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Es war bittere Realität

Dienstag, 14. Dezember 2010, 10:51 Uhr
310 Mitglieder zählt derzeit der Nordhäuser Sportverein Karate-Do-Kwai. 43 Prozent davon sind Frauen. Viele von ihnen üben Verteidigungstechniken in der Saco-Gruppe. Wie sinnvoll das sein kann, zeigt ein Vorfall, der sich vor Jahren zutrug. Ein Bericht von Kurt Frank.

Abwehrtechniken (Foto: Kurt Frank) Abwehrtechniken (Foto: Kurt Frank)
Elfriede Strauß ließ sich vom Meister der Karate und Cheftrainer, Frank Pelny, Techniken der Selbstverteidigung zeigen. Dieser moderne realitätsbezogene Sport kann unabhängig von Geschlecht, Alter, Dehnung und Konstitution erlernt werden

Kein fiktives Szenario wie im Training geübt, bittere Realität war es: Es geschah auf dem Heimweg. In der Abendstunde. Im Stadtpark. Aus einem Gebüsch kam einer schon etwas älteren Frau ein Mann entgegen. In böser Absicht. Um die 30 mochte er sein. Stämmig. Barsch forderte er sie auf, ihm ihre Geldbörse auszuhändigen. Und drohte ihr Gewalt an. Der Täter sah aber kein vor Angst schlotterndes Opfer vor sich. Mit fester Stimme antwortete die Frau: „Keinen Schritt näher!“ Entschlossen stand sie vor ihm. Den linken Fuß leicht vorgesetzt, die linke Hand stoppend ausgestreckt, die rechte Hand schlagbereit vor den Körper gezogen. Verunsichert hielt der Bösewicht inne und verschwand. Vielleicht war das sein Glück.

Die Dame hatte sich im Karate-Do-Kwai Nordhausen in zahlreichen Übungsstunden effektive Verteidigungstechniken angeeignet. Mit dem Cheftrainer Frank Pelny (5. Dan) übte dieser Tage im Mehrgenerationenhaus auch Elfriede Strauß Verteidigungstechniken. Strauß ist über 70. Aggressive Menschen schreckten heutzutage vor keiner Schandtat mehr zurück, begründete sie ihren Mut. Sich ihrer im Ernstfall effektiv erwehren zu können, sei sinnvoll

Attraktiv ist das Angebot des Sportvereins Karate-Do-Kwai Nordhausen. Für jedes Alter und für jeden Geschmack. Über Karate (Kampfkunst), Karate-Aerobic (Techniken aus dem Karate in Verbindung mit moderner Musik und Aerobic-Elementen), Qi-Gong (Gesundheit), Saco (Selbstverteidigung), Kobudo (Waffen-Karate) bis hin zu Ninja-Kids (Kinder-Mini-Sport) spannt sich der Bogen. Mit 71 Jahren ist Annemarie Brußig die älteste Sportlerin. Die Aerobic hat es ihr angetan. Seit neun Jahren mache sie rege mit. Sportlich sei sie schon immer gewesen, gehe auch mit einer Gruppe wandern. Auch im Alter sollte man je nach Verfassung etwas für seine Gesundheit tun, ist sie überzeugt.

Die Trainingseinheiten werden von ausgebildeten und lizenzierten Übungsleitern durchgeführt. Für Mädchen und Frauen ist Selbstverteidigung empfehlenswert. Saco hält fit, hilft auch gegen Pfunde, stärkt das Selbstvertrauen, vor allem aber hilft es im Ernstfall. Das Training steigert die Fitness. Die Beherrschung der Techniken hilft, gefährliche Situationen richtig einzuschätzen. Schon wenige effektiv ausgeführte und wirkungsvolle Saco-Techniken können helfen, sich zudringliche Personen vom Leibe zu halten.

Es bleibt dann immer noch Zeit, eventuell wegzulaufen oder um Hilfe zu rufen. Claudia Pelny (27), die zurzeit in Fürth wohnt, brachte es bis zum Schwarzgurt (1.Dan). Doreen Schilling, die 24-Jährige aus Sollstedt, erkämpfte den Schwarzgurt in Kobudo. Männer sollten sichihnen nicht in böser Absicht nähern. Bei beiden war aber keine körperliche Bedrohung der Auslöser, eher das Interesse am Kampfsport.

Verdienstvolle Sportler brachte der Karate-Do-Kwai unter seinem Cheftrainer Frank Pelny hervor. Hagen Walter, der in Jena studiert, wurde in diesem Jahr zweifacher Deutscher Meister in Kobudo und Deutscher Vizemeister in verschiedenen Kategorien. Annemarie Brußig rät Mädchen und Frauen, Ängste zu überwinden und erst einmal einen kostenlosen Schnupperkurs zu besuchen.
Kurt Frank
Autor: nnz

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