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Die große Liebe des Klaus Romer

Montag, 21. März 2011, 13:20 Uhr
Für seine Freizeitbeschäftigung hätte Klaus Romer bedeutend mehr Zeit, brächte er es fertig, sich von seiner zweiten Ehe zu trennen. Seit 60 Jahren ist er mit der Südharz-Druckerei in Nordhausen unsterblich verheiratet. Der 73-Jährige sitzt noch heute im Büro. Und pflegt nebenbei noch drei Hobbys. Die liebt er auch. Ein nnz-Bericht von Kurt Frank.

Die Hobbys des Klaus Romer (Foto: K. Frank) Die Hobbys des Klaus Romer (Foto: K. Frank)

In der Druckerei begann er die Lehre, führte sie jahrelang als Betriebsleiter und übernahm sie 1999 mit seinem Sohn in Familienbesitz. Ein Zimmer seines Hauses ist der Modelleisenbahn vorbehalten. Ein Schmuckstück. Liebevoll gepflegt. Eingebettet in eine imitierte Landschaft, fahren die Züge durch die Gegend. Über Hochstraßen und durch Tunnels. Romer sammelt auch Briefmarken. Auf Marken aus der britischen Kolonialzeit ist er besonders erpicht. Sein Lieblingshobby aber sind die Zinnfiguren.

In Reih und Glied stehen sie in den Vitrinen, Anbauschränken und Regalen: Reiterformationen und einfaches Soldaten-Fußvolk. Uniformierte, die sich bekämpfen, Pferdegespanne, die Kanonen hinter sich herziehen. Farblich original bemalt, spiegeln die Figuren Szenen geschichtlicher Ereignisse verschiedener Zeitepochen wider.

Kaiser Napoleon reitet auf einem Schimmel die Front ab. Auf der Gegenseite Feldmarschall Gerhard Lieberecht Blücher und der englische Feldherr Wellington. Beide Befehlshaber besiegelten mitihren Armeen das Schicksal Bonapartes in der Schlacht von Waterloo. Für den Kenner genügt ein Blick, um die Figuren historisch richtig einzuordnen. In die Zeit der deutsch-französische Kriege, des Zweiten Weltkrieges, der amerikanischen Bürgerkriege und der Kämpfe der Indianer Nordamerikas gegen die weißen Eroberer.

Besonders beeindruckend die imitierte Schlacht am Littl Big HornRiver 1876. Die vereinigten Sioux-Indianerstämme schlugen die 7. US-Kavallerie unter Oberstleutnant Georg Armstrong Custer vernichtend. Dargestellt wird, wie Custer, tödlich getroffen, zu Boden sinkt. Unter den Persönlichkeiten vergangener Jahrhunderte ist unter anderem der wohl berühmteste und zugleich fortschrittlichste amerikanische Präsident Abraham Lincoln zu finden, der dem Attentat eines Rassenfanatikers zum Opfer fiel.

An die 5000 Zinnfiguren hat Klaus Romer gekauft, gesammelt oder selbst gegossen und bemalt. Der überwiegende Teil, um die 3000 Figuren mögen es sein, sind in Kisten und Kästen verstaut. Auch Ehefrau Margot erfreut sich am Hobby ihres Mannes. „Ich bin bereit, noch eine Vitrine leer zu räumen“, beteuert sie ihre Zustimmung für die Leidenschaft des Mannes. Die Vitrinen und die kostbaren Schätze bringt Romer regelmäßig auf Hochglanz. Dafür, weiß er aus Erfahrung, benötige er einen ganzen Tag. Für nur eine Vitrine. Jede Figur werde ihr entnommen und mit einem feinen Pinsel gereinigt, danach alles sorgfältig wieder einsortiert. Auch die Marinefiguren aus Zeiten der Nationalen Volksarmee.

Die Liebe zu diesem Hobby reifte 1947. Da war Romer 10 Jahre alt. Sein Vater arbeitete damals in der Buchbinderei Rabe. Die Mitarbeiter gossen Zinnfiguren, um das Verkaufsangebot zu erweitern. Das weckte das Interesse des Jungen. Später, im Mannesalter, verlor es sich. Die mittlerweile heranwachsenden Söhne zerlegten die Figuren in Einzelteile, experimentierten lieblos und schmolzen einige ein. Erst viele Jahre später holte Klaus Romer seine Kindheit zurück.

Im Kulturbund gründete sich die Arbeitsgemeinschaft Zinnfiguren mit zehn Mitgliedern, die Romer bis zur Wende leitete. „Jede größere Stadt hatte eine derartige AG. Wir pflegten Erfahrungsaustausche und fachsimpelten untereinander“, erinnert er sich. Leider, bedauert er, gingen nach der Wende mit dem Kulturbund auch die Arbeitsgemeinschaften den Bach runter.
Kurt Frank
Autor: nnz

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