes im Südharzer Raum.
Auch wenn die Biographie von Albert Kuntz in der DDR von den SED- Machthabern geschönt und Kuntz als kommunistischer Märtyrer dargestellt wurde, rechtfertigt das die Entscheidung der Volksvertreter in keiner Weise. Eine zusätzliche Informationstafel sollte ja alles ins rechte Licht rücken. Doch die 16 Stadträte wussten es besser.
Die Befürchtungen aus dem Rathaus, der Stein könnte Aufmarschstätte und Wallfahrtsort für Neonazis werden, ist geradezu lächerlich. Denn Historiker Dr. Karsten Uhl widerlegte dies, indem er auf neuste Forschungen verwies, die seinen Worten nach belegen, dass der Stein vom einstigen Friedrich-Ebert-Denkmal stammte. Im übrigen: Wenn durch höstrichteriche Entscheidung Neonazis durch Nordhausen marschieren dürfen, haben sie ganz bestimmte Straßen zu benutzen, werden von einem Großaufgebot von Polizei begleitet und im Anschluss wieder aus der Stadt gedrängt. Eine Wallfahrt zum Kuntz-Gedenkstein wäre nahezu unmöglich.
Seit Jahren ist eine sinnlose Bilderstürmerei in Ostdeutschland zu beobachten. So ist auch die Verbannung des Kuntz-Denkmales in ein Museum recht typisch für uns ehemalige DDR-Deutsche. Kaum haben sich die Zeiten und Ordnungen geändert, stürzen wir unsere früheren Helden vom Sockel. Doch nach welchen Vorbildern soll sich die Jugend heute richten? Zu wem soll sie aufblicken, wen verehren? In den Ländern um uns herum werden Gedenkmonumente gehegt und gepflegt. Bei uns hingegen werden Gedenkstandorte ( zum Beispiel in Nordhausen) mit Granitplatten eingeebnet.
Als Christ und Mitglied der CDU habe ich keine Probleme, das Gedenken an einen im KZ ermordeten Kommunisten erkennbar wach zu halten. Offensichtlich aber einige Stadträte.
So bleibt mir in Anlehnung an einen Filmtitel nur zu sagen: Goodbye Albert Kuntz! Oder doch nicht?
Hans-Georg Backhaus, Mitglied der CDU Nordhausen
Ein Stück Nordhäuser Geschichte, ein Stück Gedenken und Erinnern wird in ein Museum verbannt. So jedenfalls will es das Stadtparlament von Nordhausen. Oder noch etwas präziser: 16 Stadträte wollen das. Die Rede ist vom Albert-Kuntz-Gedenkstein. Im Zuge der Bahnhofsplatzumgestaltung war er vor etwa anderthalb Jahren von seinem angestammten Platz entfernt worden und darf nun nicht wieder dorthin zurückkehren.
Um es gleich vorweg zu sagen: Als demokratisch gesinnter Bürger respektiere ich die Mehrheitsentscheidung des Stadtrates. Doch die Argumente, die da ins Feld geführt wurden, damit der Stein nicht wieder dorthin kommt, wo er seinen historischen Platz hat, kann ich nicht nachvollziehen.
Am meisten bedrückt mich, dass die Meinung des Häftlingsbeirates der KZ- Gedenkstädte Mittelbau-Dora bei 16 Stadträten kein Gehör gefunden hat. Immerhin vertritt das Gremium die Interessen der Überlebenden von Dora und hat maßgebliches Mitspracherecht bei der weiteren inhaltlichen und baulichen Gestaltung der heutigen Gedenkstädte sowie der geschichtlichen Dokumentierung der damaligen Geschenisse.
Auch der neue Gedenkstädtenleiter und Historiker Dr. Christian Wagner hatte im Vorfeld der Stadtratsentscheidung mehrfach in der Öffentlichkeit den Gedenkstein als wichtiges zeitgeschichtliches Dokument für den lokalen Umgang mit der NS-Vergangenheit bezeichnet und für die Rückkehr des Steines auf den Bahnhofsplatz plädiert. Schließlich gilt der Albert-Kuntz-Stein als erstes Gedenk- und Mahnsymbol nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes im Südharzer Raum.
Auch wenn die Biographie von Albert Kuntz in der DDR von den SED- Machthabern geschönt und Kuntz als kommunistischer Märtyrer dargestellt wurde, rechtfertigt das die Entscheidung der Volksvertreter in keiner Weise. Eine zusätzliche Informationstafel sollte ja alles ins rechte Licht rücken. Doch die 16 Stadträte wussten es besser.
Die Befürchtungen aus dem Rathaus, der Stein könnte Aufmarschstätte und Wallfahrtsort für Neonazis werden, ist geradezu lächerlich. Denn Historiker Dr. Karsten Uhl widerlegte dies, indem er auf neuste Forschungen verwies, die seinen Worten nach belegen, dass der Stein vom einstigen Friedrich-Ebert-Denkmal stammte. Im übrigen: Wenn durch höstrichteriche Entscheidung Neonazis durch Nordhausen marschieren dürfen, haben sie ganz bestimmte Straßen zu benutzen, werden von einem Großaufgebot von Polizei begleitet und im Anschluss wieder aus der Stadt gedrängt. Eine Wallfahrt zum Kuntz-Gedenkstein wäre nahezu unmöglich.
Seit Jahren ist eine sinnlose Bilderstürmerei in Ostdeutschland zu beobachten. So ist auch die Verbannung des Kuntz-Denkmales in ein Museum recht typisch für uns ehemalige DDR-Deutsche. Kaum haben sich die Zeiten und Ordnungen geändert, stürzen wir unsere früheren Helden vom Sockel. Doch nach welchen Vorbildern soll sich die Jugend heute richten? Zu wem soll sie aufblicken, wen verehren? In den Ländern um uns herum werden Gedenkmonumente gehegt und gepflegt. Bei uns hingegen werden Gedenkstandorte ( zum Beispiel in Nordhausen) mit Granitplatten eingeebnet.
Als Christ und Mitglied der CDU habe ich keine Probleme, das Gedenken an einen im KZ ermordeten Kommunisten erkennbar wach zu halten. Offensichtlich aber einige Stadträte.
So bleibt mir in Anlehnung an einen Filmtitel nur zu sagen: Goodbye Albert Kuntz! Oder doch nicht?
Hans-Georg Backhaus, Mitglied der CDU Nordhausen
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