Neuer Höchststand
Mittwoch, 09. März 2011, 07:52 Uhr
Alljährlich, immer im Frühjahr stellt die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt im Landkreis Nordhausen ihre Bilanz des abgelaufenen Jahres vor. Auch für das Jahr 2010 lautet das Fazit: Hilfe ist immer noch dringend notwendig...
Auch 2010 konnten die Berater keinen Rückgang in der Nachfrage von überschuldeten Personen feststellen. Die von den drei Beratungsfachkräften und einer Verwaltungsfachkraft bearbeitete Fallzahl von insgesamt 503 Beratungsfällen stellte seit Bestehen der Schuldnerberatung im Landkreis einen neuen Höchststand dar (2009: 477 Fälle = Erhöhung auf 105,5 %).
Die meisten Fälle (389) wurden mit dem Ziel der Verbraucherinsolvenz bearbeitet und betreut.
Die Anzahl der Neuanmeldungen blieb 2010 mit 275 auf dem gleichen Niveau wie 2009. Durch die Reform des Kontenpfändungsrechtes (Einführung des P-Kontos = Pfändungsschutzkonto) entstand zusätzlicher Beratungsbedarf, da die von Überschuldung betroffenen Bürger viele Fragen zum Umgang mit dem P-Konto, zu den Vorteilen und zur Bescheinigung eines erhöhten Bedarfes für Familien hatten.
Der erste Schritt auf dem Weg aus den Schulden war für jeden Einzelfall die Analyse der Ursachen der Überschuldung. Fast immer führten mehrere Ursachen zum finanziellen Kollaps. Als Hauptursachen der Überschuldung wurden in der Beratung folgende erfasst:
Anzahl der Gläubiger pro Fall:
Bei der Anzahl der Klienten ohne abgeschlossene Berufsausbildung erhöhte sich die Anzahl der überschuldeten Klienten vor allem in der Altersgruppe unter 30 Jahren.
Im Jahr 2010 wurden 250 außergerichtliche Einigungsversuche durchgeführt, darüber hinaus wurden 67 Bescheinigungen für die Beantragung des Verbraucherinsolvenzverfahrens ausgestellt und drei außergerichtliche Einigungen erreicht. Ein außergerichtlicher Einigungsversuch ist vor einer Privatinsolvenz zwingend vorgeschrieben. Die geringe Zahl erfolgreicher Einigungen dokumentierte die fehlende Vergleichsbereitschaft der Gläubiger. Ursachen dafür wiederum waren fehlende finanzielle Mittel der Schuldner. Aus niedrigen Einkommen konnten keine pfändbaren Beträge verwendet werden, so dass die Gläubiger sogenannte Nullpläne ablehnten.
Gründe für Beratungsfälle, die nicht ins Insolvensverfahren führten waren
Territoriale Analyse
Die territoriale Analyse der Fälle ergab, dass 277 aus Nordhausen, 55 aus Bleicherode, 29 aus Ellrich, 22 aus Sollstedt, 21 aus Heringen kamen, aber ebenso aus fast allen anderen Gemeinden des Landkreises.
Arbeit nach Qualitätsstandards
Die AWO Beratungsstelle arbeitet seit Jahren nach Qualitätsstandards, seit 2010 auch erstmalig nach Standards des Landes Thüringen für anerkannte Beratungsstellen in der Verbraucherinsolvenz.
Maßnahmen zur Verringerung der Wartezeiten
Die Beratungsstelle arbeitete mit vielen Partnern des Familiennetzwerkes, anderen Beratungsstellen, Ämtern und allen in der Sozialarbeit Aktiven zusammen. Bei der erstmaligen telefonisch oder persönlich Kontaktaufnahme mit der Beratungsstelle erfolgte sofort eine Krisenklärung für Existenz bedrohende Miet- bzw. Energieschulden, Konten- oder Lohnpfändungen.
Für alle übrigen Probleme wurde dienstags und mittwochs Telefonberatung angeboten. Bis zur direkten Aufnahme in eine langfristige Beratung mussten die Schuldner aber nach wie vor rund sieben Monate Geduld haben. Die Kapazitätsgrenze für die Übernahme von neuen Klienten ist seit Jahren erreicht. Eine Erweiterung der personellen Besetzung bzw. durch Vollbeschäftigung der Mitarbeiter der AWO Beratungsstelle konnte seitens des finanzierenden Landkreises nicht gewährt werden.
Trotz steigender Zahlen an Verbraucherinsolvenzen kürzte das Land Thüringen die einzige Stelle entsprechend der gesunkenen Einwohnerzahlen des Landkreises, da für 100.000 Einwohner nur ein Insolvenzberater bewilligt wird. So muss die Schuldnerberatung 2011 mit einer geringeren personellen Kapazität die weiterhin große Nachfrage Überschuldeter bewältigen.
Monika Röthling, Leiterin Beratungsstelle
Autor: nnzAuch 2010 konnten die Berater keinen Rückgang in der Nachfrage von überschuldeten Personen feststellen. Die von den drei Beratungsfachkräften und einer Verwaltungsfachkraft bearbeitete Fallzahl von insgesamt 503 Beratungsfällen stellte seit Bestehen der Schuldnerberatung im Landkreis einen neuen Höchststand dar (2009: 477 Fälle = Erhöhung auf 105,5 %).
Die meisten Fälle (389) wurden mit dem Ziel der Verbraucherinsolvenz bearbeitet und betreut.
Die Anzahl der Neuanmeldungen blieb 2010 mit 275 auf dem gleichen Niveau wie 2009. Durch die Reform des Kontenpfändungsrechtes (Einführung des P-Kontos = Pfändungsschutzkonto) entstand zusätzlicher Beratungsbedarf, da die von Überschuldung betroffenen Bürger viele Fragen zum Umgang mit dem P-Konto, zu den Vorteilen und zur Bescheinigung eines erhöhten Bedarfes für Familien hatten.
Der erste Schritt auf dem Weg aus den Schulden war für jeden Einzelfall die Analyse der Ursachen der Überschuldung. Fast immer führten mehrere Ursachen zum finanziellen Kollaps. Als Hauptursachen der Überschuldung wurden in der Beratung folgende erfasst:
- Arbeitslosigkeit 47,5 %
- Konsumverhalten 33,73 %
- Unwirtschaftliche Haushaltsführung 25,95 %
- Scheidung, Trennung 22,75 %
- gescheiterte Immobilienfinanzierung 15,57 %
- Einkommensarmut 8,98 %
- Sucht 7,19 %
- Straffälligkeit 5,19 %
Anzahl der Gläubiger pro Fall:
- 1 bis 5 Gläubiger: in 149 Fällen
- 6 bis 10 Gläubiger: in 89 Fällen
- 11 bis 20 Gläubiger: in 153 Fällen
- 21 bis 50 Gläubiger: in 94 Fällen
- über 50 Gläubiger: in 18 Fällen
Bei der Anzahl der Klienten ohne abgeschlossene Berufsausbildung erhöhte sich die Anzahl der überschuldeten Klienten vor allem in der Altersgruppe unter 30 Jahren.
Im Jahr 2010 wurden 250 außergerichtliche Einigungsversuche durchgeführt, darüber hinaus wurden 67 Bescheinigungen für die Beantragung des Verbraucherinsolvenzverfahrens ausgestellt und drei außergerichtliche Einigungen erreicht. Ein außergerichtlicher Einigungsversuch ist vor einer Privatinsolvenz zwingend vorgeschrieben. Die geringe Zahl erfolgreicher Einigungen dokumentierte die fehlende Vergleichsbereitschaft der Gläubiger. Ursachen dafür wiederum waren fehlende finanzielle Mittel der Schuldner. Aus niedrigen Einkommen konnten keine pfändbaren Beträge verwendet werden, so dass die Gläubiger sogenannte Nullpläne ablehnten.
Gründe für Beratungsfälle, die nicht ins Insolvensverfahren führten waren
- fehlende psychische Stabilität (z. B. bei Alkohol- bzw. Drogenabhängigen)
- fehlendes Durchhaltevermögen während der exakten Erarbeitung der Gläubigeraufstellung bzw. in der außergerichtlichen Einigungsphase.
Territoriale Analyse
Die territoriale Analyse der Fälle ergab, dass 277 aus Nordhausen, 55 aus Bleicherode, 29 aus Ellrich, 22 aus Sollstedt, 21 aus Heringen kamen, aber ebenso aus fast allen anderen Gemeinden des Landkreises.
Arbeit nach Qualitätsstandards
Die AWO Beratungsstelle arbeitet seit Jahren nach Qualitätsstandards, seit 2010 auch erstmalig nach Standards des Landes Thüringen für anerkannte Beratungsstellen in der Verbraucherinsolvenz.
Maßnahmen zur Verringerung der Wartezeiten
Die Beratungsstelle arbeitete mit vielen Partnern des Familiennetzwerkes, anderen Beratungsstellen, Ämtern und allen in der Sozialarbeit Aktiven zusammen. Bei der erstmaligen telefonisch oder persönlich Kontaktaufnahme mit der Beratungsstelle erfolgte sofort eine Krisenklärung für Existenz bedrohende Miet- bzw. Energieschulden, Konten- oder Lohnpfändungen.
Für alle übrigen Probleme wurde dienstags und mittwochs Telefonberatung angeboten. Bis zur direkten Aufnahme in eine langfristige Beratung mussten die Schuldner aber nach wie vor rund sieben Monate Geduld haben. Die Kapazitätsgrenze für die Übernahme von neuen Klienten ist seit Jahren erreicht. Eine Erweiterung der personellen Besetzung bzw. durch Vollbeschäftigung der Mitarbeiter der AWO Beratungsstelle konnte seitens des finanzierenden Landkreises nicht gewährt werden.
Trotz steigender Zahlen an Verbraucherinsolvenzen kürzte das Land Thüringen die einzige Stelle entsprechend der gesunkenen Einwohnerzahlen des Landkreises, da für 100.000 Einwohner nur ein Insolvenzberater bewilligt wird. So muss die Schuldnerberatung 2011 mit einer geringeren personellen Kapazität die weiterhin große Nachfrage Überschuldeter bewältigen.
Monika Röthling, Leiterin Beratungsstelle

