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Vor 80 Jahren ging es los

Montag, 19. Mai 2003, 12:31 Uhr
Niedersachswerfen (nnz). Vor 80 Jahren begann die großindustrielle Nutzung von Stollenanlagen im Kohnsteinfelsen bei Niedersachswerfen. Dazu erhielt die nnz-Redaktion eine historische Abhandlung von nnz-Leser Tim Schäfer.


Das Gips- und Anhydritvorkommen des Kohnsteins wurde seit 1916 insbesondere für die Ammonsulfatherstellung des Leunawerkes, der Ammoniakwerk Merseburg GmbH der BASF, ausgebeutet. Hierzu ließ sich die BASF 1916 Pachtrechte am Vorkommen von Fa. Otte abtreten, die im Unterpachtverhältnis zur Fa. Süßmilch stand, die wiederum seit 1892 die Rechte von den Kohnstein Interessenten erwarb.

Ende 1920 beantragte das Gipswerk Niedersachswerfen ein größeres Sprengstofflager im Kohnsteinfelsen. Vorher gab es in einem vorhandenen Stollen seit 1919 ein Pulverhäuschen, ab 1920 sollten 2000 kg Sprengstoff gelagert werden. Aber schnell übertraf der Bedarf die logistischen Möglichkeiten und somit mußte ein neues Magazin in einem Stollen für mehr als 5000 kg geplant und gebaut werden. Dafür konnte die amtliche Genehmigung 1922 erteilt werden. Unterhalb des Gängerthales wurde begonnen, den vorhandenen Stollen zu vertiefen und Kammern zu schaffen, die die entsprechenden Lagermöglichkeiten sicher boten.

Bei Baggerarbeiten dazu war die Gängerthalhöhle entdeckt worden. Einige Jahre wurde ein Teilbereich der Höhle als Sprengstoffmagazin genutzt. Der Zugang zur Höhle wurde nach 1930 geschlossen. Die Eingangsbereiche zu den Sprengstofflagern wurden auf Höhe + 210 und + 207 ausgebaut. Die Arbeiten konnten 1923 abgeschlossen und somit die erste, industrielle Stollennutzung im Kohnstein als Sprengstofflager, vor 80 Jahren beginnend, erfolgen. In den 30er Jahren wurden neue Lagermöglichkeiten geschaffen, die alten Anlagen sind abbaubedingt temporärer Natur gewesen.

Anfang der 30er Jahre wurde dem Ammoniakwerk seitens der Preußischen Staatsforstverwaltung gestattet, unter dem staatlichen Gelände westlich des Kohnsteinbruchs Bergbau zu treiben. Es entstanden größere Kammer- und Stollensysteme, die per Werksbahn erschlossen waren. Wirtschaftliches Motiv für den Bergbau war die Gewinnung möglichst reinen Materials, welches gerade in den Herbst- und Wintermonaten trocken gefördert werden konnte. Der weitere Großausbau und Neubau der Systeme ab 1936 im Auftrag des Reichkriegsministeriums im sogenannten Dritten Reich sind über Wifo, Mittel-Nordwerke sowie den weiteren Vorhaben im Sperrkreis B gut dokumentiert.
Autor: nnz

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