Die Pflanze von nebenan (2)
Mittwoch, 16. Februar 2011, 07:02 Uhr
Bodo Schwarzberg ist Vorstandsmitglied der BUND-Kreisgruppe Nordhausen und möchte Sie, liebe nnz-Leser, in loser Folge mit unserer heimischen Pflanzenwelt unter dem Titel Die Pflanze von nebenan vertraut machen. Er wird über Pflanzen schreiben, die wohl fast jedem Menschen geläufig sind, aber auch über seltene und vom Aussterben bedrohte Arten in unserer Region.
Es dürfte kaum einen Menschen auf der Welt geben, der noch nie eine Vogel-Sternmiere gesehen hat. Denn auf der ganzen Welt kommt die zur Familie der Nelkengewächse gehörende Pflanzenart vor. Und das fast ausschließlich im Umfeld menschlicher Siedlungen, auf Kulturland mit einem hohen Stickstoffreichtum jedweder Art.
Auf Grund ihres vielfachen Chromosomensatzes weist sie eine große Robustheit gegenüber Umwelteinflüssen und eine ausgesprochene Anpassungsfähigkeit auf.
Explosive Ausbreitung möglich
In kürzester Zeit kann die meist als so genanntes Unkraut angesehene Vogel-Sternmiere offene Stellen besiedeln. Dies liegt zum einen an ihrer enormen Samenproduktion: Eine einzige Pflanze ist in der Lage, bis zu 15.000 Samen zu produzieren. Und dafür ist sie noch nicht einmal auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Die Staubblätter, deren Zahl zwischen 1 und 10 schwankt, können sich zur Narbe neigen, und somit Selbstbestäubung auslösen. Da die Pflanze zudem in der Lage ist, an den Verzweigungsstellen Wurzeln auszubilden und durchaus als Bodenkriecher bezeichnet werden kann, verfügt sie über ein weiteres Werkzeug für eine schnelle Ausbreitung.
Doch damit nicht genug: Da die Vogel-Sternmiere selbst noch unter dem Schnee wachsen und blühen kann, und sich damit von Januar bis Dezember entwickelt, hat sie gegenüber anderen Pflanzenarten einen weiteren Vorteil.
Nicht zuletzt helfen Ameisen bei der Verbreitung der Samen, sowie Vögel, die die Pflanze und ihre Samen gern fressen (Name!), der Mensch durch die Verteilung der Samen bei der Gartenarbeit oder durch ihre Anhaftung an Schuhen.
Hauptmerkmal: eine Haarreihe
Sowohl Stängel, als auch Blütenstiele weisen eine markante Haarreihe auf, an der die Pflanze zweifelsfrei zu erkennen ist. Diese Haarreihe hat eine die Wasserversorgung der Pflanze optimierende Funktion: So können Tautropfen an ihr hinuntergleiten und an den Stängelknoten über spezialisierte Zellen aufgenommen werden. Überschüssiges Wasser gelangt über weitere Haarreihen bis zum Boden.
Heißt auch Hühner- oder Mäusedarm
Diese Bezeichnung rührt aus den oftmals unentwirrbar verschlungenen Stängeln der Pflanze her.
Die Blüten
Die Blüten bestehen, wie bei allen heimischen Nelkengewächsen aus Kelch und Krone mit fünf weißberandeten Kelch- bzw. 5 tief zweiteiligen, schneeweißen Kelchblättern. Auffallend sind die tief violetten Staubbeutel.
Kein Bewegungsmuffel
Sowohl Blätter, als auch Blüten führen Schlafbewegungen aus. Die Blüten öffnen sich bei trockenem Wetter morgens gegen neun Uhr. Bei feuchtem Wetter bleiben die Blüten geschlossen. Auch die Blütenstiele bewegen sich. Nach dem Verblühen werden sie herab geschlagen, um sich zur Fruchtreife wieder aufzurichten. Sind die Samen reif, senken sich die Blütenstiele wieder herab, um das Ausstreuen der Samen zu begünstigen.
Gesunde Ernährung und Helfer der Winzer
Früher galt die heute vielfach als Unkraut verachtete Vogelmiere als beliebte Salatpflanze, deren Geschmack an junge Maiskolben erinnert. Zudem ist kaum bekannt, dass bereits 50 g des frischen Krautes den Vitamin-C-Tagesbedarf eines Menschen decken können. Damit dürfte sie zu den besten Vitamin c-Lieferanten überhaupt gehören. Die Art findet in der Naturheilkunde u.a. bei der Behandlung von Gelenkbeschwerden, sowie innere Anwendung. Sie enthält u.a. Saponine, antioxydativ wirkende Flavonoide und verschiedene Mineralien.
Gute Dienste leistet sie auch Winzern, Gärtnern und Landwirten als dichter Bodendecker, der selbst bei langer Trockenheit den Wasserverlust des Bodens bremsen kann. Andererseits wird sie als lästiger Schädling vor allem im Wintergetreide angesehen und bekämpft.
Wir als BUND setzen uns sehr für den Schutz unserer heimischen Artenvielfalt auf verschiedene Weise ein. Falls Sie sich für unsere Arbeit interessieren: Wir treffen uns an jedem zweiten Dienstag im Monat um 18:30 im Thomas-Mann-Haus, das nächste Mal am 8. 3. 2011.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnzVogel-Sternmiere (Stellaria media)
Weltweit zu finden und Robustheit pur:Es dürfte kaum einen Menschen auf der Welt geben, der noch nie eine Vogel-Sternmiere gesehen hat. Denn auf der ganzen Welt kommt die zur Familie der Nelkengewächse gehörende Pflanzenart vor. Und das fast ausschließlich im Umfeld menschlicher Siedlungen, auf Kulturland mit einem hohen Stickstoffreichtum jedweder Art.
Auf Grund ihres vielfachen Chromosomensatzes weist sie eine große Robustheit gegenüber Umwelteinflüssen und eine ausgesprochene Anpassungsfähigkeit auf.
Explosive Ausbreitung möglich
In kürzester Zeit kann die meist als so genanntes Unkraut angesehene Vogel-Sternmiere offene Stellen besiedeln. Dies liegt zum einen an ihrer enormen Samenproduktion: Eine einzige Pflanze ist in der Lage, bis zu 15.000 Samen zu produzieren. Und dafür ist sie noch nicht einmal auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Die Staubblätter, deren Zahl zwischen 1 und 10 schwankt, können sich zur Narbe neigen, und somit Selbstbestäubung auslösen. Da die Pflanze zudem in der Lage ist, an den Verzweigungsstellen Wurzeln auszubilden und durchaus als Bodenkriecher bezeichnet werden kann, verfügt sie über ein weiteres Werkzeug für eine schnelle Ausbreitung.
Doch damit nicht genug: Da die Vogel-Sternmiere selbst noch unter dem Schnee wachsen und blühen kann, und sich damit von Januar bis Dezember entwickelt, hat sie gegenüber anderen Pflanzenarten einen weiteren Vorteil.
Nicht zuletzt helfen Ameisen bei der Verbreitung der Samen, sowie Vögel, die die Pflanze und ihre Samen gern fressen (Name!), der Mensch durch die Verteilung der Samen bei der Gartenarbeit oder durch ihre Anhaftung an Schuhen.
Hauptmerkmal: eine Haarreihe
Sowohl Stängel, als auch Blütenstiele weisen eine markante Haarreihe auf, an der die Pflanze zweifelsfrei zu erkennen ist. Diese Haarreihe hat eine die Wasserversorgung der Pflanze optimierende Funktion: So können Tautropfen an ihr hinuntergleiten und an den Stängelknoten über spezialisierte Zellen aufgenommen werden. Überschüssiges Wasser gelangt über weitere Haarreihen bis zum Boden.
Heißt auch Hühner- oder Mäusedarm
Diese Bezeichnung rührt aus den oftmals unentwirrbar verschlungenen Stängeln der Pflanze her.
Die Blüten
Die Blüten bestehen, wie bei allen heimischen Nelkengewächsen aus Kelch und Krone mit fünf weißberandeten Kelch- bzw. 5 tief zweiteiligen, schneeweißen Kelchblättern. Auffallend sind die tief violetten Staubbeutel.
Kein Bewegungsmuffel
Sowohl Blätter, als auch Blüten führen Schlafbewegungen aus. Die Blüten öffnen sich bei trockenem Wetter morgens gegen neun Uhr. Bei feuchtem Wetter bleiben die Blüten geschlossen. Auch die Blütenstiele bewegen sich. Nach dem Verblühen werden sie herab geschlagen, um sich zur Fruchtreife wieder aufzurichten. Sind die Samen reif, senken sich die Blütenstiele wieder herab, um das Ausstreuen der Samen zu begünstigen.
Gesunde Ernährung und Helfer der Winzer
Früher galt die heute vielfach als Unkraut verachtete Vogelmiere als beliebte Salatpflanze, deren Geschmack an junge Maiskolben erinnert. Zudem ist kaum bekannt, dass bereits 50 g des frischen Krautes den Vitamin-C-Tagesbedarf eines Menschen decken können. Damit dürfte sie zu den besten Vitamin c-Lieferanten überhaupt gehören. Die Art findet in der Naturheilkunde u.a. bei der Behandlung von Gelenkbeschwerden, sowie innere Anwendung. Sie enthält u.a. Saponine, antioxydativ wirkende Flavonoide und verschiedene Mineralien.
Gute Dienste leistet sie auch Winzern, Gärtnern und Landwirten als dichter Bodendecker, der selbst bei langer Trockenheit den Wasserverlust des Bodens bremsen kann. Andererseits wird sie als lästiger Schädling vor allem im Wintergetreide angesehen und bekämpft.
Wir als BUND setzen uns sehr für den Schutz unserer heimischen Artenvielfalt auf verschiedene Weise ein. Falls Sie sich für unsere Arbeit interessieren: Wir treffen uns an jedem zweiten Dienstag im Monat um 18:30 im Thomas-Mann-Haus, das nächste Mal am 8. 3. 2011.
Bodo Schwarzberg



