nnz-online

Problem: Bachelor und Master

Dienstag, 18. Januar 2011, 12:48 Uhr
Neue Studienformen wie Bachelor und Master kämpfen trotz einer guten Akzeptanz in der Wirtschaft noch immer mit fehlendem Praxisbezug. Diese Ergebnisse bescheinigt eine aktuelle bundesweite Umfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK), an der sich auch zahlreiche Unternehmen aus Mittel- und Nordthüringen beteiligten...


Zudem fällt den Absolventen oftmals die Integration in das Berufsleben aufgrund mangelnder sozialer und persönlicher Kompetenzen schwer. „Die Erwartungshaltungen der Unternehmen an die verkürzten Studienmodelle sind hoch, schließlich werden dringend neue Fachkräfte benötigt“, so der Erfurter IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Inzwischen könnten immer mehr Unternehmen in Thüringen bereits auf Erfahrungen mit Bachelor- und Masterabsolventen verweisen. Dabei zeige sich die Mehrheit durchaus zufrieden über den Nachwuchs.

„Für 71 Prozent der befragten Betriebe erfüllten sich die Erwartungen an die Hochschulabgänger weitestgehend“, stellt Grusser fest. Dies könne aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Wirtschaft noch immer dringenden Reformbedarf in einigen Fachrichtungen sieht, die zu viele theoretische Inhalte aufweisen.

Die Umfrage mache insbesondere deutlich, dass die Personalleiter auch Defizite im sozialen Bereich kritisieren: „14 Prozent der befragten Thüringer Betriebe geben mangelnde soziale und persönliche Kompetenzen, wie Kommunikations- und Teamfähigkeit, Flexibilität, Belastbarkeit und Mobilität an, während nur neun Prozent fehlende praktische Erfahrungen beklagen“, fasst der IHK-Chef zusammen.

Vor allem während der Probezeit würden offensichtliche Mängel meist zur Auflösung des Vertrages führen. Dabei wären die Gründe für das Scheitern sehr differenziert: „Sie reichen von der ungenügenden Umsetzung der im Studium erworbenen Kenntnisse in der Unternehmenspraxis bis zu Leistungsdefiziten aufgrund von Selbstüberschätzung des neuen Mitarbeiters“, zählt Grusser auf. Er schlägt daher vor, weiterhin an der besseren Verknüpfung des Studiums mit der betrieblichen Praxis zu arbeiten. Dazu gehörten Pflichtpraktika, Projektarbeiten ab dem 1. Semester, Seminare mit Unternehmern und ein intensiver Austausch zwischen Hochschule und Wirtschaft über Lehrinhalte.

„Die Umfrageergebnisse zeigen noch immer Reformbedarf an deutschen Universitäten und Fachhochschulen auf. Grundsätzlich sind die verkürzten Studienzeiten aber im Sinne der Wirtschaft“, betont der IHK-Hauptge-schäftsführer. Zudem könnten sich Bachelor-Absolventen auch nach einer Phase der Berufstätigkeit zum Master weiterqualifizieren.

Fest stehe aber auch, dass es zum „Bummel-Studium“ vergangener Zeiten kein Zurück geben dürfe. Nur wenn schon während des Studiums Theorie und Praxis optimal miteinander verbunden sind, könne das Bologna-Ziel einer verbesserten Beschäftigungsfähigkeit von Hochschulabsolventen erreicht werden.
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de