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Dagegen ist ein Kraut gewachsen

Montag, 29. November 2010, 13:55 Uhr
Das wenige Sonnenlicht der Herbst- und Wintermonate schlägt vielen Menschen auf das Gemüt. Umfragen zufolge leiden rund zwei Drittel der Deutschen in der kalten Jahreszeit unter Stimmungsschwankungen. Neben Sport und Spaziergängen können auch Präparate mit Johanniskraut gegen Winterdepressionen helfen...


Thüringens Apotheker raten jedoch, Präparate mit der Heilpflanze nicht ohne eine vorherige Beratung einzunehmen. "Bei der saisonal abhängigen Depression, die vor allem in den dunklen Monaten auftritt, handelt es sich um den sogenannten Winterblues", erklärt Apothekerin Julie Garke, Pressesprecherin der Nordhäuser. "Der Lichtmangel führt dazu, dass der Körper den Botenstoff Serotonin nicht mehr ausreichend produziert. Die Betroffenen fühlen sich niedergeschlagen und antriebslos." Erhöhtes Schlafbedürfnis und gesteigerter Appetit können weitere Symptome sein.

Pflanzliche Präparate mit Johanniskrautextrakt können bei leichten depressiven Störungen helfen. "Die Arzneimittel sind ohne Rezept in Apotheken erhältlich", sagt Garke. "Damit sich die stimmungsaufhellende Wirkung auch voll entfalten kann, ist es wichtig, das Mittel ausreichend hoch zu dosieren. Nahrungsergänzungsmittel sind oftmals wirkungslos, weil sie unterdosiert sind." Die Einnahmeempfehlungen liegen bei 600 bis 900 Milligramm standardisiertem Extrakt pro Tag. Die Wirkung von Johanniskraut setzt in der Regel erst nach circa zwei bis vier Wochen ein; die entsprechenden Präparate müssen regelmäßig angewendet werden.

Garke rät, sich vor der Einnahme in einer Apotheke beraten zu lassen: "Arzneimittel mit Johanniskraut sind nicht für jeden geeignet", so Garke. "Wer andere Medikamente einnimmt, muss womöglich mit Wechselwirkungen der Präparate untereinander rechnen." Denn bestimmte Inhaltsstoffe der Arzneipflanze beeinflussen Stoffwechselenzyme in der Leber. Sie bewirken, dass andere - zeitgleich eingenommene - Arzneimittel wie die Antibabypille, Blutverdünner oder Präparate zur Behandlung von Krebserkrankungen oder der Immunschwächekrankheit AIDS schneller abgebaut und so in ihrer Wirkung abgeschwächt werden.

Außerdem kann Johanniskraut zu sogenannten phototoxischen Reaktionen führen. "Gerade bei hellhäutigen Personen kann die Einnahme von Extrakten der Heilpflanze die Haut empfindlicher gegenüber Sonnenlicht machen", sagt Garke. Solarium oder Höhensonne lösen sonnenbrandähnliche Reaktionen aus und sind in der Zeit der Therapie tabu. Wer intensive UV-Strahlen nicht vermeiden kann, sollte Sonnenschutzmittel auftragen.

Garke rät, bei Winterdepressionen nicht nur auf medikamentöse Behandlung zu setzen. "Einfache Maßnahmen wie Bewegung und Tageslicht können die Symptome bessern." Selbst an trüben und grauen Tagen ist die Lichtintensität im Freien höher als in geschlossenen Räumen. Um die Ausschüttung des stimmungsaufhellenden Hormons Serotonin anzukurbeln, reicht schon eine halbe Stunde Spaziergang. Auch Sport setzt die Produktion des Botenstoffs in Gang.
Autor: nnz

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