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Gibt es noch einen Kompromiß für Spätaussiedler?

Dienstag, 23. Januar 2001, 11:17 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Vertrag zur Betreibung eines Heimes für Spätaussiedler in Nordhausen wird nicht mehr rückgängig gemacht. Das soll gestern im nichtöffentlichen Teil der Sitzung des Kreisausschusses beraten worden sein. Eine Verlängerung für den Standort am Hüpedenweg sei spätestens bis zum 31. März 2001 möglich (nnz berichtete mehrfach). Mit der Vergabe an eine auswärtige Betreibergruppe setzt der Kreistag die bisherige Arbeit des Jugendsozialwerkes am Standort Hüpedenweg aufs Spiel. Denn noch immer ist nicht klar, wo die Spätaussiedler betreut werden, wo sie wohnen sollen. Da war der Strohmühlenweg ebenso im Gespräch wie die Karl-Meyer-Straße in Nordhausen Ost. Fakt ist, daß die Betreibergruppe unglaublich günstige Konditionen von der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (SWG) erhalten hat. Mit diesem finanziellen Argument im Rücken schlugen sie alle anderen Interessenten, darunter auch das Jugendsozialwerk, aus dem Rennen. Das Angebot von "K + S" soll nach nnz-Informationen für einen Zeitraum von zwei Jahren um 190.000 Mark unter den anderen Angeboten gelegen haben. Sozialexperten des Landkreises und der Stadt Nordhausen fragen sich schon längere Zeit, wie mit diesem Minimum an Aufwand eine qualitative Unterbringung und Betreuung der Menschen möglich sei?
Doch vergeben ist vergeben. Verantwortlich dafür ist beim Kreistag eine Vergabekommission, in anderen Landkreisen sind es entsprechende Ausschüsse oder Unterausschüsse. Nicht so im Landkreis Nordhausen. Hier gibt es jene Kommission, bestehend aus fünf Kreistagsmitgliedern und fünf Vertretern der Verwaltung. Die PDS-Fraktion im Kreistag hatte sich bereits im vergangenen Jahr gegen diese Praxis ausgesprochen, die der Kreistag allerdings so beschlossen hatte. Noch eher tat das Jürgen Hohberg als Mitglied der CDU-Kreistagsfraktion. Er hatte sich bereits in einer Anfrage an den Kreistag vom 24. Oktober gewandt und bat um Aufklärung. Mit der Antwort der Kreisverwaltung gab er sich nicht zufrieden.
Quer durch die Fraktionen im Kreistag kommt Unbehagen auf, wenn bei Vergaben sozial schwache Menschen mittel- oder unmittelbar berührt werden, wenn gerade da die politische Einflußnahme eingeschränkt sei. Nun ist die Politik wieder am Zuge. Warum soll ein bestehendes Übergangswohnheim für Spätaussiedler künftig ungenutzt bleiben? Diese Frage muß in den kommenden Wochen beantwortet werden. Am Hüpedenweg gebe es nicht nur vorhandene Strukturen, sondern vor allem eine funktionierende Akzeptanz und Integration der Aussiedler in das Umfeld in Niedersalza. Alle anderen Standorte seien sozial unverantwortlich, sind sich Kenner der Szene in Nordhausen einig. Vermutlich aber nicht die Mitglieder jener Vergabekommission, die auf der Seite der Verwaltung zu finden sind.
Autor: nnz

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