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Briefe aus Damp (2)

Donnerstag, 24. April 2003, 09:59 Uhr
Damp/Nordhausen (nnz). In den zurückliegenden Wochen gab es Befindlichkeiten zwischen der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora und der kommunalen Politik in Nordhausen. Auslöser war der Bau eines Wohnhauses. Dazu eine Betrachtung aus dem hohen Norden dieser Republik.


War der genehmigte Neu- oder Erweiterungsbau eines Wohnhauses am Kohnstein nur der Auslöser? Diese Frage zu beantworten, ist müßig. Auf jeden Fall schlugen die Wogen hoch, auch in der nnz wurde dazu rege diskutiert.

Wie aber soll die Wechselwirkung zwischen Gedenkstätte und Kommune beschrieben werden, gibt es diese Wechselwirkung überhaupt? Da muß vielleicht in der Geschichte beider gesucht werden. Ich als Wahl-Nordhäuser habe vermutlich einen anderen Blick auf den Kohnstein, auch auf die Gedenkstätte. Für mich, der seit mehr als zehn Jahre in Nordhausen lebt, ist der Kohnstein immer verbunden mit einem Ort des Grauens, der Unmenschlichkeit, weil: Der perfiden Vernichtung von Menschen durch Arbeit. Aber auch der Aufarbeitung von Geschichte.

Für die Menschen, die ihr Leben lang in Nordhausen wohnen und arbeiten ist der Blick, und das machten viele Gespräche in den zurückliegenden Tagen und Wochen noch einmal sehr deutlich, ein etwas anderer. Das mag an der bewusst erlebten Geschichte von 1945 bis 1990 liegen. Warum gab es da einen Hundesportplatz? Warum gingen die Familien mit ihren Kindern oder Enkeln so unbedarft dort spazieren, wo einst das KZ etabliert war? Wie viele Nordhäuser kannten denn die tatsächlichen Ausmaße, die Grenzen des KZ? Gab es wirklich Grenzen des Grauens?

Seit zwei Jahren genau wird auf diesen Umstand verstärkt aufmerksam gemacht. In drei Jahren soll das territoriale Ausmaß, soll das Ausmaß der Unmenschlichkeit erlebbar gemacht sein. Nicht nur durch ein Lern- und Dokumentationszentrum. Und bis dahin?

Bis dahin sollte es möglich und machbar sein aufeinander zuzugehen. Die Leitung der Gedenkstätte muß sich mit ihren Intentionen den Nordhäusern nähern. Sie muß sich offenbaren, damit die Nordhäuser der Gedenkstätte wieder nähern können, auch um zu verstehen. Wenn das nicht gelingt, dann wird die KZ-Gedenkstätte letztlich für viele Menschen in und um Nordhausen ein Areal „irgendwo da in der Nähe der Stadt sein“. Die Annäherung wird sich sensibel gestalten müssen, erste Möglichkeiten wurden angenommen. Auch die Ausrichtung der Annäherung auf die Jugend ist richtig, doch was geschieht mit den Eltern der jungen Menschen? Für viele dieser Generation gibt es mit dem Namen Nordhausen noch immer solche Synonyme wie den Doppelkorn, die IFA, den Kautabak oder den Roland...
Autor: psg

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