nnz-online

nnz-doku: Bedauern!

Mittwoch, 11. Juni 2003, 07:17 Uhr
Nordhausen/Bad Lauterberg (nnz). Die nnz hatte heute über einen offenen Brief der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ an den HVV berichtet. Darin geht es um Auflösungserscheinungen im Verband. In der doku-Reihe veröffentlichen wir den Brief.


Mit Bedauern hat unsere Initiative den Austritt von Wernigerode und des Kreises Nordhausen aus dem HVV aufgenommen. Nun scheint mit Bad Harzburg der nächste Austrittskandidat zu folgen. Wie der Presse zu entnehmen war, zeigt sich Bad Harzburg insbesondere über die zögerliche Einführung einer HarzCard enttäuscht.

Der Austritt wäre ein weiterer Rückschritt in der dringend benötigten Weiterentwicklung des gesamtheitlichen Harzer Tourismus. Wir als Initiative möchten die weitere Rückentwicklung unbedingt vermeiden. Durch die mannigfaltigen Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten für die Harzregion ist es für uns "Harzer" trotz der Wiedervereinigung noch schwierig genug mit einer Stimme zu sprechen. Wie Sie sicherlich wissen, wurden vergangenes Jahr die Aktivitäten des Regionalverbandes Harz weiter zurückgefahren. Mit dem Zerfall des HVV würde erneut ein großes Sprachrohr des gesamten Harzes versiegen.

Nach der Grenzöffnung hat sich der drei bundesländerübergreifende Harz schnell zu einem homogenen Tourismusgebiet entwickelt. Frühere Straßenverkehrsverbindungen wurden Länderübergreifend wieder hergestellt, so dass sich der motorisierte Individualverkehr (MIV) schnell entwickeln konnte. Der bundesländerübergreifende öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) konnte mit der Entwicklung allerdings nicht mithalten und führt noch heute ein Schattendasein.

Mangels Informationen, aber auch Angeboten über die Anreise mit dem ÖPNV in den Harz generiert der MIV -insbesondere an Wochenenden und bei schönem Wetter- Verkehrsbehinderungen im gesamten Harzgebiet. Dies ist weder für die Besucher des Harzes, noch für den „Naturpark Harz“ von Vorteil. Zur Steigerung der Mobilität und Attraktivität sollten in einem ersten Schritt die im Harz existierenden ÖPNV-Angebote gebündelt werden. Heute existiert keine harzübergreifende Informationsmöglichkeit für Reisende ohne Auto.

Vor dem Hintergrund immer kürzerer Urlaube, ist es bis heute noch nicht gelungen alle touristischen Angebote im Harz in einer unabhängigen Publikation darzustellen. Damit werden die Chancen verschenkt, dass potentielle Besucher erneut in den Harz reisen oder ihren Urlaub verlängern. Sie könnte ein Informationsnetzwerk, welches aus der Kombination von touristischen Angeboten und deren Anreisemöglichkeiten besteht, sowohl dem Besucher, wie auch Bewohnern des Harzes weitere Vorteile bringen.

Der Eisenbahnfreund der z. B. mit der Harzquerbahn auf den Brocken fährt wird dieses kaum jährlich wiederholen. Wüsste er aber, dass es weitere „historische“ bzw. „einmalige“ Bahnen im Harz gäbe, würde er bestimmt wieder den Harz besuchen. Gemeint ist in diesem Beispiel die Rübelandbahn, die in ihrer Art einmalig ist und zu dem einen Besuch in einer der Elbingeröder Höhlen fast schon obligatorisch macht, wenn man schon einmal in Elbingerode ist. Ebenso könnte eine Fahrt mit der Wipperliese mit einem Bergwerksbahnbesuch in Mansfeld verbunden werden. So könnten weitere Interessen wie z.B. Bergwerksbesuche in Lautenthal oder Höhlenbesuche in Scharzfeld geweckt werden, die wiederum andere Interessen nach sich ziehen könnten.

Andererseits sollte durch die oben genannten Maßnahmen kein weiterer MIV generiert werden, bzw. der Harz durch Verringerung des MIV lebenswerter für die Besucher und Bewohner des Harzes gemacht werden. Den Besuchern muss von Anfang an eine alternative Anreisemethode angeboten werden. Für ein optimales Gesamtkonzept bedarf es jedoch weiterer ganz besonderer Anstrengungen. Durch die drei Bundesländer existieren noch heute ein Vielzahl von Zuständigkeiten im Bereich des ÖPNV. Im Harz existieren fünf Verkehrsverbünde wobei jeder für sich ein Optimum sucht, jedoch „grenzüberschreitende“ Verkehre für einen Harz übergreifenden ÖPNV fehlen.

Die Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ hat bereits Vorschläge in Form einer „HarzEventCard“ erarbeitet. Mit ihr soll der Tourismus gesteigert und die umweltverträgliche An- und Abreise realisiert werden. Für ein Projekt “HarzEventCard“ müssten jedoch alle Kräfte gebündelt werden. Durch die anhaltenden Schwächungen der Harzer Organe rücken wir jedoch weiter von einer erfolgreichen Gesamtvermarktung des Harzes ab. Schon heute hinkt der Harz in den oben genannten Bereichen gegenüber anderen Regionen im In- und Ausland um bis zu fünfzehn! Jahre hinterher. Die vorgeschlagenen Maßnahmen würden langfristig für eine Verbesserung des Images sorgen und viele Besucher zum Wiederkommen bewegen.

Wir Harzer müssen insbesondere vor dem schwierigen ökonomischen und ökologischen Hintergrund den Zusammenhalt waren. Unsere Initiative ist auch weiterhin bereit ihren möglichen Teil hierzu beizutragen. Dies könnte in Form der Einbringung des Knowhows im Bereich des harzübergreifenden ÖPNV und zur Umsetzung eines preisgünstigen virtuellen harzüberspannenden Netzwerkes liegen. Ein vergleichbares Netzwerk praktiziert unsere Initiative seit mehreren Jahren erfolgreich und das quasi zum Nulltarif. Hier sehen wir die Basis für die Initiierung einer HarzCard oder besser noch HarzEventCard.

Sehr geehrter Herr Lücke, sehr geehrtes HVV-Team, sehr geehrte HVV-Mitglieder, bitte teilen Sie uns mit, welche Möglichkeiten Sie zur Umsetzung einer HarzEventCard sehen.
Burkhard Breme, Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz"
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de