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Ehrgeiziges Ziel

Mittwoch, 15. Dezember 2010, 09:00 Uhr
Ab dem 1. Juli soll auf dem Abfallwirtschaftszentrum in Nentzelsrode eine neue Ära beginnen. Wieder einmal. Diesmal könnte jedoch ein Weg für die Zukunft eingeschlagen werden. Die nnz mit einer Bestandsaufnahme des Biomülls in Nordthüringen...


Zurück erst einmal zum gestrigen Kreistag. Dort beschlossen die kommunalen Entscheidungsfinder- und träger, dass die Lichter zur Behandlung des Abfalls aus Nordthüringen nicht gänzlich ausgehen. Wir erinnern uns: Remondis, der Entsorgungsgigant, hatte angekündigt und durch Zweckverband Abfallwirtschaft Nordthüringen (ZAN) beschließen lassen, dass die Kugelmühle und damit die Sortieranlage abgeschaltet und stillgelegt werden sollen - aus Kostengründen. Im Archiv der nnz ist jedoch auch von eventuell anderen Motiven zu lesen.

Das hätte defacto bedeutet, dass der komplette Restabfall aus allen Nordthüringer Landkreisen nicht mehr aufbereitet und zu "Geld" gemacht wird, sondern in die Verbrennungsanlagen von Remondis geleitet wird. Aber - auf dem Gelände in Nentzelsrode steht noch eine biologische Restabfallbehandlungsanlage (BRA). Die gehört dem Technologieverbund Nentzelsrode GmbH (TVN) und ist quasi stillgelegt.

Und genau diese Anlage soll nun umgebaut werden, sagt der Geschäftsführer der Südharz-Werke, Thomas Mund, der nnz. Fachleute hätten bestätigt, dass sich die vorhandene BRA "grundsätzlich" für die Aufbereitung von Bioabfall eignen könnte. Und ganz vorsichtig wollen die Fachleute, die sich in einer Projektgruppe unter Leitung von Mund und Landrat Joachim Claus (CDU) vereinigt haben und heute das erste Mal treffen, an das neue Konzept und den Umbau der Anlage herangehen. Vorsichtig bedeutet auch, dass es einen modularen Um- und Aufbau geben soll mit dem ehrgeizigen Ziel, am 1. Juli 2011 mit der Behandlung des Bioabfalls zu beginnen. Dazu muss ein sechsstelliger Euro-Betrag in die kommunale Hand genommen werden, der eher in Richtung Million geortet werden kann.

Dann, eventuell zur Jahresmitte, kann der Bioabfall aus den braunen Tonnen des Landkreises Nordhausen vor Ort in Nentzelsrode verarbeitet und muss nicht mehr in Richtung Hall transportiert werden. Aus dem Biomüll kann zum Beispiel Kompost erzeugt werden, eventuell auch Biogas.

Modular bedeutet aber auch, dass die umgebaute BRA so konzipiert ist, dass sie erweitert werden kann. Denn zum ZAN gehören auch der Landkreis Eichsfeld und der Unstrut-Hainich-Kreis (der Kyffhäuserkreis kompostiert selbst). Deren Haushalte haben aber noch keine braune Tonne, die kippen den Biomüll in den Restmüll. Momentan sehen die politischen Abfallverantwortlichen im Landkreis Nordhausen keinerlei Avancen der Eichsfelder, sich in die braune Tonne zu "verlieben". Allerdings könnte der gesetzgeberische Druck in den kommenden Monaten sie zum Umdenken zwingen.

Darauf will man in Nentzelsrode vorbereitet sein und auf dem Abfallwirtschaftszentrum nicht nur Kosten "produzieren", sondern auch Erlöse zu erwirtschaften. Die sind dringend notwendig, wenn die bis jetzt vollzogene Kommunalisierung des Abfalls im Landkreis Nordhausen ihrem eigentlichen Ziel gerecht werden soll: Die Gebühren für die Bürger so niedrig wie möglich zu halten.

Der Anfang ist gestern und in den Monaten zuvor gemacht worden. Ach ja, dann wird auch endlich eine Gesellschaft von der Bildfläche verschwunden sein, die einst der Stern der innovativen Abfallbehandlung sein sollte und die dann wie ein Ascheregen danieder zu gehen drohte: Die TVN.
Autor: nnz

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