nnz-Betrachtung: Inszeniert
Samstag, 31. Mai 2003, 10:42 Uhr
Nordhausen (nnz). War es das Ende einer Tetralogie zum Thema Deutschland oder war es die Podiumsdiskussion, in der es um Freiheit der Kunst, ums Grundgesetz und seine etwaige Beugung in Nordhausen gehen sollte, das einige Kunst-Fürsten nach Nordhausen rief. Zu beiden Uraufführung und Diskussion hatte das Theater eingeladen.
Man stelle sich vor: In Nordhausen, Sondershausen oder meinetwegen auch Wuppertal finden ein lokaler Parteitag der CDU statt. Zur gleichen Zeit hat Parteichefin Angela Merkel einen Termin in Berlin, bei dem sie vielleicht mit US-Präsident George W. Bush zusammentreffen wird. Nun die Frage: Wird sich Frau Merkel nach Nordhausen, Sondershausen oder Wuppertal bewegen?
So in etwa war gestern die Konstellation in Nordhausen, im Foyer des Theaters. Sicher, das Thema (siehe nnz-Archiv) war brisant, auch deshalb hatte die Intendanz des Nordhäuser Theaters schon vor einer Woche begonnen, nach entsprechenden Diskutanten zu suchen. Doch erst zwei Tage vor dem Termin, am Mittwoch, erhielt die Nordhäuser Oberbürgermeisterin die Einladung. Aber spätestens zu diesem Zeitpunkt wussten selbst politisch Uninteressierte in Nordhausen, dass Rinke die neue Präses von mehr als 20 Millionen Protestanten in diesem Lande ist und dass seit Beginn dieser Woche in Berlin ein klitzekleines Kirchenfest über die Bühne geht: Der erste ökumenische Kirchentag!
Die Forderung aus dem Podium und dem Auditorium, Rinke möge als Präses doch schleunigst ein Treffen mit Dalai Lama absagen und gefälligst nach Nordhausen in Theater zu kommen, die grenzt vielleicht schon an Unverfrorenheit oder Dummheit. Vielleicht aber ist das Klatschen der Theater-Leute im Foyer auch nur Ausdruck dessen gewesen, dass sie ihr Theater als den Mittelpunkt dieser Welt betrachten. Dieser Stadt sowieso.
Warum ging eine Einladung nicht an den Aufsichtsratsvorsitzenden der Theater-GmbH, warum nicht an die Mitglieder dieses Gremiums? Warum wurden keine Vertreter der Gesellschafter eingeladen? Waren es doch die Gesellschafter und der Aufsichtsrat, die sich gemeinsam auf die Ausschreibung für einen Geschäftsführer eingelassen hatten. Gern hätte ich gehört, wie sich der Gesellschafter Stadt Sondershausen zur Ausschreibung geäußert hätte?
Über den Verlauf der Diskussion muß hier nicht berichtet werden, sie fand einfach nicht statt. Vielleicht auch, weil die, die diskutieren sollten, keine Gegnerschaft auf der Bühne vorfanden. Es waren Statements, die abgegeben wurden. Und es waren Statements, die nicht unbedingt von einer exakten Vorbereitung der Leute auf dem Podium zeugten. Ein Beispiel: So sagte doch Günther Beelitz, dass sich unter den mehr als 40 Bewerbern auf diesen Posten nur Leute befinden, die keine Theatererfahrung hätten. So werde aus dem Nordhäuser Theater ein Bespielhaus, das im besten Falle für einen Feuerwehrball taugen würde.
Falsch! Der Ausschreibungstext lautet ganz anders, die Bewerber können zum großen Teil auf eine profunde künstlerische Erfahrung zurückgreifen, wie der nnz mehrfach auf Nachfrage bestätigt wurde. Oder anders: Der Geschäftsführer einer Schraubenfabrik soll sich nicht beworben haben. Vielleicht hätte man ja auch vorher mal mit der Intendanz sprechen können. Die hätte womöglich die Frage beantworten können, warum im Spielplan für das Große Haus nicht immer aber immer öfter DIA-Schauen über das Paarungsverhalten der Igel oder über Neuseeland auftauchen?
Warum ist diese Situation entstanden, wie sie sich gestern Abend widerspiegelte? Die SPD-Stadträtin Sabine Meyer brachte es aus Sicht der Gesellschafter auf den Punkt: Das Vertrauensverhältnis zwischen der Leitung des Theaters, dem Aufsichtsrat und den Gesellschafter habe in den zurückliegenden Jahren erheblich gelitten. Das merkte der Stadtrat schon im Dezember 2002 und das merken in Nordhausen sogar die Theaterspatzen, die immer alles von den Dächern pfeifen. Und vielleicht wollen diejenigen, die das Geld geben, diesen Schaden künftig auf ein Minimum reduzieren. Ob dadurch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in seinen künstlerischen Grundfesten erschüttert wird, das bleibt abzuwarten.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz
Man stelle sich vor: In Nordhausen, Sondershausen oder meinetwegen auch Wuppertal finden ein lokaler Parteitag der CDU statt. Zur gleichen Zeit hat Parteichefin Angela Merkel einen Termin in Berlin, bei dem sie vielleicht mit US-Präsident George W. Bush zusammentreffen wird. Nun die Frage: Wird sich Frau Merkel nach Nordhausen, Sondershausen oder Wuppertal bewegen?So in etwa war gestern die Konstellation in Nordhausen, im Foyer des Theaters. Sicher, das Thema (siehe nnz-Archiv) war brisant, auch deshalb hatte die Intendanz des Nordhäuser Theaters schon vor einer Woche begonnen, nach entsprechenden Diskutanten zu suchen. Doch erst zwei Tage vor dem Termin, am Mittwoch, erhielt die Nordhäuser Oberbürgermeisterin die Einladung. Aber spätestens zu diesem Zeitpunkt wussten selbst politisch Uninteressierte in Nordhausen, dass Rinke die neue Präses von mehr als 20 Millionen Protestanten in diesem Lande ist und dass seit Beginn dieser Woche in Berlin ein klitzekleines Kirchenfest über die Bühne geht: Der erste ökumenische Kirchentag!
Die Forderung aus dem Podium und dem Auditorium, Rinke möge als Präses doch schleunigst ein Treffen mit Dalai Lama absagen und gefälligst nach Nordhausen in Theater zu kommen, die grenzt vielleicht schon an Unverfrorenheit oder Dummheit. Vielleicht aber ist das Klatschen der Theater-Leute im Foyer auch nur Ausdruck dessen gewesen, dass sie ihr Theater als den Mittelpunkt dieser Welt betrachten. Dieser Stadt sowieso.Warum ging eine Einladung nicht an den Aufsichtsratsvorsitzenden der Theater-GmbH, warum nicht an die Mitglieder dieses Gremiums? Warum wurden keine Vertreter der Gesellschafter eingeladen? Waren es doch die Gesellschafter und der Aufsichtsrat, die sich gemeinsam auf die Ausschreibung für einen Geschäftsführer eingelassen hatten. Gern hätte ich gehört, wie sich der Gesellschafter Stadt Sondershausen zur Ausschreibung geäußert hätte?
Über den Verlauf der Diskussion muß hier nicht berichtet werden, sie fand einfach nicht statt. Vielleicht auch, weil die, die diskutieren sollten, keine Gegnerschaft auf der Bühne vorfanden. Es waren Statements, die abgegeben wurden. Und es waren Statements, die nicht unbedingt von einer exakten Vorbereitung der Leute auf dem Podium zeugten. Ein Beispiel: So sagte doch Günther Beelitz, dass sich unter den mehr als 40 Bewerbern auf diesen Posten nur Leute befinden, die keine Theatererfahrung hätten. So werde aus dem Nordhäuser Theater ein Bespielhaus, das im besten Falle für einen Feuerwehrball taugen würde.
Falsch! Der Ausschreibungstext lautet ganz anders, die Bewerber können zum großen Teil auf eine profunde künstlerische Erfahrung zurückgreifen, wie der nnz mehrfach auf Nachfrage bestätigt wurde. Oder anders: Der Geschäftsführer einer Schraubenfabrik soll sich nicht beworben haben. Vielleicht hätte man ja auch vorher mal mit der Intendanz sprechen können. Die hätte womöglich die Frage beantworten können, warum im Spielplan für das Große Haus nicht immer aber immer öfter DIA-Schauen über das Paarungsverhalten der Igel oder über Neuseeland auftauchen?
Warum ist diese Situation entstanden, wie sie sich gestern Abend widerspiegelte? Die SPD-Stadträtin Sabine Meyer brachte es aus Sicht der Gesellschafter auf den Punkt: Das Vertrauensverhältnis zwischen der Leitung des Theaters, dem Aufsichtsrat und den Gesellschafter habe in den zurückliegenden Jahren erheblich gelitten. Das merkte der Stadtrat schon im Dezember 2002 und das merken in Nordhausen sogar die Theaterspatzen, die immer alles von den Dächern pfeifen. Und vielleicht wollen diejenigen, die das Geld geben, diesen Schaden künftig auf ein Minimum reduzieren. Ob dadurch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in seinen künstlerischen Grundfesten erschüttert wird, das bleibt abzuwarten.Peter-Stefan Greiner
