nnz-Chronik: Goldfische im Nordhäuser Stadtpark
Samstag, 20. Januar 2001, 11:21 Uhr
Nordhausen (nnz). Das Gelände zwischen der Parkallee und der Zorge war noch in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein mit Weidengebüsch bewachsenes versumpftes Flußgebiet, das bei Hochwasser ständig unter Wasser stand und sonst als Schafweide genutzt wurde. Die Parkallee (früher Crimderöder Chaussee, Kastanienallee) baute die Stadt Nordhausen im Jahre 1845 vom Altentor bis an die Hannoversche Grenze mit einem Kostenaufwand von rund 4560 Talern aus. Dafür erhielt die Stadt das Recht, an der Straße eine Chausseegeldhebestelle einzurichten. Zu diesem Zweck ließ im sie selben Jahr das heute noch vorhandene Chausseehaus (Zollhäuschen) erbauen.Im Jahre 1832 trat der Kaufmann Kettembeil an den Magistrat der Stadt mit der Bitte heran, ihm das Gelände zwischen Zorge und Crimderöder Chaussee zu überlassen, um darauf Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht anzupflanzen. Er hatte bereits damit guten Erfolg in seinem Garten auf dem Petersberg, da wo heute die Petersbergschule steht. Nun wollte er die Zucht in größerem Maße betreiben. Der Magistrat lehnte die Bitte mit der Begründung ab, daß die Stadt bereits vor drei Jahren begonnen hat das Gelände mit Weiden und Pappeln zu bepflanzen. Diese wären billiger als die Maulbeerbäume und gäben für die Kämmereikasse einen besseren Ertrag. Außerdem war man nicht bereit, die Schafweide zu beschränken. Die wenigen mächtigen Schwarzpappeln im Stadtpark sind aus dieser Zeit.
Das wilde Flüßchen Zorge lenkte zunehmend die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich. Ihre Fluten drangen immer mehr in Richtung Crimderöder Chaussee, im Laufe der Zeit hatte sich hier sogar ein neuer Flußlauf gebildet, wodurch ein Teil des Geländes in eine Insel verwandelt wurde. Nach anhaltendem Regen im Dezember 1854 trat der Fluß aus seinem Bett und überschwemmte das Gebiet des heutigen Stadtparks und unterspülte sogar die Crimderöder Chaussee. Dieses Ereignis war Veranlassung, daß der damalige Stadtrat Karl Hartmann der Stadtverwaltung den Plan vorlegte, die Insel zu durchstechen und längs der Zorge vom Wehr bis nahe an die Altendorfer Brücke einen Damm aufzuwerfen. Dem Vorschlag wurde zugestimmt, die finanziellen Mittel in Höhe von 300 Talern bewilligt. Der Bau des Dammes erfuhr jedoch vorerst ein jähes Ende, als am 21. und 22. Juli 1850 durch einen wolkenbruchartigen Regen der noch nicht vollendete Damm weggespült wurde. Nochmals mußten Gelder aufgebracht werden, um den Dammbau zu vollenden. Andere Projekte, wie der Traversenbau des Königlichen Baurats Wurfbein erwiesen sich als untauglich, verschlangen aber Unmengen von finanziellen Mitteln (20.148 Taler).
Der Damm (Hartmanndamm) ermöglichte das Anlegen eines Stadtparks. Ab 1880 arbeitete man planmäßig an der Parkanlage. Viel Mühe, Arbeit und Geld waren notwendig, um die Wildnis in ausgedehnte Anlagen mit Blumengruppen, Rasen- und Waldflächen zu verwandeln. Tausende Bäume und Sträucher wurden gepflanzt, Wege und Teiche angelegt. Einst belebten Goldfische und Schwäne die Parkteiche. Den oberen Teich (ehemals Gondelteich) zierte ein Springbrunnen. Eine besonders schöne Anlage war der Schillerhain mit der Schillerlinde und der Schillerbank. Die Bank war angefertigt aus Granit vom Brocken. Die Rückenlehne war mit einem Schillermedaillon geschmückt. Außerdem stehen im Stadtpark die sogenannte Reformatorenbank (mit der Lutherlinde) sowie ein Granitstein (Nähe Kinderheim) zum Andenken an den Arzt Dr. Hasse, der sich große Verdienste um die Anlage der Kohnsteinallee erworben hat und Mitbegründer des Nordhäuser Harzklubvereins war. Am 14 ha großen Stadtpark wurde lange Jahre gebaut, immer wieder gab es Verbesserungen, mußten Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden.
Das Aussehen des Stadtparks mit seinen Teichen und wertvollen Baumbestand hat sich verändert. In der schlimmen Sturmnacht im Juni 1980 wurde der Park stark in Mitleidenschaft gezogen. Dem Betrachter bot sich am Tag danach ein verheerender Anblick. Viele der alten Bäume waren entwurzelt oder geknickt, die Tiergehege stark beschädigt. Es bedurfte großer Anstrengungen, um die Schäden zu beseitigen. Neue Bäume mußten gepflanzt, die Wege wieder begehbar gemacht werden. Im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wurden 1995/96 die Teiche entschlammt und Verschönerungsarbeiten durchgeführt. In diesem Jahr wurde der Baumbestand aufgefrischt, auch fremdländische Gehölze. Der Nordhäuser Stadtpark erfuhr eine Aufwertung, er ist wieder attraktiver geworden. Er ist mit seinem Tiergehege und Volieren für viele Menschen eine Stätte der Erholung und Entspannung.
