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Auch der Wald verändert sich

Mittwoch, 02. April 2003, 07:16 Uhr
Nordhausen (nnz). Kennen Sie die Klosterkammer Hannover? Nein? Die Kammer bewirtschaftet Wald, im Landkreis Nordhausen zum Beispiel 1.600 Hektar. Jetzt gab es eine Beratung.


Grün Die privaten und gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald haben sich erheblich verändert. Ihr Ausgleich im Rahmen der Forstpolitik birgt erhebliches Konfliktpotenzial. Der Wald befindet sich im Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Industrie. Ausgehend von diesen Eckpunkten beschrieb Professor Dr. Dr. h. c. Gero Becker von der Universität Freiburg auf dem diesjährigen Klosterkammertag im Kloster Wennigsen am Deister die neuen Herausforderungen, vor denen die deutschen Forstbetriebe heute stehen. Rund 300 Gäste aus allen gesellschaftlichen Bereichen Niedersachsens sowie Forstfachleute aus ganz Deutschland und Österreich informierten sich darüber.

Globalisierung und niedrige Holzpreise auf der einen und gestiegene Ansprüche von Bevölkerung und Gesetzgeber hinsichtlich Erholung und anderer Infrastrukturleistungen an den Wald auf der anderen Seite zwingen zum Umdenken.
Der Forstbetrieb der gastgebenden Klosterkammer Hannover bewirtschaftet in Niedersachsen 24.500 Hektar und im Landkreis Nordhausen 1.600 Hektar Wald. Damit ist er bundesweit einer der größten erwerbswirtschaftlich ausgerichteten Forstbetriebe. Zielsetzung in der Waldbewirtschaftung ist es, für den Erhalt der Vermögenssubstanz des Klosterfonds die nachhaltige Ertragskraft des Waldes zu wahren, aber auch möglichst hohe Reinerträge zu erzielen.

Die Bewirtschaftung des Waldes dient einem übergeordneten Zweck, nämlich „zur Erfüllung der kulturellen, geistlichen, und mildtätigen Zwecke Erträge zu erwirtschaften und die Vermögenssubstanz leistungsfähig zu erhalten“, wie es durch den Niedersächsischen Staatsgerichtshof im Jahre 1972 als Aufgabe der Klosterkammer festgestellt wurde.

Dieser Aufgabe gerecht zu werden wird nicht nur für den Klosterkammerforstbetrieb immer schwieriger. In Deutschland habe man sehr hohe Umweltstandards, die man einhalten müsse, war von Dr. Klaus Merker, einem der beiden Klosterforstbetriebsleiter, zu hören. Bisher habe man sich erfolgreich den Anforderungen gestellt. Man dürfe jedoch nicht stehen bleiben, sondern müsse permanent nach neuen Geschäftsfeldern Ausschau halten.

Bei der Vermarktung der Jagd sei dies laut Merker bereits gelungen. Wassergewinnung und andere Umweltleistungen, die zwar vom Waldbesitz bereitgestellt werden, deren Ertrag aber bisher anderen Institutionen und Betrieben zugute komme, sollen hinzukommen. Dies sei unumgänglich, um dem gemeinnützigen und gesetzlich gegebenen Stiftungszweck des Klosterfonds zu entsprechen. Auch die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum werde dadurch gewährleistet.

Besonders bei der bisher kostenlosen Bereitstellung der so genannten Infrastrukturleistungen des Waldes, wie zum Beispiel Wasser, Erholung, saubere Luft und bei den verschiedenen Schutzfunktionen müsse ein Umdenken erfolgen. Die dadurch bedingten Rücksichten und Ertragsausfälle könne der Waldbesitzer derzeit nicht mehr allein aus dem Holzverkauf finanzieren.
Autor: nnz

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