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Oben angekommen

Freitag, 18. Februar 2011, 13:21 Uhr
Gestern vor neun Jahren, also am 17. Februar2002, stand der Nordhäuser Bodo Schwarzberg auf dem höchsten Berg Amerikas und außerhalb Asiens, dem 6.962 m hohen Aconcagua in Argentinien. Und daran soll hiermit erinnert werden...

Angekommen (Foto: privat) Angekommen (Foto: privat)

Auf Grund von Höhenkrankheit, die er sich bei einem Besteigungsversuch mit mehreren Sachsen im Jahre 1999 zuzog, musste er damals in 6.500 Meter Höhe umkehren. Dies ließ ihm keine Ruhe, so dass er Ende Januar 2002 eine eigene Bergfahrt zum Aconcagua organisierte. Mit dabei waren eine Leipzigerin und ein Berliner Alpinisten-Paar. Der Berliner war zunächst der einzige der Vierergruppe, dem der Gipfelsieg gelang, allerdings erkauft mit komplett erfrorenen Fingern, deren Rettung erst ein viertel Jahr später feststand. Seine Partnerin erlitt wegen zu wenigen Trinkens beinahe ein Nierenversagen, konnte aber ebenfalls gerettet werden. Beide Berliner mssten damals mit einem Hubschrauber nach Santiago de Chile ausgeflogen werden.

Bodo Schwarzberg kehrte um den 10. Februar 2002 zunächst von einem Gipfelversuch erneut um, Durch einen unbeschreiblichen Sturm in 6.400 m Höhe, bei dem seine Schneebrille von innen (!) vereiste, holte er sich im Zuge der Billenenteisung außerdem an zwei Fingern Erfrierungen zweiten Grades. Seine damalige Bergpartnerin verließ den Berg nach dem Sturm aus "psychischen Gründen" ebenfalls. Bodo Schwarzberg aber gab den Berg diesmal nicht schon wieder verloren. Er stieg ganz nach unten ab, um sich zu erholen und zu akklimatisieren und setzte am 15.2. alles auf eine Karte. Noch mit eiternden, aber im Basislager gut behandelten Fingern, stieg er innerhalb von zwei Tagen zum Gipfel auf, am letzten Tag mit einem Ungarn und einem US-Amerikaner, der auch die Gipfelbilder schoss.

Am 17.2. gegen 18 Uhr sah er das Gipfelkreuz in 6.962 m Höhe unmittelbar vor sich und befestigte an ihm einen Halle-Wimpel, weil er damals in der Saalestadt wohnte. "Halle-Wimpel weht über Südamerika" titelte damals die Mitteldeutsche Zeitung. Der Abstiegsweg bis zum Ausgangspunkt der Expedition am Rande des Nationalparks ist 30 km lang. Unter großem Zeitdruck bewältigte er am kommenden Tag diese Strecke. Mit knapper Not erreichte er dann seinen Rückflugstermin.

Erst fünf Stunden vor dem Abheben kam Schwarzberg in Santiago an. 7 Kilogramm hatte er in den vier Wochen an Gewicht verloren. Was tut man nicht alles für das schöne Gefühl, für zehn Minuten auf dem höchsten Punkt Amerikas zu stehen.
Autor: nnz

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