nnz-Wetterrückblick: Sommer-Vorgeschmack
Dienstag, 05. April 2011, 17:57 Uhr
War der vergangene Winter zu kühl und zu nass, gab es im Monat März 2011 eine angenehme Trendwende: Der erste Frühlingsmonat war in Deutschland – und so auch in Nordhausen – etwas zu warm und deutlich zu trocken. Und die Sonnenscheindauer brach alle Rekorde. Der Rückblick auf das März-Wetter von Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp...
nnz-Wetter-Expertin (Foto: nnz)
Die mittlere Lufttemperatur in Nordhausen betrug auf dem Campus der Fachhochschule 5,1°C (Mittelwert 3,9°C nach Tauchmann). Dies ist der fünfte Märzmonat in Folge, der wärmer als das langjährige Mittel ist, auch nach Korrektur der innerstädtischen Lage der Station. In der ersten Monatshälfte des März 2011 konnte man einen deutlichen Temperaturanstieg beobachten: Betrug die Tagesmitteltemperatur am 7. März noch -0,9°C, kletterte sie stetig nach oben bis auf +10,1°C am 15. März.
Danach schwankte die Lufttemperatur zwischen vier und acht Grad, bevor sie zum Monatsende auf wieder auf +11°C anstieg. Fast alle Märznächte endeten noch mit Frost, nur an wenigen Tagen in der Monatsmitte blieben die Märznächte frostfrei. Die tiefste Temperatur (-7,6°C) wurde am Morgen des 08. März gemessen, die maximale Temperatur (+19,1°C) am 30. März. Einen interessanten Temperaturverlauf zeigen die Tage in der Monatsmitte: Es gab kaum tägliche Veränderungen und auch keinen Frost, die Werte schwankten um fünf Grad. Grund für diese ausgeglichen Temperatur war ein umfangreiches Schlechtwettergebiet, welches zudem die wenigen Niederschläge im März geliefert hat.
Der Wind drehte in diesen Tagen von West auf nordöstliche Windrichtungen. Damit wurden wieder kühlere Luftmassen aus Nordost zu uns transportiert (Tagesmaxima unter 10°C). Für den Niederschlag war ein Tief über Norditalien verantwortlich, welches an seiner Vorderseite feuchte Luft nach Deutschland transportierte. Diese Konstellation war auch für die Temperaturunterschiede in Deutschland zuständig: Im Südwesten von Deutschland war es überwiegend warm, an der Ostsee hingegen kletterte das Thermometer selten über 10 °C.
Insgesamt fielen im März 2011 19,1 mm Niederschlag, wovon allein am 17. März 14,2 mm fielen. Die restlichen fünf Liter verteilten sich auf vier Tage. Die theoretisch mögliche Verdunstung stieg aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung im März auf 47 mm, so dass der Bodenwasservorrat in der ungesättigten Bodenzone langsam aufgezehrt wurde und die Felder abtrockneten. Im langjährigen Monatsmittel wären 45 mm Niederschlag normal, es war also deutlich zu trocken. Den Aufzeichnungen von Herrn Tauchmann ist zu entnehmen, dass im Jahr 1973 nur 7,7 mm im März registriert wurden, im März 1994 hingegen 127,6 mm – eine große Schwankungsbreite. Tendenziell sind die Niederschläge im März in den letzten 50 Jahren leicht angestiegen.
Die Sonnenscheindauer betrug 218 Stunden. Das ist ein neuer Rekordwert für Nordhausen, seit dem Beginn der Aufzeichnungen der Sonnenscheindauer im Jahr 1972. Bisheriger Spitzenreiter war das Jahr 1972 mit 148 Stunden Sonnenschein. Im Mittel wären 104 Stunden normal. Das ist außergewöhnlich: Eine Überschreitung des Mittelwertes um 200 % und ein sattes Plus von 70 Stunden im Vergleich zum bisherigen maximalen Wert. Astronomisch möglich wären übrigens 369 Stunden. Die Globalstrahlung als Maß für die eingestrahlte Energie betrug im Mittel 122 W/m² und liegt im Vergleich der Vorjahresmonate etwas höher. Und auch der Luftdruck zeigt das schöne Wetter: 1022 hPa beträgt der Mittelwert, der maximale Luftdruck wurde mit 1039,6 hPa am 23. März gemessen. Somit befand sich Nordhausen – mit Ausnahme der Monatsmitte – fast ausschließlich im Einflussbereich von Hochdruckgebieten.
Zu warm und zu trocken, vor allem jedoch unglaublich viel Sonne im ersten meteorologischen Frühlingsmonat. Das ist das Fazit des März 2011. Ob dies auf den Sommer 2011 zu übertragen ist? Die Jahreszeitenprognose des Deutschen Wetterdienstes tendiert zumindest was die Temperatur angeht tatsächlich genau in diese Richtung.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz
nnz-Wetter-Expertin (Foto: nnz)
Die mittlere Lufttemperatur in Nordhausen betrug auf dem Campus der Fachhochschule 5,1°C (Mittelwert 3,9°C nach Tauchmann). Dies ist der fünfte Märzmonat in Folge, der wärmer als das langjährige Mittel ist, auch nach Korrektur der innerstädtischen Lage der Station. In der ersten Monatshälfte des März 2011 konnte man einen deutlichen Temperaturanstieg beobachten: Betrug die Tagesmitteltemperatur am 7. März noch -0,9°C, kletterte sie stetig nach oben bis auf +10,1°C am 15. März. Danach schwankte die Lufttemperatur zwischen vier und acht Grad, bevor sie zum Monatsende auf wieder auf +11°C anstieg. Fast alle Märznächte endeten noch mit Frost, nur an wenigen Tagen in der Monatsmitte blieben die Märznächte frostfrei. Die tiefste Temperatur (-7,6°C) wurde am Morgen des 08. März gemessen, die maximale Temperatur (+19,1°C) am 30. März. Einen interessanten Temperaturverlauf zeigen die Tage in der Monatsmitte: Es gab kaum tägliche Veränderungen und auch keinen Frost, die Werte schwankten um fünf Grad. Grund für diese ausgeglichen Temperatur war ein umfangreiches Schlechtwettergebiet, welches zudem die wenigen Niederschläge im März geliefert hat.
Der Wind drehte in diesen Tagen von West auf nordöstliche Windrichtungen. Damit wurden wieder kühlere Luftmassen aus Nordost zu uns transportiert (Tagesmaxima unter 10°C). Für den Niederschlag war ein Tief über Norditalien verantwortlich, welches an seiner Vorderseite feuchte Luft nach Deutschland transportierte. Diese Konstellation war auch für die Temperaturunterschiede in Deutschland zuständig: Im Südwesten von Deutschland war es überwiegend warm, an der Ostsee hingegen kletterte das Thermometer selten über 10 °C.
Insgesamt fielen im März 2011 19,1 mm Niederschlag, wovon allein am 17. März 14,2 mm fielen. Die restlichen fünf Liter verteilten sich auf vier Tage. Die theoretisch mögliche Verdunstung stieg aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung im März auf 47 mm, so dass der Bodenwasservorrat in der ungesättigten Bodenzone langsam aufgezehrt wurde und die Felder abtrockneten. Im langjährigen Monatsmittel wären 45 mm Niederschlag normal, es war also deutlich zu trocken. Den Aufzeichnungen von Herrn Tauchmann ist zu entnehmen, dass im Jahr 1973 nur 7,7 mm im März registriert wurden, im März 1994 hingegen 127,6 mm – eine große Schwankungsbreite. Tendenziell sind die Niederschläge im März in den letzten 50 Jahren leicht angestiegen.
Die Sonnenscheindauer betrug 218 Stunden. Das ist ein neuer Rekordwert für Nordhausen, seit dem Beginn der Aufzeichnungen der Sonnenscheindauer im Jahr 1972. Bisheriger Spitzenreiter war das Jahr 1972 mit 148 Stunden Sonnenschein. Im Mittel wären 104 Stunden normal. Das ist außergewöhnlich: Eine Überschreitung des Mittelwertes um 200 % und ein sattes Plus von 70 Stunden im Vergleich zum bisherigen maximalen Wert. Astronomisch möglich wären übrigens 369 Stunden. Die Globalstrahlung als Maß für die eingestrahlte Energie betrug im Mittel 122 W/m² und liegt im Vergleich der Vorjahresmonate etwas höher. Und auch der Luftdruck zeigt das schöne Wetter: 1022 hPa beträgt der Mittelwert, der maximale Luftdruck wurde mit 1039,6 hPa am 23. März gemessen. Somit befand sich Nordhausen – mit Ausnahme der Monatsmitte – fast ausschließlich im Einflussbereich von Hochdruckgebieten.
Zu warm und zu trocken, vor allem jedoch unglaublich viel Sonne im ersten meteorologischen Frühlingsmonat. Das ist das Fazit des März 2011. Ob dies auf den Sommer 2011 zu übertragen ist? Die Jahreszeitenprognose des Deutschen Wetterdienstes tendiert zumindest was die Temperatur angeht tatsächlich genau in diese Richtung.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
