nnz-Glosse: Handykauf ist Vertrauenssache-Trau' keinem!
Freitag, 19. Januar 2001, 19:50 Uhr
Also, liebe Lesergemeinde, ich hatte es getan. Und zwar im abgelaufenen Jahrtausend. Da wühlte und schwitzte ich mich durch die hurrapatriotischen Anweisungen á la: "So schnell machst du uns reich - fang endlich zu wählen an und hör' nicht wieder auf." Glücklich und voller neuem technischen Selbstvertrauen installierte ich meine PIN-Nr., aktivierte die Karte, ließ mich irgendwo in den unendlichen Weiten der Funklöcher registrieren und testete das Gerät. Ging alles gut. Prima!
Zwei Wochen später fiel mir das neue Spielzeug wieder ein und einer plötzlichen Eingebung folgend, probierte ich ein Telefonat zu führen. Bald hatte ich herausgefunden, dass ich weder telefonieren noch auf dem Mobile angerufen werden konnte. Zutiefst verdrossen und schwer verunsichert in meine elektrotechnischen Fähigkeiten suchte ich den Fachhändler meines Vertrauens auf, der mir schon nach wenigen Tests bereitwillig bestätigte, was ich schon wusste - es ging nichts mehr.
Nun begann die lange Reise meines Konsumgutes in die Werkstatt einer großen deutschen Firma. Schon wenige Wochen später durfte ich wieder vorsprechen und traf erneut auf mein defektes Telefon. "Macht nichts", wusste der Händler zu berichten, "dann schicken wir es nochmals ein." Was soll ich sagen, zwei Wochen später ging das arme Gerät zum dritten Male auf die Reise. Der stets freundliche Fachhändler überzeugte mich bei meinem nächsten Besuch davon, dass ich nun ein neues funktionstüchtiges Handy hätte. Allerdings stellte sich heraus, dass es genau so aussah wie das alte und ebenso funktionierte. Jetzt kam der gute Mann ins Grübeln, während ich an Brandsätze dachte, die durch geschlossene Fenster fliegen. Die Erleuchtung kam aber schneller, als meine Fantasie sich den brennenden Elektronikmarkt ausmalen konnte. Denn nun überraschte mich der Einzelhandelskaufmann mit der Mutmaßung, es läge vielleicht gar nicht am Gerät, sondern an der Karte. Frohgelaunt ruft er daraufhin bei den Verwaltern der Karte an und erfährt ziemlich rasch, dass meine Registrierung den Weg alles Irdischen gegangen und fortan hundertprozentig offline war. Natürlich konnte mir das niemand mitteilen, weil ich ja nicht erreichbar war. Wir schreiben eine neue Registrierungskarte aus und er schickt ein Fax los. In ein bis zwei Stunden wäre mein kleiner Freund freigeschaltet und betriebsbereit, wusste der umtriebige Verkäufer mir glaubhaft zu versichern und komplimentierte mich aus seinem Etablissement. Zwei Stunden später stellte ich innerlich gefasst fest, dass die Uhren bei den Handy-Vertragsanbietern anders gehen als hier und gab den sicherlich schwer arbeitenden Angestellten großzügig einen Tag Aufschub. Leider konnten sie ihn nicht nutzen, was mich veranlasste nun doch mit meinem Zweitgerät die im Anleitungsheft gut versteckte Servicenummer für Störfälle zu kontakten. Eine freundliche Stimme führte mich minutenlang durch die Optionen: Drücken Sie die 1 für alle Informationen zu den aktuellen Handys, drücken Sie die 2 für alle Informationen zu den brandaktuellen Handys, drücken Sie die 3 für weitere Informationen zu den topaktuellen brandaktuellen Handys. Schon die Ziffer 9 bot mir ein Gespräch mit dem Service-Team an, das leider schon mit anderen Teilnehmern beschäftigt war oder aber den Hörer neben den Apparat gelegt hatte. In meiner Not erinnerte ich mich der Fax-Nummer vom Vortag, setzte ein Schreiben auf, in welchem ich ziemlich unmissverständlich die Freischaltung meiner Nummer forderte, weil es mir zu umständlich erschiene, zwei Löcher durchzubohren und es als Uhr an einer Kette um den Hals zu tragen. Nur geringfügig verblüfft hielt ich einige Minuten später ein fünfseitiges Fax in Händen, das mir erneut die Vorzüge der konzerneigenen Tarife schmackhaft machen wollte und weitere Faxmitteilungen androhte. In meinem zweiten Anschreiben wurde ich daraufhin etwas deutlicher, erwähnte rückseitige Körperöffnungen, durchforstete den mir zur Verfügung stehenden Wortschatz aus der Tierwelt und schickte das Papier umgehend ab. Nach einer schlaflosen Nacht mit den Fingern an der Tastatur kann ich seit heute Morgen wieder mit dem corpus delicti telefonieren.
Und ist es nicht immer wieder erstaunlich, wie auch ganz kleine Freuden das Leben bereichern können? Ich hatte einen erfolgreichen Tag. Gute Nacht!
Autor: oschZwei Wochen später fiel mir das neue Spielzeug wieder ein und einer plötzlichen Eingebung folgend, probierte ich ein Telefonat zu führen. Bald hatte ich herausgefunden, dass ich weder telefonieren noch auf dem Mobile angerufen werden konnte. Zutiefst verdrossen und schwer verunsichert in meine elektrotechnischen Fähigkeiten suchte ich den Fachhändler meines Vertrauens auf, der mir schon nach wenigen Tests bereitwillig bestätigte, was ich schon wusste - es ging nichts mehr.
Nun begann die lange Reise meines Konsumgutes in die Werkstatt einer großen deutschen Firma. Schon wenige Wochen später durfte ich wieder vorsprechen und traf erneut auf mein defektes Telefon. "Macht nichts", wusste der Händler zu berichten, "dann schicken wir es nochmals ein." Was soll ich sagen, zwei Wochen später ging das arme Gerät zum dritten Male auf die Reise. Der stets freundliche Fachhändler überzeugte mich bei meinem nächsten Besuch davon, dass ich nun ein neues funktionstüchtiges Handy hätte. Allerdings stellte sich heraus, dass es genau so aussah wie das alte und ebenso funktionierte. Jetzt kam der gute Mann ins Grübeln, während ich an Brandsätze dachte, die durch geschlossene Fenster fliegen. Die Erleuchtung kam aber schneller, als meine Fantasie sich den brennenden Elektronikmarkt ausmalen konnte. Denn nun überraschte mich der Einzelhandelskaufmann mit der Mutmaßung, es läge vielleicht gar nicht am Gerät, sondern an der Karte. Frohgelaunt ruft er daraufhin bei den Verwaltern der Karte an und erfährt ziemlich rasch, dass meine Registrierung den Weg alles Irdischen gegangen und fortan hundertprozentig offline war. Natürlich konnte mir das niemand mitteilen, weil ich ja nicht erreichbar war. Wir schreiben eine neue Registrierungskarte aus und er schickt ein Fax los. In ein bis zwei Stunden wäre mein kleiner Freund freigeschaltet und betriebsbereit, wusste der umtriebige Verkäufer mir glaubhaft zu versichern und komplimentierte mich aus seinem Etablissement. Zwei Stunden später stellte ich innerlich gefasst fest, dass die Uhren bei den Handy-Vertragsanbietern anders gehen als hier und gab den sicherlich schwer arbeitenden Angestellten großzügig einen Tag Aufschub. Leider konnten sie ihn nicht nutzen, was mich veranlasste nun doch mit meinem Zweitgerät die im Anleitungsheft gut versteckte Servicenummer für Störfälle zu kontakten. Eine freundliche Stimme führte mich minutenlang durch die Optionen: Drücken Sie die 1 für alle Informationen zu den aktuellen Handys, drücken Sie die 2 für alle Informationen zu den brandaktuellen Handys, drücken Sie die 3 für weitere Informationen zu den topaktuellen brandaktuellen Handys. Schon die Ziffer 9 bot mir ein Gespräch mit dem Service-Team an, das leider schon mit anderen Teilnehmern beschäftigt war oder aber den Hörer neben den Apparat gelegt hatte. In meiner Not erinnerte ich mich der Fax-Nummer vom Vortag, setzte ein Schreiben auf, in welchem ich ziemlich unmissverständlich die Freischaltung meiner Nummer forderte, weil es mir zu umständlich erschiene, zwei Löcher durchzubohren und es als Uhr an einer Kette um den Hals zu tragen. Nur geringfügig verblüfft hielt ich einige Minuten später ein fünfseitiges Fax in Händen, das mir erneut die Vorzüge der konzerneigenen Tarife schmackhaft machen wollte und weitere Faxmitteilungen androhte. In meinem zweiten Anschreiben wurde ich daraufhin etwas deutlicher, erwähnte rückseitige Körperöffnungen, durchforstete den mir zur Verfügung stehenden Wortschatz aus der Tierwelt und schickte das Papier umgehend ab. Nach einer schlaflosen Nacht mit den Fingern an der Tastatur kann ich seit heute Morgen wieder mit dem corpus delicti telefonieren.
Und ist es nicht immer wieder erstaunlich, wie auch ganz kleine Freuden das Leben bereichern können? Ich hatte einen erfolgreichen Tag. Gute Nacht!
