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Ein Fuhrhof am Rande einer Stadt

Mittwoch, 17. November 2010, 07:06 Uhr
Es war einmal eine mittelalterliche Stadt nennen wir sie Nordo. So könnte eine märchenhafte Geschichte beginnen, bei der Übereinstimmungen mit der Realität nicht immer auszuschließen sind...


Diese Stadt beherbergte, wie viele andere Städte auch, in ihren Mauern geschickte Menschen die ihrem Tagwerk nachgingen. Zu dieser Stadt gehörte im nahen Süden auch ein Gutshof mit einer Siedlung, nennen wir sie Sudo, diesen Gutshof benötigte die Stadt um sich unter anderem mit Gerste und Roggen für die ansässigen Brennereien und sich mit sämtlichen landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu versorgen und natürlich auch um den Reichtum der Stadt zu mehren. Nordo lag mit seinem dazugehörigen Sudo so ziemlich in der Mitte des Reiches und Handelswege von Ost nach West und Nord nach Süd kreuzten sich schon immer hier.

Nun trug es sich zu, das sich in jener Zeit ein reger Handel entwickelte, Waren die in den westlichen Provinzen des Reiches hergestellt wurden, wurden in östliche Provinzen und in östliche Nachbarreiche verkauft und natürlich auch umgekehrt, deshalb beschloss man im Reiche die Handelwege zu verbreitern und auszubauen, davon war auch Sudo betroffen, man fand sich aber damit ab, weil diese Erweiterungen für das Reich wichtig waren und wohl ein neuer breiter Handelsweg in geringer Entfernung gebaut wurde, von dem aus man das Hü und Ho der Fuhrleute und das Rattern der hochherrschaftlichen Kutschen und der Ochsenkarren hörte, dafür verschwand aber ein kleinerer Handelsweg der früher mitten durch die Siedlung führte an den Rand von Sudo, so dass man damit leben konnte.

Die schlauen Ratsherren von Nordo überlegten nun, wie man aus günstigen Lage in der Mitte Reiches Profit schlagen und das nicht sehr üppige Stadtsäckel durch Steuereinnahmen füllen könne, da es nicht mehr üblich war eine Zollstation zu errichten, sann man nach einer anderen Idee.

Und man fand Sie in Form eines Fuhrhofes, den man mit einem Gasthof mit ein paar Fremdenzimmern, einer Schmiede und einigen anderen Gewerken ausstatten wollte und man machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Standort, wozu auch die Siedlung Sudo gehörte, dort machte man sich aber noch keine großen Gedanken darüber, weil es nur Überlegungen mit mehreren Alternativstandorten waren.

Nach fast einer Dekade an Jahren hatte die Stadt Nordo nun einen scheinbar ehrbaren Kaufmann aus den westlichen Provinzen gefunden, dessen Familie in Zeiten der Herrschaft des römischen Reiches ein kleines Vermögen angehäuft hatte und dieser Kaufmann wollte sein Geldsäckel öffnen und diesen Fuhrhof bauen.

Nun erfuhr Sudo davon, dass die Wahl auf sie gefallen war und dieser Fuhrhof aber mit 200 Stellplätzen für Karren und fast 200 Stellplätzen für Kutschen und auch viel mehr Fremdenzimmern größer ausfallen sollte als erwartetet und auch noch anderer Zeitvertreib für Reisende, wie leichte Mädchen, dazu kommen sollte. Dieser Fuhrhof sollte direkt neben Sudo entstehen, was sonst im Reiche auch nicht üblich war.

Die Bürger von Sudo waren von der Größe überrascht und erkannten auch, dass die Geräusche der Kutschen und Karren nun erheblich zunehmen und auch die Exkremente der Zugtiere ihnen die Luft zum atmen nehmen würden. Deshalb und weil ein sehr großes Gebiet neben dem Ort gepflastert werden sollte waren die Bürger damit nicht einverstanden.

Durch Sudo floss auch ein kleines Bächlein, welches bei stärkeren Gewittergüssen auch schon einmal anschwoll, deshalb hatte man die Ufer erhöht, was aber nicht so richtig half, nun war man glücklich, weil der Landesfürst mit Geldern aus dem Staatssäckel den Bau eines Wehres finanzierte, welches bei Hochwasserspitzen das Wasser vor dem Ort in Brachland ablaufen ließ.

Die Sudoer gaben zu bedenken, dass durch die große gepflasterte Fläche die nachfolgenden Dörfer trotzdem durch Hochwasser bedroht seien, die Nordoer Ratsherren sagten aber, sie hätten mit einem Damm Vorkehrung getroffen vor dem ein Teich angelegt werden sollte und nur eine begrenzte Menge des Wassers würde durch ein Rohr in den Bach fließen. Außerdem hätten sie bedacht, dass die Exkremente der Tiere und Abfälle hinter dem Damm verrotten und dann damit die Felder gedüngt werden könnten.

Just zu jener Zeit meldete sich der größte Brennereibesitzer von Nordo als er von der Ablehnung der Sudoer erfahren hatte, er wohnte zufällig in einem dem Bachlauf nachfolgenden Dorf, er wusste, dass nicht weit von seinem Dorf Bauern ein großes Stück Waldes gerodet hatten um dort Gewerbe anzusiedeln und machte darauf aufmerksam, dass dieses Gebiet doch auch für einen Fuhrhof geeignet sei.

Erstes Ende
Nun, was soll ich sagen, der Fuhrhof wurde trotzdem direkt an Sudo angrenzend gebaut. Es wurden auch 50 Leute in Lohn und Brot gebracht, da aber auch Bürger von Nordo den Barbier und die Schmiede des Fuhrhofes nutzen und auch Reisende lieber hier statt in Nordo oder im alten Gasthof in Sudo übernachteten führte es dazu, das in Wirklichkeit nur annähernd 20 Leute einen neuen Broterwerb fanden. Der Lärm und Gestank war für die Bürger von Sudo stärker als angenommen und es wollten keine neuen Bürger dort ihre Wohnstatt nehmen.

Es trug sich zu, dass es ein mächtiges Gewitter gab, wie es vielleicht aller dutzend Jahre einmal auftritt, so dass das Bächlein auch ohne Fuhrhof schon angeschwollen wäre, nun kamen aber auch die Wassermassen vom Fuhrhof, die den Damm überschwemmten und zu allem Überfluss noch sämtlichen Unrat mit sich führten, dazu und es gab in den nachfolgenden Dörfern Überschwemmungen, die es seit Lebzeiten noch nicht gegeben hatte.

Zweites Ende
Die Ratsherren hatten die Bauentwürfe gründlich geprüft, da sie aber eine Menge an Arbeit hatten waren sie dankbar, dass die Bürger von Sudo sie auf viele Dinge aufmerksam machten, die sie vorher nicht wussten und die sie auch nicht so gesehen hatten, so erkannten sie auch, dass der Kaufmann doch nicht so ehrbar war, wie es vorher schien.

Sie waren weise Ratsherren, die erkannten dass der Platz für einen Fuhrhof an anderer Stelle in einem der Nachbardörfer besser geeignet war und ihre gut ausgebildeten Bürger auch dort in Lohn und Brot kommen konnten, so dass sie sich für einen anderen Standort entschieden.
Der Märchenonkel
Autor: nnz

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