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„Die geheime Geschichte der Digedags“

Montag, 18. April 2011, 16:44 Uhr
Im Rahmen der Vortragsreihe „Kunst, Gott und die Welt“ können am ersten Donnerstag im Mai Interessierte die Geschichte der DDR-Comic-Zeitung „Mosaik“ im Nordhäuser Museum „Tabakspeicher“, in der Bäckerstraße, erleben.


„Der Leipziger Kulturhistoriker Dr. Mark Lehmstedt, 1961 in Berlin geboren und in Nordhausen kein Unbekannter, betrieb aufwändige und detektivische Recherchen zu der äußerst interessanten Geschichte der Comic-Hauptakteure „Digedags“ Herausgekommen ist dabei ein epochales Buch zur Publikations- und Zensurgeschichte des „Mosaik“.

Dieser Band „Die geheime Geschichte der Digedags“ bildet die Grundlage eines brillanten Vortrags zur Kulturhistorie der DDR. Lehmstedts Opus ist nicht nur für Digedag-Freunde vergnüglich und spannend zugleich. Dieser garantiert unterhaltsame Vortrag wird mit Bildern bereichert und in ein Gespräch mit den Zuhörern übergehen“, sagte Jürgen Rennebach, Leiter des Museums „Tabakspeicher“.

„Im offiziellen Jargon als Bildergeschichten bezeichnet, handelte es sich beim „Mosaik“ um Comics, jener amerikanischen Erzählform, die in den Zeiten vor dem Bau der Mauer in höchst besorgniserregender Menge aus der Bundesrepublik in die DDR geschmuggelt wurde. „Micky Maus“ oder „Fix und Foxi“ begeisterten auch die Jugend im Arbeiter-und-Bauern-Staat. Um diesen unerwünschten Erzeugnissen etwas Eigenes und Systemgemäßes entgegensetzen zu können, war die Herausgabe des „Mosaik“ genehmigt worden, das im Dezember 1955 erstmals erschien.“, so Rennebach weiter.

Doch vier Jahre später platzte einer linientreuen Sozialistin aus Halle der Kragen. Sie schrieb in einem geharnischten Brief an das Ost-Berliner Ministerium für Kultur: „Dreck ist nicht durch Dreck zu bekämpfen“. Dies war der Tiefpunkt in einem zwanzigjährigen Streit um die größte Comic-Erfolgsgeschichte der DDR. Mit 600 000 gedruckten Exemplaren dürfte das „Mosaik“ 1975, als die Digedags sich endgültig verabschieden mussten, das meistverbreitete Comic-Heft in einem einzelnen Land gewesen sein.

Gänzlich im Verborgenen blieben schließlich die internen, oft genug erbittert ausgefochtenen Kämpfe mit Kritikern, Kontrolleuren und Zensoren aller Art, die zwanzig Jahre lang versuchten, das „Mosaik“ gleichzuschalten und am Widerstand von Hannes Hegen scheiterten – bis er endlich aufgab und die Digedags in das Reich der Träume zurückschickte.

„Der Schöpfer der drei knuddeligen Gesellen hielt sich unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkrieges in Ilfeld-Netzkater auf. In einer Druckerei in Benneckenstein verdiente er sein erstes Geld. Sein Aufenthalt währte mehrere Monate. Interessant ist auch, dass der wichtigste Mitarbeiter des Mosaik-Kollektivs, der Autor Lothar Dräger, ein Engagement an den Bühnen der Stadt Nordhausen hatte. Der studierte Sänger war hier in der Spielzeit 1954/1955 zu sehen und zu hören“, sagte Jürgen Rennebach.

5. Mai, 19.30 Uhr, Tabakspeicher, Eintritt 4 Euro
Autor: nnz

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